30. Oktober 2018, 20:06 Uhr

Oktober zeigt sich von seiner besten Seite

30. Oktober 2018, 20:06 Uhr
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Von Gerd Chmeliczek
E. Schäfer

Nürnberg/Gießen (dpa/gäd). Erstmals seit der Wiedervereinigung ist die Arbeitslosenquote in Deutschland unter die Fünf-Prozent-Marke gesunken. Verantwortlich für das Rekordtief seien ein kräftiger Herbstaufschwung und die gute Konjunktur, wie die Bundesagentur für Arbeit gestern in Nürnberg mitteilte. Mit 4,9 Prozent sank die Arbeitslosenquote demnach in Deutschland im Oktober auf ein Rekordtief.

Darauf könne Deutschland stolz sein, erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Das sporne an, sagte BA-Chef Detlef Scheele: »Es zeigt, dass man Marken erreichen kann, von denen wir vor drei Jahren nicht geträumt haben.« Vollbeschäftigung sei mit einer Quote von unter fünf Prozent aber noch nicht gegeben.

Die Zahl der Jobsucher fiel mit 2,204 Millionen auch auf den niedrigsten Oktober-Wert seit der Wiedervereinigung. Im Vergleich zum Vormonat war es ein Rückgang um 53 000, im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Arbeitslosen um 185 000 ab.

Experten sprechen bei Quoten von zwei bis drei Prozent von Vollbeschäftigung. In Teilen Bayerns und Baden-Württembergs liegen die Arbeitslosenquoten bereits in diesem Bereich. Rekordwerte gab es auch beim Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Diese knackte im Oktober die 33-Millionen-Marke.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm laut Hochrechnungen der Bundesagentur von Juli auf August saisonbereinigt um 56 000 zu. Damit hatten 33,11 Millionen Menschen in Deutschland einen regulären Job – 715 000 mehr als noch ein Jahr zuvor. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen stieg nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes im September mit mehr als 45 Millionen ebenfalls auf ein Rekordhoch. »Man kann von einem Beschäftigungsrekord sprechen«, sagte Scheele.

Rechnet man allerdings noch jene Jobsucher hinzu, die derzeit Aus- und Fortbildungen absolvieren oder in Trainingsmaßnahmen oder Ein-Euro-Jobs für den Berufsalltag fit gemacht werden sollen, lag die Zahl bei 3,142 Millionen. Fachleute sprechen bei dieser Form der Arbeitslosigkeit von der »Unterbeschäftigung«. Sie sank saisonbereinigt im Vergleich zum Vormonat um 9000.

Rückgang auch in der Region

Auch in Hessen ist die Zahl der Arbeitslosen im Oktober noch einmal gesunken. Zum Stichtag waren 147 121 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das waren fast 12 000 weniger als vor einem Jahr und auch gut 1100 weniger als im September 2018. Die Arbeitslosenquote blieb im besten Oktober seit 1992 bei 4,4 Prozent. Immer mehr Menschen nehmen am Arbeitsleben teil. Für den August registrierte die Verwaltung erstmals mehr als 2,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Hessen. Das ist eine Steigerung um 2,5 Prozent binnen Jahresfrist.

Direktionschef Frank Martin verwies darauf, dass der Jobboom angesichts der demografischen Entwicklung ohne Zuwanderer nicht möglich wäre. Bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten stieg die Zahl der Ausländer mit 9,6 Prozent deutlich stärker an als bei den Beschäftigten mit deutschen Pass (plus 1,3 Prozent). Der hessische Ausbildungsmarkt profitiere ebenfalls von der Ausbildungsbereitschaft vieler junger Menschen mit Fluchthintergrund, berichtete Martin. Jeder zwölfte Bewerber zähle mittlerweile zu dieser Personengruppe. »Ohne sie würden noch mehr Lehrstellen unbesetzt bleiben«, erklärte Martin. Bis Ende September hatten noch 1714 junge Menschen keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden. Dem standen 2830 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. In Gießen, Hanau und Frankfurt konnte jede achte Stelle nicht besetzt werden.

Die Arbeitgeber verlangten angesichts von mehr als 50 000 Langzeitarbeitslosen eine Offensive der Jobcenter, möglichst viele Menschen dauerhaft in Arbeit zu bringen. Sie sollten vor allem größere Familien in den Blick nehmen, in denen kein Elternteil arbeitet. Der DGB forderte eine bessere Unterstützung für arbeitslose Alleinerziehende.

Der Blick auf die Region liefert gute Nachrichten: Die Arbeitsagentur Gießen, zuständig für die Landkreise Gießen, Wetterau und Vogelsberg, meldet für den Oktober 15 428 Arbeitslose – 95 weniger als im Vormonat. Die Quote verharrt bei 4,2 Prozent. Vor einem Jahr waren im Oktober 1269 mehr gemeldet. Die Quote lag damals bei 4,6 Prozent.

»Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter konstant positiv«, erklärt Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen, die Arbeitsmarktlage im Oktober. »Dass sich die Dynamik bei einer relativ niedrigen Arbeitslosenquote verlangsamt, ist nachvollziehbar. Aber es gibt erneut keine Personengruppe, die nicht von dem Rückgang der Arbeitslosigkeit profitiert hätte. Aus unserer Sicht können derzeit mögliche Risiken für eine weiterhin gute wirtschaftliche Entwicklung nur durch schwer vorhersehbare globale Verwerfungen entstehen.«

Im Kreis Gießen waren im Oktober 7183 Menschen erwerbslos gemeldet, acht weniger als im Vormonat. Die Quote blieb unverändert bei fünf Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,5 Prozent. Damals waren 707 Menschen mehr registriert. Im Wetteraukreis sank die Zahl der Arbeitslosen um 127 auf 6168. Die Quote ging um 0,1 auf 3,7 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren jetzt 497 Erwerbslose weniger gemeldet. Seinerzeit lag die Quote bei 4,1 Prozent. Im Vogelsbergkreis ist die Anzahl der Erwerbslosen dagegen gestiegen. 2077 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 40 mehr als im September. Die Quote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 65 Erwerbslose mehr gemeldet. Die Quote lag bei 3,7 Prozent. (Foto: pm)



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