18. Januar 2018, 22:23 Uhr

Siegeszug im Energiesparmodus

Moderne LED-Straßenlampen können den Stromverbrauch um bis zu 80 Prozent drücken bei deutlich höherer Lebensspanne. Leuchten sie im richtigen Ton, freut es auch Umweltschützer.
18. Januar 2018, 22:23 Uhr

Mit einer LED-Leuchte lässt sich Geld, Energie und CO2-Ausstoß einsparen. Das rechnet sich vor allem bei hohen Stromrechnungen – wie sie etwa Kommunen für ihre Straßenbeleuchtung begleichen müssen. Trotzdem kommt in hessischen Städten und Gemeinden die Umrüstung der Laternen auf moderne LED-Lampen nur langsam in Gang. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zog am Mittwoch in Wiesbaden nichtsdestotrotz eine positive Bilanz der staatlichen LED-Förderprogramme.

Mehr als 110 hessische Städte und Gemeinden setzen demnach bei ihren Straßenlampen inzwischen auf energiesparende LED-Technik. Mit Unterstützung von Land und Bund wurden und werden rund 85 000 Laternen modernisiert, wie Al-Wazir erklärt. Rechne man frühere Pilotprojekte mit ein, dann leuchte inzwischen jede vierte Straßenlampe im Land umweltschonend – oder stehe kurz davor. Wie viele weitere Städte ihre Straßenbeleuchtung nur mit Geld aus der eigenen Kasse umgerüstet haben, sei nicht bekannt.

Mit der LED-Technik verlängert sich die Lebensdauer einer Leuchte von bislang vier auf rund 20 Jahre. Außerdem wird der Stromverbrauch nach Einschätzung von Experten um 70 bis 80 Prozent verringert. Die Straßenbeleuchtung mache durchschnittlich ein Drittel der Stromrechnung einer Kommune aus, sagt Karsten McGovern, Leiter der Landesenergieagentur. Bei der Agentur können sich Kommunen beraten lassen, etwa zum Klimaschutz oder zum sparsamen Umgang mit Energie.

Wenn die LED-Technik so viele Vorteile hat, warum rüsten dann nicht alle Kommunen um? Dafür gibt es nach den Worten von Martin Grobba vom hessischen Städte- und Gemeindebund mehrere Gründe. »Die Straßenbeleuchtung ist in vielen Fällen nicht in kommunaler Hand«, erklärt er. Oft müssten bestehende Verträge mit Energieversorgern umgeschrieben werden.

Und selbst wenn eine Kommune gerne modernisieren würde, scheitere es beispielsweise am Geld. In einigen Fällen reiche es nicht, die Lampenköpfe auszutauschen, sondern es müsste eine komplett neue Laterne aufgestellt werden. »Es ist manchmal schwierig zu finanzieren«, sagt Grobba. Trotz der Förderprogramme.

Der Einsatz von LED sei sinnvoll, urteilt Michael Hofmeister vom Hessischen Städtetag. »Deshalb sind unsere Mitglieder auf jeden Fall an der Umrüstung interessiert«, erklärt er. »Einige haben sich auch schon auf den Weg gemacht.«

Der Erste Beigeordnete der Gemeinde Heidenrod im Taunus, Wilfried Herborn (SPD), sieht es mit Blick auf das Sparpotenzial so: »Wer jetzt nicht in die Pötte kommt, handelt sträflich.« Die Investition werde sich in Heidenrod innerhalb von fünf Jahren auszahlen. »Die Bürger sind zufrieden, es gab keine Beschwerden«, sagt er. Auch Manfred Wunsch vom Tiefbauamt Gießen berichtet von durchweg positiven Reaktionen der Anwohner, etwa zum Sicherheitsgefühl als auch zur Lichtqualität. Die Universitätsstadt hatte 2015 in einem Pilotprojekt mehrere Stadtteile und einzelne Quartiere der Kernstadt mit neuem LED-Licht ausgestattet.

Zu den LED-Pionieren zählt auch Idstein. Früher sei nachts aus Kostengründen jede zweite Laterne abgeschaltet worden, berichtet Bürgermeister Christian Herfurth (CDU). Bei den LED-Leuchten sei dies nicht mehr nötig – dennoch spare die Stadt mehr als 70 Prozent der Energiekosten. Mögliche »Angsträume« würden so die ganze Nacht ausgeleuchtet.

Helles Licht in der Nacht kann allerdings zur Falle für Insekten werden, mahnt der Bund für Umwelt und Naturschutz. LED-Lampen befürworten die Naturschützer grundsätzlich, empfehlen aber, eine Farbtemperatur zwischen bernsteinfarben und warmweiß zu wählen. Damit würden die Lampen für Insekten deutlich unattraktiver – und es verendeten weniger von ihnen an den Laternen. (Foto: dpa)

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