15. Mai 2015, 22:08 Uhr

Reizgas in Bad Nauheimer Schule versprüht: 22 Opfer

Bad Nauheim (chh). Mit Atemwegsreizungen sind 22 Schüler der Beruflichen Schulen am Gradierwerk am Mittwochmorgen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Schule wurde evakuiert, Feuerwehr, sechs Rettungswagen, zwei Notärzte und der organisatorische Leiter des Rettungsdienstes waren im Einsatz.
15. Mai 2015, 22:08 Uhr
Die Polizei geht davon aus, dass zwei 17-jährige Schüler das Reizgas versprüht haben. Sie sollen vor Schulkameraden damit geprahlt haben. (Foto: Corinna Weigelt)

Es ist 9.20 Uhr, die zweite Stunde neigt sich dem Ende entgegen. Die Zehntklässler sitzen im Klassenraum und sehnen das lange Wochenende herbei. Als der Gong ertönt, strömen sie auf den Flur. Plötzlich merken sie, dass es merkwürdig riecht, eine halbe Stunde später tut ihnen der Hals weh. Schulleiter Andreas Stolz reagiert sofort: Er lässt die Schule evakuieren und ruft den Rettungsdienst. »Ich bin dann mit einer Kollegin und dem Hausmeister rübergegangen. Das Reizgas war wahrnehmbar, vermutlich ist es auch in den Klassenraum gezogen. Wir haben dann ordentlich gelüftet.« Die 22 Schüler, die als erstes in den Flur getreten waren, seien vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden. »Das ist das übliche Verfahren, schließlich sind wir fürsorgepflichtig«, sagt Stolz. Die Reizungen seien jedoch nicht so schlimm gewesen, die Schüler hätten die Klinik nach kurzer Zeit wieder verlassen können. Nachdem die Feuerwehr das Gebäude untersucht hatte, konnte der Unterricht weitergehen.

Die Polizei geht davon aus, dass zwei 17-jährige Schüler das Gas im Flur versprüht haben. »Einige ihrer Mitschüler haben uns berichtet, dass die beiden Jungs zuvor damit geprahlt haben«, sagt Polizeisprecherin Sylvia Frech. Ob sie ein illegales Produkt oder zum Beispiel ein Mittel zur Tierabwehr benutzt haben, sei unklar. »Wir haben das Gerät noch nicht sichergestellt.«

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art: In der vergangenen Woche mussten alleine im Kreis Gießen zwei Schulen evakuiert werden, weil Schüler über Atemreizungen klagten. Sowohl an der Adolf-Reichwein-Schule in Pohlheim als auch an der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden hatten Schüler Reizgas versprüht. Die Polizei geht davon aus, dass es sich an der zweiten Schule um eine Nachahmungstat handelte.

Das könnte auch auf die Bad Nauheimer Berufsschule zutreffen, glaubt Leiter Andreas Stolz, zumal die Schüler durch soziale Netzwerke solche Vorfälle schnell mitbekämen. »Es gibt natürlich gewisse Lerneffekte. Mit geringen Mitteln wird ein relativ großer destruktiver Erfolg erreicht, in diesem Fall der Ausfall von Unterricht.«

Bleibt zu hoffen, dass sich auch beim Betrachten der Konsequenzen ein Lerneffekt einstellt. Neben »pädagogischen Ordnungsmaßnahmen« (Stolz) können die Übeltäter auch mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen, sofern sie denn über 14 Jahre alt sind. Nicht zuletzt müssen sie (beziehungsweise ihre Eltern) die Kosten für den Großeinsatz übernehmen – und die können schnell mal in den fünfstelligen Bereich gehen. Taschengeld dürfte wohl erstmal auf Eis liegen.

Die Polizei bittet um Hinweise. Wer etwas mitbekommen hat, wird gebeten, sich unter der Rufnummer 0 60 31/60 10 zu melden.

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