22. September 2020, 22:28 Uhr

Prozess gegen Hacker aus Homberg

22. September 2020, 22:28 Uhr

- Wegen eines massiven Online-Angriffs auf etwa 1000 Politiker und Prominente steht von heute an ein 22-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht in Alsfeld. Der junge Mann aus Homberg (Ohm) soll private Daten erbeutet und diese dann im Netz veröffentlicht haben.

Täglich neue Daten veröffentlicht

Der Fall hatte 2019 für viel Aufsehen gesorgt - zumal der mutmaßliche Hacker damals Schüler war und bei seinen Eltern wohnte. Unter anderem waren mehrere Bundestagsabgeordnete betroffen. Der Prozess findet ohne Öffentlichkeit statt, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt als Jugendlicher beziehungsweise Heranwachsender galt.

Die Liste der Vorwürfe ist laut der Frankfurter Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) lang: Angeklagt ist der 22-Jährige unter anderem wegen Ausspähens und Veränderung von Daten, Fälschung, Datenhehlerei, falscher Verdächtigung und Vortäuschens von Straftaten sowie versuchter Erpressung.

Laut Anklage fing er bereits 2015 damit an: Demnach gelangte er über die Rücksetzfunktion von E-Mail-Fächern und Online-Profilen an Passwörter. In anderen Fällen soll er bereits gestohlene Daten auf einer illegalen Hacker-Webseite gekauft haben. Dann änderte er die Passwörter, um die Opfer auszusperren. Seine Beute: Adressen, Kreditkartendaten, Telefonnummern, Fotos und Korrespondenz.

In einer Art digitalen »Adventskalender« bei Twitter stellte er laut Anklage im Dezember 2018 täglich neue Daten von Politikern, Journalisten, Rappern, YouTube-Stars und anderen Prominenten online. Zunächst nahm davon kaum jemand Notiz. Der große Knall kam im Januar, Medien berichteten bundesweit.

Abgeordnete erpresst

Die Ermittler nehmen seine Spur auf. Der Schüler versucht noch, Daten zu vernichten. Kurz darauf wird er festgenommen. Bei seiner Vernehmung sagte er laut Bundeskriminalamt (BKA), er habe Menschen »bloßstellen« wollen, über deren öffentliche Äußerungen er sich geärgert habe.

Mittlerweile werden ihm weitere Straftaten zur Last gelegt. Er soll auch sechs Abgeordnete des Deutschen Bundestages erpresst haben, indem er anbot, auf die Veröffentlichung der Daten gegen Bitcoins im Wert von 900 Euro zu verzichten. In drei Fällen soll er außerdem per E-Mail angeblich bevorstehende Bombenanschläge und Amokläufe vorgetäuscht sowie in zwei Fällen durch falsche Verdächtigungen Ermittlungen gegen andere Personen initiiert haben.

Laut Amtsgericht Alsfeld will der Angeklagte keinen Kontakt zur Presse und wird sich dementsprechend wohl am Prozesstag nicht äußern. Eine Fortsetzung der Verhandlung ist für den 30. September terminiert. Über den Ausgang des Verfahrens will das Amtsgericht informieren. dpa

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