03. Januar 2020, 22:21 Uhr

Spuren der konjunkturellen Schwäche

03. Januar 2020, 22:21 Uhr

Nürnberg/Frankfurt/Gießen (rüg/dpa). Üblicherweise steigen zum Jahresende die Arbeitslosenzahlen an. So stark wie im Dezember 2019 war die Zunahme aber schon seit Jahren nicht mehr - Indizien für die konjunkturelle Delle. Bundesweit erhöhte sich die Zahl der Männer und Frauen ohne Stelle um rund 47 000 auf knapp 2,227 Millionen. Die Quote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent. »Der Arbeitsmarkt hat sich auch zum Jahresende weitestgehend stabil gezeigt. Spuren der konjunkturellen Schwächephase sind aber erkennbar«, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, in Nürnberg die aktuellen Zahlen.

Auch in Hessen kann der Arbeitsmarkt die aktuelle wirtschaftliche Schwächephase nicht verleugnen. Hier waren Ende Dezember rund 146 700 Arbeitslose gemeldet, knapp 3400 mehr als im November. Die Quote stieg um 0,1 auf 4,3 Prozent.

2019 insgesamt sehr gutes Jahr

Dennoch zieht die Regionaldirektion Hessen eine positive Bilanz für das abgelaufene Jahr: »2019 ist für den hessischen Arbeitsmarkt sehr gut verlaufen. Der Jahresdurchschnittswert stellt mit etwa 150 000 Arbeitslosen das beste Ergebnis der Dekade dar. Die letzten zehn Jahre haben gezeigt, dass der Arbeitsmarkt in einem hohen Maß für Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung aufnahmefähig war. Vom konjunkturellen Aufschwung konnten ebenfalls Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderungen profitieren«, erklärte Almuth Schlosser, Mitglied der Geschäftsführung.

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Hessen wächst nach Angaben der Regionaldirektion unverändert weiter. Der hochgerechnete, vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung für Oktober 2019 belief sich auf knapp 2,7 Millionen. Mit einem Anstieg um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt Hessen leicht über dem Bund (plus 1,5 Prozent). Der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zeige sich in fast allen Wirtschaftszweigen.

Im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen (zuständig für die Landkreise Gießen, Vogelsberg und Wetterau) ist die Zahl der Erwerbslosen um 403 auf 16 036 Personen gestiegen. Auch hier erhöhte sich die Quote um 0,1 auf 4,3 Prozent.

»Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresende waren vorwiegend Personen betroffen, die im Bau- und im produzierenden Gewerbe tätig waren«, kommentierte Johannes Paul, Pressesprecher der Arbeitsagentur Gießen, die aktuellen Daten für die Region. »Diese Entwicklung ist zur kalten Jahreszeit üblich. Für eine wirtschaftliche Krise oder einen bevorstehenden, deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit ist dies jedoch kein Hinweis«, zumal die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auch in den vergangenen Monaten kontinuierlich weiter gestiegen sei. »Wahrscheinlicher ist, dass der steigende Fachkräftebedarf im neuen Jahr eine große Herausforderung darstellt. Hier kann die Qualifizierung von Mitarbeitern ein wichtiger Baustein zur Deckung des Fachkräftebedarfs sein.«

Die Arbeitskräftenachfrage ist im Dezember zurückgegangen. Arbeitgeber meldeten der Arbeitsagentur sowie den Jobcentern des Kreises Gießen und der Wetterau im Dezember insgesamt 1225 neue Stellen. Dies waren 207 Stellen weniger als im Vorjahresmonat. Der Bestand an offenen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen ist im abgelaufenen Monat deutlich zurückgegangen. 5814 Stellen waren gemeldet, 804 Stellen weniger als im Dezember vor einem Jahr.

Bei den arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren und den älteren Arbeitslosen sei die Zahl im abgelaufenen Monat jeweils moderat gestiegen, erklärte Paul. Die Zahl der jungen Menschen, die auf der Suche nach einer Ausbildungs- oder Arbeitsstelle waren, stieg um 18 Personen und lag danach bei 1470. Die Quote blieb unverändert bei 3,6 Prozent. Im Dezember 2018 waren 51 jüngere Arbeitssuchende weniger gemeldet. Damals lag die Arbeitslosenquote ebenfalls bei 3,6 Prozent.

Die Zahl der über 50-jährigen Arbeitslosen ist jetzt gegenüber dem Vormonat gestiegen. 5201 Ältere waren registriert, 75 mehr als im November. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 4,0 Prozent. Bei gleichem Personenkreis waren ein Jahr zuvor 106 Menschen weniger registriert.

Bei dem regionalen Vergleich der Arbeitslosigkeit zeigt sich im Gießener Bezirk ein einheitliches Bild: Die Zahl der Arbeitslosen hat sich in den drei Landkreisen erhöht. Im Kreis Gießen waren im Dezember insgesamt 7646 Menschen erwerbslos gemeldet, 170 Arbeitslose mehr gegenüber dem Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 und lag danach bei 5,3 Prozent. Im Vorjahresmonat wurde eine Quote von 5,0 Prozent verzeichnet. Damals waren 471 Menschen weniger registriert.

Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im Dezember um 192 Personen auf jetzt 6390 gestiegen. Die Quote stieg um 0,1 auf jetzt 3,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren jetzt 369 Erwerbslose mehr gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 3,7 Prozent.

Im Vogelsbergkreis ist die Zahl der Erwerbslosen im Dezember gestiegen. 2000 Personen waren als arbeitslos registriert, 41 Personen mehr als im November. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 3,4 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 33 Erwerbslose mehr gemeldet. Die Quote lag damals bei 3,5 Prozent.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeitsagenturen
  • Arbeitslosenquote
  • Arbeitslosigkeit
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Detlef Scheele
  • Indizien
  • Johannes Paul
  • Sozialversicherungspflicht
  • Frankfurt
  • Gießen
  • Rüdiger Geis
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos