10. Juli 2018, 12:45 Uhr

Hessen

Polizeieinsätze nach Osmanen-Verbot

Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution: Hessens Polizei ist schon mehrfach gegen die »Osmanen Germania« vorgegangen. Jetzt erneut, unter anderem auch in der Wetterau.
10. Juli 2018, 12:45 Uhr

Das bundesweite Verbot der rockerähnlichen Gruppe »Osmanen Germania« hat in Hessen zu drei Polizeieinsätzen geführt – unter anderem auch in der Wetterau.

In Hirzenhain seien Räume durchsucht worden, berichtete ein Sprecher des Landeskriminalamts in Wiesbaden. Ob es sich dabei um ein Vereinshaus oder eine Wohnung handelte und was beschlagnahmt wurde, war zunächst unklar.

 

Schwerwiegende Gefährdung

 

In Dietzenbach (Kreis Offenbach), dem ehemaligen Sitz des sogenannten World Chapters der Osmanen, und in Rodenbach (Main-Kinzig-Kreis) wurden nach Angaben des LKA am Dienstagmorgen die Verbotsverfügungen zugestellt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte den türkisch-nationalistischen Verein zuvor mit einer Verfügung vom 19. Juni verboten. Von der Gruppe gehe eine schwerwiegende Gefährdung für die Allgemeinheit aus, hieß es zur Begründung aus Berlin.

Das Verbot sei am Dienstag ab 6 Uhr mit Durchsuchungen in Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz vollstreckt worden, teilte das Innenministerium in Wiesbaden mit.

 

Verfassungschutz beobachtet

 

»Die Durchsuchungen dienten der Sicherstellung und Beschlagnahme von Vereinsvermögen und Kennzeichen des Vereins.« 24 Ermittler seien in Hessen im Einsatz gewesen.

Das Bundesinnenministerium geht von mindestens 300 Mitgliedern in 16 Chaptern bundesweit aus. In Hessen sind es nach Einschätzung des Innenministeriums deutlich weniger als 100 – »unterer zweistelliger Bereich«. Seit Mai 2015 wird der Osmanen Germania Boxclub (OGBC) auch vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet.

Die hessische Polizei hat den Osmanen-Rockern frühzeitig auf den Füßen gestanden

Peter Beuth, hessischer Innenminister

In Stuttgart stehen seit März acht mutmaßliche Mitglieder vor Gericht, darunter der World Präsident und sein Vize aus Hessen sowie ein dritter, der zur weltweit höchsten Führungsebene gerechnet wird.

Den Männern wird unter anderem versuchter Mord, Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution sowie Zuhälterei und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Mit dem bundesweiten Verbot würden die »kriminellen Machenschaften« der Osmanen endgültig beendet, lobte Innenminister Peter Beuth (CDU). »Die hessische Polizei hat den Osmanen-Rockern frühzeitig auf den Füßen gestanden.«

 

80 Ermittlungsverfahren

 

Seit November 2015 seien bereits rund 80 Ermittlungsverfahren gegen Osmanen eingeleitet worden. Die Gruppe sei mit Razzien, Kontrollen und dem »unmissverständlichen Auftreten der Polizei« bereits nachhaltig geschwächt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen worden.

Im November 2016 und im Juni 2017 habe es bereits bundesweite Durchsuchungen gegeben, darunter auch in Hessen. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt. Ergebnisse gibt es aber noch nicht.

Der Komplex werde voraussichtlich bis Herbst abgeschlossen sein, sagte Oberstaatsanwalt Robert Hartmann am Dienstag.

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