18. September 2017, 20:00 Uhr

Opernsänger und Lasershows

Hessische Männer heiraten im Durchschnitt zum ersten Mal mit 33,5 Jahren, Frauen mit fast 31 Jahren. Nicht nur das Heiratsalter steigt stetig – sondern auch die Ansprüche an die Traumhochzeit.
18. September 2017, 20:00 Uhr
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Von DPA
Viele Brautpaare haben für ihren besonderen Tag anspruchsvolle Wünsche: Ein Schloss als Location, am besten noch weiße Tauben und Opernsänger dazu. Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigen zudem: Heiraten liegt im Trend. (Foto: dpa)

Junggesellinnenabschied in der Striptease-bar, Brautentführung nach Mallorca und das Jawort im Schloss: Die Vorstellungen von der Traumhochzeit werden facettenreicher und anspruchsvoller. »Es sind die vielen Blogs, Hochzeitsportale, Hochzeitsforen und Bildportale, die Ideen und Wünsche kreieren, beziehungsweise schüren«, sagt Friederike Mauritz. Sie ist die stark beschäftigte Vorsitzende des Bunds Deutscher Hochzeitsplaner, einer florierenden Branche. Die Tipps im Internet reichen vom richtigen Geschenk für den Trauzeugen über die Hochzeitsversicherung bis zur Lasershow.

»Die Leute wollen die Hochzeit filmreif zelebrieren. Je exklusiver, desto besser«, hat der Vorsitzende des Fachverbands der hessischen Standesbeamten, Frank Müsken, beobachtet. »Man will sich mit etwas Besonderem abheben. Da spielt sicher auch Geltungsbedürfnis eine Rolle.« Dieser Trend werde auch durch TV-Sendungen befeuert, in denen sich alles um Hochzeiten dreht. »Die Trauung wird zum Event«, sagt Müsken, der auch das Standesamt in Kassel leitet.

Cornelia Kelber vom Zukunftsinstitut in Frankfurt und Wien erklärt die gesellschaftliche Entwicklung so: »Feiern, die früher privat waren, sind zum Statussymbol geworden.« Dies hänge damit zusammen, dass man sich immer mehr seine Gemeinschaft selbst suche. Viele hätten sich aus Verbünden wie Religion gelöst. Private Räume gebe es in der Online-Gesellschaft kaum noch. »Wie in den sozialen Netzwerken ist das Privatleben ein bisschen zum Wettbewerb geworden«, sagt Kelber. »Man feiert nicht nur für sich selbst, sondern auch für die potenzielle Öffentlichkeit, die einem dabei zuguckt.«

Eine kirchliche Hochzeit komme für viele Paare nicht mehr infrage, auch damit gewinne die standesamtliche Trauung an Bedeutung, stellen die Standesämter fest. »Es kommen immer mehr mit Brautkleidern und einer Hochzeitsgesellschaft von 70, 80 Leuten«, berichtet die Leiterin des Frankfurter Standesamtes, Andrea Hart. Im Trausaal im Rathaus Römer gibt es aber nur 15 Sitzplätze. Der Raum werde manchmal regelgerecht von einer Hochzeitsgesellschaft gestürmt. In anderen Städten Hessens sieht es ähnlich aus: Früher seien im Schnitt etwa zehn Leute bei einer Trauung anwesend gewesen.

Die meisten Paare wünschten sich sehr individuelle Trauungen mit Reden, Gedichten, Musik »und bringen sogar mal einen Opernsänger mit«, erzählt Hart in Frankfurt. Einige erwarteten von der Stadt einen besonderen Blumenschmuck für sich. Gut 20 Minuten haben die Frankfurter Standesbeamtinnen in der Regel für eine Trauung Zeit. »Das ist vielen zu kurz«, berichtet Hart. »Wir können auch keine Vorgespräche führen, vielleicht aber ein paar Daten mit einbauen.«

»Wir wollen schon versuchen, alle glücklich zu machen, aber das ist nicht immer machbar«, betont Müsken. Dies gelte auch für den Trauungstermin. Der Freitag sei besonders beliebt. »Manche sind dann überrascht, dass außer der Tochter an dem Tag noch sechs andere heiraten.«

Müsken sagt: »Brautpaare wollen häufiger als früher in einem Schloss statt im Rathaus heiraten, um Exklusivitäten in Anspruch zu nehmen.« Und Hart räumt mit einem Missverständnis auf: »Manche glauben auch, ich miete mir mal einen Standesbeamten, der kommt dann da hin, wo ich will.« Und noch ein No-Go: »Manche wollen ihren Pfarrer ins Standesamt zum Predigen mitbringen.«

In Hessen gebe es zudem einen Erlass, der eine Eheschließung im Freien schwer mache. Die Beurkundung dürfe nicht durch äußere Umstände, auch nicht die Witterung, beeinflusst werden. Der Traum von der Märchenhochzeit im Freien kann also schnell zerplatzen, wie auch Planerin Mauritz weiß. »Der Wunsch ist zu 80 Prozent nicht erfüllbar. Wenn es einmal regnet, ist der ganze Aufbau hin.« In der Hochzeits-Hauptsaison von Mai bis Ende September gebe es einfach nur wenige laue Sommerabende.



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