07. Juli 2018, 17:00 Uhr

Schauhöhle

Reise in den Zauberberg

Tropfsteine, bizarre Gesteinsformationen, verwunschene Gänge und geheimnisvolle Spalten: Das Höhlensystem im Westerwalddorf Breitscheid lockt mit besonderen Führungen in die Unterwelt.
07. Juli 2018, 17:00 Uhr

Die Minen von Moria in J. R. R. Tolkiens »Herr der Ringe« lassen den Leser und den Zuschauer schaudern. Jules Vernes »Die Reise zum Mittelpunkt der Erde« ist im Buch und auf der Leinwand eine fantastische Irrfahrt in das Erdinnere und längst versunkene Welten.

Doch man kann auch auf deutlich ungefährlichere und dennoch faszinierende Art in die Unterwelt eindringen als Frodo oder Professor Lidenbrock. Zum Beispiel im größten Höhlensystem Hessens in Breitscheid (Lahn-Dill-Kreis), das zugleich eines der bedeutendsten in Deutschland ist.

Die Herbstlabyrinth-Adventhöhle bietet seit Jahren Führungen an. In den Sommerferien auch solche, die besonders kindgerecht sind. »Eine Reise in den Zauberberg« heißt das Programm für kleine Forscher, Entdecker und Abenteurer.

Mittwochs Sonderführungen

Immer mittwochs dringen die Gruppen zwischen 14 und 17 Uhr in das Erdinnere ein, um die Unterwelt zu erobern, Deckenmeander oder Sinterfahnen zu bewundern, oder die mächtigen Stalaktiten und Stalagmiten mit ihren bizarren Formen.

Das Herbstlabyrinth gehört mit der Adventhöhle zu einem Höhlensystem mit ausgeprägtem Tropfsteinschmuck, großen Einzelhöhlenräumen und langen Gangsystemen.

Der Teil des Herbstlabyrinths, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist, wird Knöpfchenhalle genannt. Er zählt zu den größten Einzelhöhlenräumen in Deutschland und beherbergt eine Vielzahl unterschiedlicher Tropfsteinformationen.

Diese Halle hat eine Länge von gut 50 Metern, eine Breite von bis zu 22 Meter und eine maximale Höhe von 32 Metern.

Moderne LED-Beleuchtung

Bei der Nutzbarmachung für Besucher Anfang er 2000er Jahre hat man sich an modernsten Materialien orientiert. So baute man die Fußwege komplett mit glasfaserverstärktem Kunststoff aus.

Das bedeutete zum einen enorme Arbeitserleichterung für den Transport und den Einbau sowie günstigere Kosten. Zum anderen erzeugt das Material für den Besucher wenig Trittschall, klappert nicht und fühlt sich nicht kalt an.

Ein weiterer Pluspunkt: Erstmals wurde eine Schauhöhle komplett mit LED- Lichttechnik ausgestattet. Diese unterscheidet sich von herkömmlichen Lichtquellen durch einen geringeren Stromverbrauch (Einsparung bis zu 90 Prozent) und niedrigere Wärmeabstrahlung.

Das wiederum wirkt sich positiv auf die Höhlenumwelt aus. Nicht zuletzt aber lässt das LED-Licht die Höhleneinrichtung, Decken, Formen und Tropfsteinstrukturen auf besonders spektakuläre Weise erscheinen.

Knochen vom Höhlenbär

Während des Rundgangs durch die Knöpfchenhalle gibt es immer wieder Neues zu entdecken: unterschiedlichste Tropfsteinformen, die vom Wasser skurril geformten Höhlenwände oder im Licht glitzernde Wassertropf.

Dabei erfährt man viel über die Entstehung der Höhle und ihre Tropfsteine, über die Tiere, die in dieser Unterwelt leben oder früher gelebt haben und über die Arbeit der Höhlenforscher. Die fanden bei der Erkundung der Gänge und Spalten seinerzeit viele eiszeitliche Säugetierknochen – unter anderem die des ausgestorbenen Höhlenbären.

Kombinieren kann man diese Erkundungen mit einem Spaziergang über den benachbarten Karst- und Höhlenpfad. Er führt unter anderem durch eine urwaldähnliche Schlucht oder zu den Steinkammern: kleinen, frei zugänglichen Höhlen – dem hessischen Geotop des Jahres 2015. Eine Reise nicht zum Mittelpunkt, aber in die Geschichte der Erde. (Foto: pm)

Info

Die Schauhöhle in Breitscheid

(rüg). Höhlenforscher entdeckten Ende 1993 einen Zugang zum Breitscheider Höhlensystem. Nach der Jahreszeit wurde diese Höhle Herbstlabyrinth genannt. Kurz vor Weihnachten wurde ein zweiter großer Hohlraum entdeckt, den man folgerichtig Adventhöhle nannte. Durch einen künstlichen Stollen, der über 124 Stufen in die Tiefe führt, wurde 2009 ein Teil des verzweigten Höhlensystems der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Betreiber der Sehenswürdigkeit ist die Gemeinde Breitscheid. Geöffnet ist die Herbstlayrinth-Adventhöhle samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Die letzte der einstündigen Führungen beginnt um 17 Uhr. Sonderführungen für Gruppen und Schulklassen werden auf Anfrage freitags organisiert. Im Winter gelten verkürzte Zeiten. Die »Reise in den Zauberberg« kostet für Erwachsene 9 und für Kinder von vier bis 14 Jahren 6 Euro. Tickets gibt es unter anderem über die Hotline 0231-917 2290 oder über die Touristinformation (Telefon 02777/9133-21, E-Mail tourist-info@gemeinde-breitscheid.de; Internetseite: www.schauhöhle-breitscheid.de).

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