28. Mai 2017, 21:51 Uhr

Streit um Suedlink spitzt sich zu

28. Mai 2017, 21:51 Uhr

Fulda/Wiesbaden (dpa/lhe). Im Streit um den Verlauf der geplanten Stromtrasse Suedlink hat Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die thüringische Landesregierung kritisiert. Der Vorschlag Thüringens zum Verlauf der Leitung, die Windenergie von Nord- nach Süddeutschland transportieren soll, sei nicht sachgerecht. »Man hebt ein einzelnes Kriterium hervor und ignoriert dabei viele andere«, sagte Al-Wazir der dpa.

Die Trasse solle natürlich möglichst geradlinig verlaufen, befand auch Al-Wazir, »aber fachlich noch wichtiger sind Fragen der Umweltverträglichkeit und – gerade bei einem Erdkabel – der Geologie«. Hessen, betonte der Minister, werde im weiteren Verfahren sehr aufmerksam darauf achten, dass der von Thüringen besonders betonte Aspekt der Geradlinigkeit nicht überbewertet werde.

Die Thüringer Landesregierung hatte kürzlich für den Leitungsverlauf einen Korridor durch Nord- und Osthessen vorgeschlagen. Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) sagte, eine Route durch Thüringen widerspreche dem geforderten Gebot der Geradlinigkeit. Demnach solle sie sich möglichst ohne Umwege an der Luftlinie orientieren. Daher müsse der Wege westlich durch Hessen verlaufen.

Kritik von Kommunalpolitikern

Der Netzbetreiber Tennet favorisiert indes einen Korridor durch Thüringen und sieht in einer Variante durch Hessen nur eine Alternative. Die Entscheidung über einen 500 bis 1000 Meter breiten Korridor für die Leitungen trifft letztlich die Bundesnetzagentur.

Mit dem Vorschlag zum Verlauf weiter westlich trifft Thüringen in Hessen auf Widerstand. Kritik kam von Kommunalpolitikern. Der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) sagte: »Die Planung der Thüringer ist nicht fachlich und an der Sache orientiert, sondern politisch. Erfurt will sich die Trasse vom Hals halten.« Auch Al-Wazir betonte: »Das Sankt-Florians-Prinzip hilft am Ende niemandem weiter.« Laut Bundesnetzagentur spielen bei der Bewertung zum geeignetsten Verlauf viele Faktoren eine Rolle: Neben der Geradlinigkeit geht es auch um die Raum- und Umweltverträglichkeit. Siedlungen und Bebauungen können ebenso dagegen sprechen wie Arten- und Naturschutz.

Mit Blick auf die Kriterien zur Trassensuche betonte Al-Wazir: »Die Länge einer Leitung sagt allein nichts darüber aus, welche Umweltbeeinträchtigungen sie verursacht und welche Konflikte beispielsweise mit Siedlungen oder Verkehrswegen bestehen.« Deshalb hätten die Übertragungsnetzbetreiber das Kriterium Geradlinigkeit auch nicht besonders hervorgehoben, als sie ihre Korridorvorschläge erarbeiteten. Die Stromtrasse Suedlink soll die »Hauptschlagader« der Energiewende werden und Windstrom von Nord- nach Süddeutschland transportieren.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bernd Woide
  • Birgit Keller
  • Bundesnetzagentur
  • CDU
  • Stromtrassen
  • Tarek Al-Wazir
  • Windenergie
  • Wirtschaftsminister
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos