08. Juli 2019, 20:11 Uhr

Noch nicht alles ausgepackt

08. Juli 2019, 20:11 Uhr
Gerber

Fulda (dpa/lhe). In seinem privaten Büro türmen sich noch die Umzugskartons. Michael Gerber ist seit 100 Tagen im Amt - als neuer Bischof im Bistum Fulda. »Ich bin zwar angekommen, aber alles ausgepackt habe ich noch nicht. Das wird wohl noch etwas dauern«, sagt er und öffnet einen Pappkarton. Ihm fehle derzeit einfach die Zeit. Er habe nicht selten Arbeitstage, die sich über 14 Stunden erstreckten. »Das geht schnell«, sagt Gerber, »aber das bin ich gewohnt.«

Der neue Oberhirte wurde am 31. März feierlich in sein Amt eingeführt. Zuvor war der gebürtige Schwarzwälder Weihbischof im Erzbistum Freiburg. In der osthessischen Domstadt folgte Gerber auf Heinz Josef Algermissen, der 2018 nach 17 Jahren als Fuldaer Bischof altersbedingt seinen Rücktritt einreichte. Gerber ist mit 49 Jahren der jüngste leitende Bischof der katholischen Kirche in Deutschland. Seinen Lebensmittelpunkt - den Schwarzwald - verlassen zu haben, habe er trotz der Verbundenheit zu seiner Heimat »noch keinen Tag bereut«, wie er sagt. »Ich fühle mich sehr wohl in Fulda und mit meiner neuen Aufgabe.«

Zu Beginn war Gerber auf einigen Rundreisen durch sein Wirkungsgebiet unterwegs. Das Bistum Fulda erstreckt sich von Bad Karlshafen bis nach Bergen-Enkheim und von der Universitätsstadt Marburg bis nach Geisa im Thüringer Land, insgesamt auf einer Fläche von 10 300 Quadratkilometern. Die Diözese zählt knapp 390 000 Mitglieder bei einer Gesamtbevölkerung von rund 1,72 Millionen Menschen. Das Bistum Fulda ist zwar das kleinste in Westdeutschland, betrachtet man Bevölkerungs- und Katholikenzahlen, aber es warten große Aufgaben.

Der neue Oberhirte ist vor allem als Kirchen-Manager gefragt. Das Bistum wird umstrukturiert. Die weitreichenden Umbauprozesse betreffen unter anderem die Verwaltung. Aber auch die Gläubigen vor Ort werden es bemerken. Kirchengemeinden sollen unter anderem wegen des Priestermangels zusammengelegt werden. Aus aktuell 274 Pfarreien sollen am Ende 45 übrig bleiben. »Wir wollen größere Verbünde mit Netzwerkstrukturen schaffen«, erklärte Gerber. Doch das bedeutet auch: Kirche wird an gewohnten Orten weniger Angebote machen können.

Ein Grund für den Umbau der Kirchestrukturen ist auch der stete Mitgliederschwund. Dem Aderlass entgegenzuwirken, fühlt sich Gerber verpflichtet. »Die Menschen müssen spüren, dass die Kirche und der Glaube Relevanz besitzt für ihr Leben.« Vor allem bei der Zielgruppe der jungen Erwachsenen sieht er Handlungsbedarf. Um junge Menschen adäquat ansprechen zu können, müsse die Kirche Schwerpunkte neu setzen. Auch Frauen möchte Gerber verstärkt in die Kirchenarbeit an wichtigen Positionen einbinden. Aber bei der Frage des Priestertums und Weiheämtern hört die Partizipation für ihn auf: »Ich bin da skeptisch und sehe Schwierigkeiten.« (Foto: dpa)

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