10. April 2018, 09:00 Uhr

Razzia

Razzia im Frankfurter Bahnhofsviertel: Drogen im Wert von 870 000 Euro sichergestellt

Uniformierte Beamte, Zivilfahnder und Spezialkräfte haben eine Drogenrazzia im Bahnhofsviertel vorgenommen. Die erste Bilanz zeigt: Der Einsatz von mehr als 300 Polizisten hat sich gelohnt.
10. April 2018, 09:00 Uhr
Zwei Polizisten führen einen verdächtigen Mann ab. Nach wochenlangen verdeckten Ermittlungen ist von rund 300 Polizisten im Bahnhofsviertel eine Razzia gegen mutmaßliche Drogenhändler durchgeführt worden. (Foto: dpa)

Die Razzia kam früher als ursprünglich geplant, doch das Ergebnis stellt Ermittler und Staatsanwälte zufrieden: Bei Durchsuchnungen im Frankfurter Bahnhofsviertel wurden am vergangenen Donnerstag Drogen in einem Straßenverkaufswert von rund 870 000 Euro sichergestellt, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in einer ersten Bilanz. Außerdem wurden bei der Razzia mit mehr als 300 Polizisten knapp 60 000 Euro Bargeld sowie rund 10 000 Euro Falschgeld beschlagnahmt. Auch  Spezialkräfte und Drogenspürhunde waren im Einsatz gewesen.

Auch wenn die mutmaßlichen Drogenhändler vor allem Straßenhändler im Frankfurter Bahnhofsviertel mit Drogen versorgten, reichten ihre Geschäftskontakte über die Rhein-Main-Region hinaus, sagte der Leiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Albrecht Schreiber. «Das Ermittlungsverfahren richtet sich gegen zehn Beschuldigte, seit Anfang des Jahres wurden verdeckte Ermittlungen geführt.» Parallel liefen in Nürnberg-Fürth Ermittlungen der dortigen Polizei und Justiz gegen eine mutmaßliche Drogenhändlerbande, die ihren «Stoff» von der Frankfurter Gruppe bekommen haben soll.

 

Vor allem Heroin sichergestellt

Im Zuge der Razzia am Donnerstag wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft rund 150 Menschen im Bahnhofsviertel kontrolliert und elf Verdächtige festgenommen. Drei von ihnen sind in Untersuchungshaft, gegen die übrigen laufen Ermittlungsverfahren. Schwerpunkt der Durchsuchungen war ein mehrstöckiges Gebäude, in dem das Zentrum des Drogenumschlags war.

«Es war nötig, sehr intensiv Raum für Raum zu durchsuchen», sagte der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Hinter Wand- und Deckenverkleidungen, auch auf dem Dach wurden die Ermittler fündig. Ursprünglich konzentrierten sich die Verdächtigen wohl vor allem auf Heroin, das mit 25 Kilogramm die größte beschlagnahmte Drogenart stellte. Doch auch 3,8 Kilogramm Marihuana, 1,6 Kilogramm Kokain und 700 Gramm Crack wurden bei der Razzia sichergestellt. «Es wird mittlerweile alles verkauft, was auf dem Markt Gewinn bringt», sagte Bereswill zu Erweiterung der Drogengeschäfte.

 

Razzia schneller als geplant

Eine Festnahme mutmaßlicher Drogenkuriere durch bayerische Spezialeinheiten am Vormittag des 5. April in Fürth machte dann die Durchsuchungsaktion schneller als ursprünglich beabsichtigt notwendig. «Es war  zu befürchten, dass eine Beweisvereitelung versucht werden könnte», sagte Bereswill über die Entscheidung, nach der Festnahme von fünf Tatverdächtigen in Bayern wenige Stunden später den Großeinsatz in Frankfurt zu starten.

In dem durchsuchten Haus fanden die Beamten «desolate Zustände» vor - der Frankfurter  Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) sprach von Fäkalien im Treppenhaus, Ungeziefer und Matratzenlagern. Mit Gaskochern gab es offene Feuerstellen, aber keine funktionierenden Feuerlöscher oder Brandmelder. Auch Kinderbetten wurden gefunden. «Dort als Kind zu leben, ist nicht kindeswohlfördernd», betonte Frank.

«Solche desolaten Zustände sind ein Nährboden für kriminelle Strukturen und auch mitverantwortlich für das Entstehen eines Drogenumschlagplatzes», ergänzte Bereswill. Dies zeige erneut, wie wichtig es sei, dass Stadt, Justiz, Polizei und andere die Probleme des Bahnhofsviertels gemeinsam angingen.

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