25. Juni 2018, 21:00 Uhr

S-Bahn-Tunnel

S-Bahn-Tunnel noch einmal für sechs Wochen dicht

Sechs lange Wochen ist der Frankfurter S-Bahn-Tunnel gesperrt. Zum letzten Mal, verspricht die Deutsche Bahn. Ab August soll der Verkehr in dem Nadelöhr dann schneller und zuverlässiger rollen.
25. Juni 2018, 21:00 Uhr
Der zentrale S-Bahn Tunnel unter der Innenstadt ist vom 23. Juli bis. 5. August gesperrt. Grund ist der Einbau eines neuen elektronischen Stellwerks, das mehr Pünktlichkeit auf der stark befahrenen Strecke bringen soll. (Foto: dpa)

Ausgediente Kabelstücke liegen auf einem Bauzug, am Bahnsteig warten Stapel alter Steinplatten auf ihren Abtransport. Wo sich sonst die Fahrgäste drängeln, ist nun Baustelle. Funken fliegen in der unterirdischen S-Bahn-Station des Frankfurter Hauptbahnhofs. Zwei Bauarbeiter demontieren ein altes Signal, insgesamt müssen rund 100 der Geräte einer neuen Technik weichen. Dafür ist der zentrale S-Bahn-Tunnel unter der City zum vierten Mal in diesem Jahr voll gesperrt.

Für genervte Pendler hat die Deutsche Bahn eine gute Nachricht: Die vor drei Jahren begonnenen Bauarbeiten lägen voll im Plan, so dass der Tunnel wie vorgesehen am 6. August wieder für den Verkehr freigegeben werden könne, sagt Bahnsprecher Thomas Bischoff. Dann soll ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb und die 40 Jahre alte Vorgängerversion komplett zurückgebaut sein. Mehr als 100 Bauarbeiter sind damit in den kommenden Wochen beschäftigt.

 

Stark befahrene Bahnstrecke

 

Durch die beiden Tunnelröhren führen acht der neun S-Bahnlinien im Rhein-Main-Gebiet. 48 Züge passieren das Gewölbe normalerweise pro Stunde, damit gehört es zu den meistbefahrenen Bahnstrecken bundesweit. Die Folge: Oft staut sich der Verkehr und neun von zehn Bahnen sind zu spät am Ziel.

Das neue Stellwerk soll Abhilfe schaffen, wie der Projektleiter der Tunnelbaustelle, Matthias Körner, erklärt. Künftig können die Bahnen schneller fahren – statt 60 sind dann an vielen Stellen 80 Stundenkilometer möglich – was nach Hoffnung der Bahn und des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) einen Zeitpuffer schafft. Mehr als 15 bis 30 Sekunden Ersparnis pro Tunneldurchfahrt seien allerdings nicht möglich, sagt Körner.

 

Kontrolleur als Prellbock

 

Am Montag seien die meisten Fahrgäste vorab informiert gewesen, doch einzelne auch völlig überrascht, wenn ihre S-Bahn am Hauptbahnhof stoppe, berichtet ein Service-Mitarbeiter des RMV. Seit 6 Uhr morgens betreut er einen kleinen Stand am Hauptbahnhof und hilft bei Fragen weiter. »Die meisten wollen wissen, wie sie zum Flughafen kommen oder zur Hauptwache«, berichtet der Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte. Denn normalerweise arbeitet er als Fahrkarten-Kontrolleur. Einige seien wegen der Tunnelsperrung sauer und benutzten ihn als Prellbock. Doch für diese Fälle sei er geschult. »Ich hole die Leute erst einmal herunter.« Dann kläre er mit ihnen, wie sie weiterkommen können.

Auch online gibt es Beschwerden über längere Fahrzeiten und volle Züge. »Tunnelsperrung & Ferienfahrplan bedeutet für mich: 30 Minuten zu früh oder 15 Minuten zu spät auf Arbeit«, klagt etwa ein Twitternutzer. Ein Anderer lobt, dass der RMV Müsliriegel und Wasserflaschen verteile.

 

620 Tonnen Material müssen weg

 

Fast 470 000 Menschen passieren täglich den Frankfurter Hauptbahnhof, selbst in der Ferienzeit sind es nur etwa ein Fünftel weniger. Im dichten Strom versuchen sich die Fahrgäste an diesem Morgen zu orientieren. Dabei ist in vielen Fällen Geduld gefragt. Schlangen bilden sich vor den Zugängen zur U-Bahn und vor den Rolltreppen, auch, weil gleich mehrere Passagiere ihr eigenes Fahrrad mitgebracht haben. Andere nutzen das Angebot der Bahn, die Leihräder für 30 Minuten kostenlos zur Verfügung stellt.

Im dunklen S-Bahn-Tunnel gehen die Arbeiten unterdessen weiter, es herrscht Zeitdruck. 190 Kilometer Kabel sowie alte Signal- und Notbremsanlagen müssen abgebaut und weggeschafft werden, insgesamt 620 Tonnen Material. Mehr als 100 Millionen Euro sind in den Einbau des neuen Stellwerks geflossen. Die bisherigen Tests seien in Ordnung gewesen, nun stünden die letzten Überprüfungen an, sagt Körner: »Wir sind im Endspurt.«

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