14. Oktober 2017, 17:00 Uhr

Mehr Polizisten

So will die Polizei die Präsenz auf Bahnhöfen erhöhen

Die Polizeigewerkschaft beklagt mangelnde Präsenz der Bundespolizei an Bahnhöfen. Die Bundespolizei will das ändern. Wie das gehen soll? Wir haben nachgefragt.
14. Oktober 2017, 17:00 Uhr
Viele Kräfte der Bundespolizei werden gebunden, um am Frankfurter Flughafen Präsenz zu zeigen. (Foto: dpa)

»Bahnhöfe werden zu Angsträumen« – anfang der Woche sorgte die Gewerkschaft der Polizei für Schlagzeilen, weil sie die Personalengpässe bei der Bundespolizei anprangerte. Dadurch fehlten an Bahnhöfen die Beamten. Laut Gewerkschaftsangaben hat die Bundespolizei am Bahnhof Limburg zuletzt 98 Prozent der Dienstschichten nicht besetzt, am Hauptbahnhof Hanau habe die Ausfallquote 54 Prozent betragen. In Darmstadt falle jede fünfte Schicht aus. Die GdP hat den Zeitraum von August 2016 bis August 2017 ausgewertet. Seitens der Bundespolizei räumt man die Engpässe ein, Besserung sei aber in Sicht, wie der Sprecher der Bundespolizeidirektion Koblenz, Christian Altenhofen, auf Anfrage dieser Zeitung erklärt. Wenn auch erst 2020.


  

 

Überbrücken mit intelligenten Lösungen

 

7500 zusätzliche Stellen bundesweit seien von der Politik bewilligt worden, sagt Altenhofen. Die Ausbildung habe bereits begonnen, sie dauere zwischen zweieinhalb und drei Jahren (gehobener Dienst). »Diese Zeit müsssen wir mit intelligenten Lösungen überbrücken«, erklärt der Sprecher. Man setze die Kräfte flexibel ein und lege den Fokus auf Bahnhöfe wie Mainz oder Frankfurt, die aufgrund der Sicherheitslage besonders im Fokus stünden. Wie viele der neuen Stellen auf Hessen entfallen, ist noch unklar.

Zudem setze man auf sogenannte Schwerpunktmaßnahmen an Bahnhöfen wie in Limburg, bei denen die mobile Kontroll- und Überwachungseinheit eingesetzt werde. In Hessen sei von den Einsätzen her aber unbestritten der Frankfurter Hauptbahnhof dominierend. Den Vorwurf der Gewerkschaft, dass man sich aus der Fläche mehr und mehr zurückziehe, kann Altenhofen nicht nachvollziehen. »Das würde ja bedeuten, dass wir Reviere schließen. Und das tun wir nicht.« Dass Dienststellen temporär unbesetzt blieben, sei aber durchaus möglich.

 

Gießen Einsatzschwerpunkt

 

Neben Frankfurt seien in der heimischen Region Kassel, Fulda und auch Gießen Einsatzschwerpunkte, sagt Altenhofen. In Mittelhessen sei es aber generell so, dass man eher auf den Strecken unterwegs sei, um etwa Metalldiebstähle zu verhindern.

Bahnhöfe werden zu »Angsträumen« – auch diesen Vorwurf der Gewerkschaft möchte Altenhofen so nicht stehen lassen: Bahnhöfe seien grundsätzlich ein Schmelztiegel verschiedenster Gruppen. Man habe Reisende, Pendler, die Obdachlosen- und die Drogenszene. Diese Gemengelage könne für viele schon ungewöhnlich oder gar beängstigend sein. Allerdings gehe es hier um das sehr subjektive Sicherheitsgefühl eines jeden Einzelnen.

 

Nicht nur auf Brennpunkte konzentrieren

 

Die Zahl der Einsätze sei im Laufe der Zeit gestiegen. »Keine Großveranstaltung ohne die Bundespolizei«, erklärt Altenhofen. Dazu seien Einsätze aufgrund der Flüchtlings- situation gekommen. Zudem hätten der demografische Faktor und Kosteneinsparungen zu den personellen Engpässen beigetragen.

Die Gewerkschafter beurteilen die geplante personelle Aufstockung indes zurückhaltend. »Das kann uns schon entlasten. Allerdings müssen die Einstellungszahlen auch auf einem hohen Niveau gehalten werden«, erklärt Thomas Weichert, Vorsitzender der GdP-Kreisgruppe Kassel. Vor 2020 werde man allerdings keine Entlastung erfahren, »weil wir keine Schwerpunktreviere sind«, befürchtet er. Es sei zwar nachvollziehbar, sich auf die Brennpunkte zu konzentrieren. »Aber man darf uns nicht vergessen.« Die Schwerpunkteinsätze seien grundsätzlich positiv zu bewerten und zeigten auch Erfolge. »Aber es könnte öfter sein.« Die Fläche müsse auch bedient werden.

 

Viele Kräfte an Belastungsgrenze

 

Zusätzlich zu den Regeleinsätzen kämen Abordnungen an die deutsch-österreichische Grenze und nach Frankfurt sowie Ein- und Ausreisekontrollen am Kasseler Flughafen, für die kein zusätzliches Personal zu Verfügung stehe. Dazu kämen die Teilnahme an Lehrgängen, Langzeitkranke und eine hohe Zahl an nicht besetzten Dienstposten. »Viele Kollegen sind an der Belastungsgrenze. Alle machen einen herausragenden Job«, sagt Weichert. Insgesamt fehlten im Bereich der Inspektion Kassel rund 50 Kräfte.

Auch Helmut Seibert, Vorsitzender der GdP-Kreisgruppe Frankfurt, lobt die Kollegen für ihren Einsatz. Auch er hofft durch die neuen Kräfte auf Entlastung. »Die Schwerpunkte müssen gestärkt werden, damit wir auch wieder in der Fläche präsenter werden können«, sagt er. Auch in Frankfurt gebe viele besondere Einsatzlagen, wie beispielsweise Demonstrationen oder die An- und Abreise von Fußballfans. Auch hier werden die Einsätze immer mehr, das Personal werde immer weniger. Aktuell hab man im Bereich der Inspektion Frankfurt 80 Beamte zu wenig, schätzt Seibert.

Wer wo tätig ist

Zuständigkeiten

Die Bundespolizeidirektion Koblenz ist eine von neun regional zuständigen Bundespolizeidirektionen. Sie erfüllt mit rund 1900 Mitarbeitern Aufgaben in Rheinland-Pfalz, Hessen (mit Ausnahme des Flughafens Frankfurt) und im Saarland. Der Direktion nachgeordnet sind sieben Inspektionen. In Kassel ist man zuständig für Landkreise Gießen, Marburg-Biedenkopf, Vogelsberg, Fulda und Hersfeld-Rotenburg. Die Reviere sind in Gießen und Fulda. Bei der Inspektion Frankfurt, mit Revieren in Wiesbaden, Darmstadt, Limburg, Hanau, ist man auch für Teile der Wetterau zuständig. Der Schwerpunkt der Einsätze liegt hier aber ganz klar in der Mainmetropole.

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