Hessen

Schlachthof-Insolvenz gefährdet »Ahle Wurscht«

Angesichts der Finanznot des Kasseler Schlachthofs fürchten nordhessische Metzger um ihre »Ahle Wurscht«. Macht der Betrieb zu, müssten Fleischer auf weiter entfernte Schlachthöfe ausweichen, sagte Dirk Nutschan, Obermeister der Fleischerinnung Kassel am Mittwoch. Die Zeit für die traditionelle Warmverarbeitung der Wurst werde dann knapp. Der Kasseler Schlachthof steht seit einem Monat unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Eine Investorensuche blieb bisher erfolglos. Der Betrieb ist mit seinen 14 Mitarbeitern gegenüber großen Schlachtereien kaum konkurrenzfähig. Doch für Metzger, die »Ahle Wurscht« produzieren, ist die räumliche Nähe wichtig. Rettung könnte ein Investor bringen, der bis Ende Februar gefunden werden muss. Zwei Interessenten gebe es noch, sagte Simon Braun, der vorläufige Insolvenzverwalter.
03. Januar 2018, 21:00 Uhr
DPA

Angesichts der Finanznot des Kasseler Schlachthofs fürchten nordhessische Metzger um ihre »Ahle Wurscht«. Macht der Betrieb zu, müssten Fleischer auf weiter entfernte Schlachthöfe ausweichen, sagte Dirk Nutschan, Obermeister der Fleischerinnung Kassel am Mittwoch. Die Zeit für die traditionelle Warmverarbeitung der Wurst werde dann knapp. Der Kasseler Schlachthof steht seit einem Monat unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Eine Investorensuche blieb bisher erfolglos. Der Betrieb ist mit seinen 14 Mitarbeitern gegenüber großen Schlachtereien kaum konkurrenzfähig. Doch für Metzger, die »Ahle Wurscht« produzieren, ist die räumliche Nähe wichtig. Rettung könnte ein Investor bringen, der bis Ende Februar gefunden werden muss. Zwei Interessenten gebe es noch, sagte Simon Braun, der vorläufige Insolvenzverwalter.

Die Zeit laufe ihm aber davon: »Entweder wir finden jemanden oder wir müssen den Betrieb schließen.« Das Problem sei ein Investitionsstau. Seit Jahren mache der Schlachthof Verluste. Daher sei in das 40 Jahre alte Gebäude nichts investiert worden. Allein die Kosten für dringende Reparaturarbeiten schätzt Braun auf eine Viertelmillion Euro.

Die Verarbeitung des warmen Fleischs und die Tradition der »Ahlen Wurscht« sieht der Insolvenzverwalter als Vorteil des Schlachthofs: »Es würde Sinn machen, sich auf dieses Segment zu konzentrieren«, sagt Braun. Oder man brauche ein ganz anderes Konzept.

Retten könnten den Schlachthof laut Braun auch die Gesellschafter. Doch ausgerechnet die beiden größten Anteilseigner, die Stadt und der Landkreis Kassel, mit zusammen 94 Prozent fallen heraus. Zwar sagt Stadtsprecher Claas Michaelis: »Uns ist daran gelegen, eine Lösung zu finden.« Doch ein finanzielles Engagement ist nicht zu erwarten. Durch eine alte Vertragsregelung haben Stadt und Kreis kein Stimmrecht und keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik. Daher stehe man nicht in der Verantwortung, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn. Er geht davon aus, dass es die »Ahle Wurscht« trotzdem weiter gibt - ob mit oder ohne Schlachthof.

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