Hessen

Stadthaus in Frankfurt verschlingt Millionen Mehrkosten

Begegnungsstätte und Besucherzentrum – das Stadthaus in Frankfurt sollte ein attraktiver Ort werden. Allerdings sorgten nicht nur Mehrkosten für Negativschlagzeilen.
22. April 2018, 17:31 Uhr
Gerd Chmeliczek
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»Das Stadthaus ist das exzellente Veranstaltungsgebäude ersten Ranges im Herzen der Altstadt Frankfurt am Main.« So wirbt die Stadt für den schmucken Bau am Markt, der als Anker der neuen Altstadt vorgesehen ist und als Kernstück des Dom-Römer-Quartiers den südlichen Abschluss des Viertels bildet. Im Juni 2016 eröffnet – und deutlich teurer als ursprünglich veranschlagt. Statt der angesetzten 18,4 Millionen Euro kostete das Stadthaus am Ende 24,7 Millionen Euro.

Verursacht durch Mehrkosten am Bauwerk (1,5 Millionen), Wünsche des Hauptamts (700 000 Euro), zusätzliche Denkmalschutzauflagen (1,3 Millionen), Vorbereitungen eines musealen Konzepts (300 000), Insolvenzkosten einer Firma (400 000) sowie höhere Aufwendungen für Nebenkosten, Beratungen und Sachverständige (2,1 Millionen). Das teilt die Stadt auf Anfrage mit.

 

Über Monate Leerstand

 

Geplant war das Stadthaus, um die Ausgrabungen des archäologischen Gartens zu schützen. Die Veranstaltungsräume sollten das relativ kleine Angebot an repräsentativen Räumlichkeiten in der Innenstadt ergänzen, zitiert die Stadt aus der Vorlage zur Bebauung des Dom-Römer-Areals aus dem Jahr 2007. Eine kulturelle oder öffentliche Nutzung sei von Anfang an beabsichtigt gewesen. Doch erst einmal stand das Haus über Monate leer, ehe eine Gesellschaft die Vermietung übernahm. Und: Es gab neue Pläne für das Vorzeigeprojekt. Im zweiten Obergeschoss sollte ein ökumenisches Kirchen- museum entstehen. Deutlich unter einer Million Euro, hieß es damals, sollte der Umbau des Neubaus kosten.

 

Hinter den Erwartungen

 

Doch der Umbau liegt auf Eis: Im Dezember 2017 verkündete der Frankfurter Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU), dass man aufgrund der angespannten Haushaltslage auf das Projekt verzichte. Eine Entwicklung, die sich nicht zuletzt auch der Bund der Steuerzahler auf die Fahnen schrieb.

Der hatte nämlich das Stadthaus in sein Schwarzbuch aufgenommen. Darin werden die Mehrkosten ebenso kritisiert wie das fehlende Nutzungskonzept, der monatelange Leerstand, die mangelnden Einnahmen aus Vermietungen und nicht zuletzt der geplante Umbau. »Mehrkosten können kaum verwundern, wenn Bürgermeister sowie Baustadtrat nach der Fertigstellung eines Baus in zweistelliger Millionenhöhe erklären, dass hier ein Gebäude geplant worden ist, ›ohne seine Nutzung zu bestimmen‹«. schreibt der Steuerzahlerbund. Hintergrund: Bürgermeister Becker und Stadtrat Jan Schneider hatten im Dezember 2016 das fehlende Nutzungskonzept beklagt, als sie die Pläne für das Kirchenmuseum vorstellten.

 

Zahl der Veranstaltungen überschaubar

 

Und wie wird das Stadthaus als Veranstaltungsort angenommen? Immerhin wollte die Stadt jährliche Mieteinnahmen von 214 500 Euro generieren. Die Anmietung des Saales mit seinen 199 Sitzplätzen kostet bis zu 3500 Euro pro Veranstaltung. Der Steuerzahlerbund spricht von 26 000 Euro zwischen Februar und Juni 2017, bis November waren es laut Medienberichten 38 000 Euro. Gefragt nach einer Bilanz für das abgelaufene Jahr und einer Aussicht für 2018 antwortet die Stadt lediglich: »Die Zahl an Veranstaltungen war 2017 noch überschaubar, wodurch die beabsichtigten Einnahmen noch nicht erzielt werden konnten. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es sich bei dem Stadthaus um einen völlig neuen Veranstaltungsort handelt, der erst seit etwa einem Jahr vermarktet wird. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die Räumlichkeiten des Stadthauses im Laufe der Zeit für immer mehr Veranstaltungen, die ja oft einen langen Planungsvorlauf haben, gebucht werden.«

 

Stadt bleibt optimistisch

 

Man bleibt also optimistisch seitens der Stadt. Nun hofft man auf die Eröffnung der Altstadt Ende September dieses Jahres. Denn: Das Stadthaus habe sein volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Man gehe aber davon aus, dass im Zusammenhang mit der Eröffnung auch das Stadthaus stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerate »und damit auch noch etwas deutlicher in das Bewusstsein der Frankfurter und der Besucher kommt«.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/Hessen-Stadthaus-in-Frankfurt-verschlingt-Millionen-Mehrkosten;art189,421075

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