31. März 2018, 18:00 Uhr

Bistum Limburg

Neustart und Rückschlag?

Erneute Fehlplanungen bei Baumaßnahmen in der Bischofsresidenz Limburg lassen Erinnerungen an einen Finanzskandal aufkommen, der nicht nur das Bistum erschütterte.
31. März 2018, 18:00 Uhr
Im Bistum Limburg ist dieser Tage ein neuer Fall von Geldverschwendung für Baumaßnahmen bekanntgeworden. Wegen einer überdimensionierten Planung und eines Baustopps bleibt das Bistum auf Kosten sitzen. (Foto: dpa)

Voll verplant

Der Flughafen Berlin-Brandenburg und die Elbphilharmonie sind nur die Spitze: Auch in Hessen explodieren Kosten und rücken Fertigstellungen in weite Ferne. In unserer Serie nennen wir Beispiele.

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Die Badewanne, das 4000 Euro teure Stück, sie steht sinnbildlich für den völlig aus den finanziellen Fugen geratenen Neubau der Bischofsresidenz.

»Protz-Bischof« wurde Franz-Peter Tebartz-van Elst in den Medien genannt. Seit 2004 wurde das Vorhaben geplant, ursprünglich waren Kosten von etwas mehr als zwei Millionen Euro veranschlagt.

Im Oktober 2013 wurde bekannt, dass sich die Ausgaben nahezu verfünfzehnfacht hatten – auf 31 Millionen Euro. Tebartz-van Elst stand fortan im Mittelpunkt der Kritik: Verschleierung, Anschaffung von Luxusgütern, teure Änderungen an ursprünglichen Planungen – die Liste der Vorwürfe war lang.

 

Akzeptanz durch Öffnung

Zu lang. Am 26. März 2014 fällt im Vatikan die Entscheidung, dass der Bischof nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren wird. Am 1. Juli 2016 ernennt Papst Franziskus den bisherigen Generalvikar des Bistums Trier, Georg Bätzing, zum neuen Limburger Oberhirten. Am 18. September wird er geweiht.

So weit, so bekannt. Um die Negativ-Schlagzeilen hinter sich zu lassen, verordnete sich das Bistum nicht nur einen personnellen Neuanfang an der Spitze. Transparenz hieß das Zauberwort.

 

Verwaltung neu geordnet

Und nach eigener Ansicht ist man auf einem guten Weg: Es sei viel aufgearbeitet worden in den vergangenen Jahren, erklärt Bistumssprecher Stephan Schnelle auf Anfrage.

Weihbischof Manfred Grothe, der als apostolischer Administrator das Bistum zwischenzeitlich leitete, habe daran einen großen Anteil gehabt.

In der Zeit ohne Bischof sei intensiv an einer verlässlichen Beteiligung der Gremien gearbeitet worden. Zudem wurde die gesamte Vermögensverwaltung neu geordnet.

Haushalte und Bilanzen der Körperschaften Bistum, Domkapitel, Bischöflicher Stuhl und Schulstiftung seien veröffentlicht worden. Darüber hinaus habe man versucht, die Kommunikation innerhalb und außerhalb des Bistums zu verbessern, teilt Schnelle mit

 

Zahlreiche Führungen

.In der Zeit der Sedisvakanz, der Zeit ohne Bischof, habe es zahlreiche Führungen durch das Bischofshaus gegeben, Tausende Menschen hätten Einblicke in das Ensemble gewonnen.

Seit der Amtseinführung Bätzings sei das Bischofshaus nun Amtssitz des Limburger Oberhirten. Dort empfange er Gäste, fänden Veranstaltungen statt. In der Kapelle werden Gottesdienste und Gebetszeiten angeboten.

Durch Belebung und Nutzung sei auch die Akzeptanz für das Gebäude gestiegen.

Das sei zumindest sein Eindruck, erklärt Schnelle. Der einzige Gebäudeteil, der nicht genutzt werde, sei die Bischofswohnung. Sie soll an das benachbarte Diozösemuseum angeschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – so war der zumindest der Plan.

 

Erneut Negativschlagzeilen

Denn vor wenigen Wochen machte das Bistum erneut Negativschlagzeilen. Wegen einer Fehlplanung für die Umwandlung der Bischofswohnung und eines verhängten Baustopps bleibt das Bistum auf Kosten im niedrigen sechsstelligen Bereich sitzen.

Ziel sei es gewesen, die Räumlichkeiten mit möglichst geringem finanziellen Aufwand umzuwidmen, erklärte Schnelle. Doch ein Mitarbeiter der Bischöflichen Verwaltung habe sich über die Vorgaben hinweggesetzt.

Insgesamt seien Planungen für ein Bauvorhaben mit einem Volumen von mehr 400 000 Euro entstanden. Das Ganze wurde dann vonseiten des Bistums gestoppt.

 

Von Neustrukturierung überzeugt

Schnelle ist trotz des erneuten Vorfalls von der Neustrukturierung überzeugt. Die Kontrollmechanismen hätten gegriffen. Aber es sei wie mit der Straßenverkehrsordnung. Auch da gebe es immer wieder Möglichkeiten, sich herumzumogeln.

Am ursprünglichen Ziel, die 285 Quadratmeter große Luxus-Wohnung umzuwidmen, halte man fest. Nun müsse aber ein neues Konzept dafür entwickelt werden.

 

Haushalt über 280 Millionen Euro

Schlagzeilen, die zur Unzeit kommen und die es bestimmt nicht einfacher machen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Gerade, wenn mit solch großen Summen gearbeitet wird. Zur Orientierung: Der Haushalt 2018 des Bistums hat ein Volumen von 279,6 Millionen Euro. Das sind knapp 27 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

221,5 Millionen Euro des Etats werden aus der Kirchensteuer finanziert. Durch die erneute Fehlplanung hinkt das Bistum seinen eigenen Ansprüchen an Transparenz und Neubeginn erst einmal hinterher. Ein Rückschlag auf dem Weg, mehr zu sein als »die mit der Badewanne«.

Bistum Limburg

1827 gegründet

Im Bistum Limburg leben rund 635 300 Katholiken. Das Gebiet der Diözese verteilt sich auf die beiden Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz. Das Bistum wurde am 23. November 1827 gegründet. Die ehemalige Stiftskirche St. Georg, deren Geschichte bis in das 10. Jahrhundert zurückreicht, wurde damit zur Kathedrale. Der erste Bischof von Limburg war Jakob Brand (1776-1833). Georg Bätzing ist der 13. Oberhirte des Bistums.

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