25. Mai 2013, 12:08 Uhr

Prominenter Besuch im Ausländeramt

Friedberg (prw/jw). Das Ausländeramt des Wetteraukreises musste in den vergangenen Monaten viel Kritik für seine Abschiebepraxis einstecken. Landrat Joachim Arnold (SPD) entschuldigte sich zuletzt sogar öffentlich für das Fehlverhalten eines Mitarbeiters. Da tut ein wenig Lob mal ganz gut.
25. Mai 2013, 12:08 Uhr
Landrat Joachim Arnold im Gespräch mit Semiya Simsek über ihre Erfahrungen im NSU-Prozess. (Foto: pv)

Es kommt von einer jungen Frau, die aufgrund einer schrecklichen Tat bundesweit bekannt wurde. Semiya Simsek, in Friedberg geborene Tochter eines der Opfer der rechtsextremen Terror-Vereinigung NSU. Sie sei »sehr gut und freundlich beraten worden«, fasste Simsek ihre Eindrücke vom Besuch der Friedberger Ausländerbehörde nach Auskunft des Wetteraukreises zusammen.

Die Erteilung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen durch das Ausländeramt des Wetteraukreises sei »Tagesgeschäft, das mehrere Tausend Mal im Jahr reibungslos durchgeführt wird«, heißt es in der Pressemitteilung. Auch Semiya Simsek ließ sich von der Ausländerbehörde beraten. Ihr noch in der Türkei lebender Ehemann will ein Visum zur Familienzusammenführung beantragen. Die dauerhafte Aufenthaltserlaubnis zur Familienzusammenführung wird in Friedberg bearbeitet. »Ich war zum ersten Mal in einer Ausländerbehörde, ich bin ja deutsche Staatsbürgerin«, so Simsek. Ihr Vater Enver Simsek fiel am 9. September 2000 als erster einem Anschlag der NSU-Terrorgruppe zum Opfer. Über ihre Erlebnisse hat die Tochter das in der Presse vielbeachtete Buch »Schmerzliche Heimat – Deutschland und der Mord an meinem Vater« (Rowohlt Verlag) veröffentlicht.

Landrat Arnold hatte Semiya Simsek nach ihrem Behördenbesuch zu einem Gespräch eingeladen, auch um Hintergründe zum aktuellen NSU-Prozess zu hören. Simsek erachtet Deutschland als ihre Heimat, auch wenn sie in den letzten Monaten in der Türkei gelebt hat. Als studierte Sozialpädagogin musste sie dort noch mehrere Kurse machen, um ihren Beruf auszuüben. Zumindest bis zum Ende des NSU-Prozesses lebt sie weiter in Friedberg, im Juli wird sie ihr erstes Kind bekommen. »Da möchte ich, dass mein Ehemann bei mir ist.«

»Zschäpe wirkt eiskalt«

Den NSU-Prozess begleitet Simsek als Nebenklägerin. »Ich habe so viele Fragen, die mich nicht ruhen lassen, und hoffe auf Antworten, warum ausgerechnet mein Vater sterben musste. Das ist wichtig für mich und meine Familie, damit wir mit dieser Tat fertig werden können.«

Die Bedingungen des Prozesses beschreibt Simsek als beklemmend. »Der Raum ist sehr klein. Ich sitze gerade einmal zwei Meter von der Hauptangeklagten Beate Zschäpe entfernt. Wenn sie uns in die Augen schaut, wirkt sie eiskalt.« Landrat Arnold hat mit Semiya Simsek vereinbart, dass sie im Rahmen der Interkulturellen Woche des Wetteraukreises (10. September bis 3. Oktober) über den aktuellen Prozessverlauf berichten und aus ihrem Buch lesen wird.



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