08. Mai 2019, 22:33 Uhr

Per Gondel über den Feldberg

08. Mai 2019, 22:33 Uhr
Die Seilbahn am Deutschen Eck in Koblenz wird als Beispiel für ein funktionierendes Modell genannt. (Foto: dpa)

Dauerstau auf den Straßen und überfüllte Bahnen sind im Ballungsraum Rhein-Main ein alltägliches Ärgernis für Tausende Pendler. Um die steigende Nachfrage im öffentlichen Nahverkehr zu stillen, wird der Bau von Seilbahnen diskutiert. Rund 150 Politiker und Experten kamen am Mittwoch auf Einladung des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main zusammen, um sich über mögliche Strecken auszutauschen. Bis Jahresende erwarten der Verband und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie für eine Strecke über den Feldberg, die schon in wenigen Jahren ihren Betrieb aufnehmen könnte.

Dabei handele es sich um ein Pilotprojekt, das Vorbild für weitere mögliche Linien sein könne, sagte der Chef des Regionalverbands, Thomas Horn. Die acht bis zehn Kilometer lange Linie soll von Schmitten im Hochtaunuskreis über den Berg zur U-Bahn-Station Hohemark in Oberursel führen. Gebaut werden könne sie bis zur Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2024, sagte Horn. Sinnvoll seien solche Bahnen als Zubringer für das bestehende S-Bahn- und U-Bahn-Netz.

RMV-Geschäftsführer Knut Ringat sagte, die Bahn über den Feldberg würde den Hintertaunus besser anbinden und hätte zudem hohen Freizeitwert. Es gebe »großen Willen und Ehrgeiz«, eine oder mehrere Bahnen im Rhein-Main-Gebiet zu bauen. Damit alleine könnten die derzeitigen Kapazitätsprobleme in Bussen und Bahnen nicht gelöst werden. Doch er sehe darin einen Baustein.

Die Rede ist nicht von Seilbahnen, wie sie in Skigebieten unterwegs sind, sondern von Modellen, die in Städten einsetzbar sind. Unter anderem auch in München und Stuttgart wird ihr Einsatz diskutiert. Die Gondeln sollen den gleichen Komfort wie Straßenbahnen bieten, Tausende Passagiere pro Stunde transportieren und mit bis zu 30 Kilometern pro Stunde unterwegs sein.

Als Beispiel vorgestellt wurde die Seilbahn in Koblenz, die zur Bundesgartenschau 2011 in 14 Monaten entstand und Fahrgäste über den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein bringt. Sie laufe zuschussfrei, sagte der Geschäftsführer der Betreiberfirma, Eugen Nigsch. In den Gondeln sei Platz für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle. »Da hängt ein Kleinbus am Seil.« Selbst ein Krankenbett habe die Bahn schon transportiert.

Auf dem Seilbahntag äußerten sich auch Vertreter von Herstellern. Technisch lösbar seien inzwischen fast alle Anforderungen etwa an Streckenführung und Barrierefreiheit, sagte Augustin Kröll von der Firma Leitner mit Sitz in Italien. Auch auf Einwendungen von Anwohnern, die keine Seilbahnlinie vor ihren Fenstern haben wollten, könne mit flexibler Höhengestaltung oder abdunkelbaren Fenstern reagiert werden.

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