14. Juni 2018, 22:22 Uhr

»Reizender« Schmetterling

14. Juni 2018, 22:22 Uhr
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners beschädigen nicht nur Bäume, sondern sind auch für Menschen nicht ungefährlich.

Gießen/Kassel (rüg). Der unscheinbare Nachtfalter hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Eine Berührung mit der Raupe des Eichenprozessionsspinners kann üble Folgen haben – von Hautreizungen bis zu Bronchitis und Asthma. Und er breitet sich immer weiter aus. Was kann man tun, um Schäden zu vermeiden oder zu lindern. Fragen und Antworten:

? Was sollte man beim Eichenprozessionsspinner unbedingt vermeiden?

Die Haare der Prozessionsspinnerraupen enthalten ab dem dritten Häutungsstadium das Reizgift Thaumetopan, dass bei Direktkontakt mit der Haut bzw. über die Atmungsorgane des Menschen zu hartnäckigen Reizungen führen kann, erklärt Petra Westphal von Hessen Forst. Daher sollte der Kontakt mit den Raupen – insbesondere in den Kronenbereichen von Eichen – und vor allem auch mit den Gespinstnestern und den darin enthaltenen abgestreiften Raupenhüllen vermieden werden. Das gilt auch für abgefallene Raupennester. Der fertig entwickelte Falter selbst ist für den Menschen harmlos.

? Gibt es noch andere Berühruungsmöglichkeiten?

Die schädliche Wirkung der Brennhaare ergibt sich nicht nur durch direkte Berührung von Raupen, sondern kann auch über durch die Luft getragene Brennhaare ausgelöst werden. Darauf weist der Fachdienst Gesundheit des Landkreises Gießen hin. Dies könne geschehen, wenn zum Beispiel die Gespinstnester nicht vollständig entfernt wurden – sogar noch mehrere Jahre nach einem Befall mit dem Eichenprozessionsspinner.

? Was äußern sich die Folgen eines Kontakts?

Durch die Brennhaare in der Luft werden manchmal Schleimhautreizungen verursacht, die an den Augen mit Bindehautentzündung und Rötung einhergehen und in den Atemwegen zu Husten, Bronchitis und Asthma führen. In seltenen Fällen können Fieber und schockartige Kreislaufreaktionen auftreten. Die Berührung mit der Haut kann juckende, entzündliche Ausschläge, Rötungen, Quaddeln und Bläschen (Raupendermatitis) hervorrufen.

? Wie kann man sich vor dem Eichenprozessionsspinner schützen?

Wer regelmäßig in den Wald geht oder auf seinem eigenen Grundstück Eichen oder sonstige Laubbäume hat, sollte wissen, wie die Prozessionsspinnerraupen und vor allem die Gespinstnester aussehen, um diesen aus dem Wege gehen zu können, sagt Hessen Forst. Kinder, die regelmäßig im Wald spielen, sollten entsprechend unterwiesen werden. Daher gilt: unnötigen Kontakt und die Nähe zu den Raupen und den von ihnen befallenen Bäumen vermeiden. Nach versehentlichem Kontakt sollte man schnell duschen, die Haare waschen, die Kleidung wechseln und diese (möglichst über 60 Grad) waschen, rät Dr. Reinhold Merbs, Amtsarzt des Wetteraukreises. Außerdem: Pollenfilter im Auto und der Wohnung verwenden und kontaminierte Schuhe und Kleidung nicht in den Wohnbereich bringen. Und darauf weist der Fachdienst besonders hin: Die Beseitigung von Gespinstnestern muss durch professionelle Schädlingsbekämpfer geschehen, die Schutzkleidung anlegen.

? Was können Betroffene tun, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei nur leichten Beschwerden ohne weitere Komplikationen können nasse und kalte Umschläge oder entzündungshemmende und kühlende Antihistaminika Linderung verschaffen, erklärt der Fachdienst Gesundheit. Da die entzündlichen Veränderungen meist länger bestehen, werden oft auch Kortikosteroide eingesetzt. Bei Allgemeinsymptomen und schwerem Krankheitsgefühl ist unbedingt ein Arztbesuch anzuraten.

? Gibt es Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner ist bisher für den Waldbestand kein relevanter Schadfaktor, sagt Hessen Forst. Der Raupenfraß an jungen Eichenblättern im Frühjahr führt schlimmstenfalls dazu, dass die Kronen der Bäume ein wenig lichter werden, aber nicht zu deren Absterben. Da diese Insektenart zur Lebensgemeinschaft des Waldes gehört – ebenso wie beispielsweise Hornissen oder Wildbienen auch – sind Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner aktuell nicht vorgesehen.

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