21. Oktober 2019, 21:53 Uhr

Neues Zuhause für Eidechsen

21. Oktober 2019, 21:53 Uhr
Katja Unterköfler von der umweltfachlichen Bahnverwaltung überprüft eine Neuanpflanzung entlang der neuen S-Bahn-Trasse in der Nähe des Flughafens. (Foto: dpa)

Noch fahren die S-Bahnen und Züge auf dem herkömmlichen Schienenstrang zwischen dem Frankfurter Stadion und dem Regionalbahnhof des Flughafens. In einer Woche ist Schluss damit - bis zur Eröffnung der neuen S-Bahn-Station Gateway Gardens im Dezember fahren die Züge den Frankfurter Fernbahnhof an. Katja Unterköfer, zuständig für die umweltfachliche Bauüberwachung des Großprojekts, plant schon an der grünen Zukunft der alten Trasse.

»Im kommenden Jahr beginnt der Rückbau, dann hoffentlich ab November oder Dezember 2020 die Aufforstung«, sagt die resolute Bauingenieurin, die von Anfang an bei dem Bauprojekt dabei ist. »Wir stehen in der Pflicht, dass alles, was gerodet wurde, eins zu eins aufzuforsten ist.« Sprich: Während für die neue Bahntrasse und die Anbindung des Stadtteils Gateway Gardens an das S-Bahn-Netz Bäume gerodet wurden, soll das Gelände der bisherigen S-Bahn-Strecke der Natur zurückgegeben werden.

Und da ein kleiner Baumsetzling bekanntlich Jahrzehnte braucht, um wieder an die Größe der gerodeten Bäume heranzureichen, achtete Unterköfer schon beim Bau der neuen Strecke darauf, wo Bäume unangetastet bleiben konnten. »Der Revierförster war schon ziemlich entsetzt, als wir gerodet haben«, räumt sie ein. Sie versuchte aber, die Eingriffe in den gewachsenen Wald so gering wie möglich zu halten. »Ökologisch ist der Ausgleich ein Gewinn, da die alte Trasse durch ein sogenanntes FFH-Gebiet führte«, sagt Peter Rodenfels, stellvertretender Abteilungsleiter im Frankfurter Grünflächenamt. FFH steht für »Flora, Fauna, Habitat« - aus ökologischer Sicht ein wertvolleres Gebiet als das Areal der neuen S-Bahn-Trasse. Es gibt jedoch auch ein großes »Aber«. »Im Gebiet der neuen S-Bahn-Strecke gab es 100 Jahre alte Eichen«, bedauert Rodenfels. »Es wird zwar aufgeforstet, aber der hundertjährige Wald ist natürlich verloren.«

Auch an die tierischen Bewohner wurde bei den Ausgleichsmaßnahmen gedacht. »Die Zauneidechsen haben ein provisorisches Habitat, bis der Pflanzenbewuchs an der neuen Bahnstrecke so weit ist, dass sie wieder Nahrung finden und gute Lebensbedingungen haben«, sagt Unterköfer. Etwa 30 Eidechsen wurden in den vergangenen Monaten an der alten Bahntrasse von einem Biologen gefangen und zu ihrem vorübergehenden Zuhause gebracht. »Ich hätte gedacht, dass es mehr Tiere sein würden«, räumt Unterköfer ein. Doch das zeige nur um so mehr, dass für den Schutz der Echsen gesorgt werden müsse, die im Schotter, aber auch im Seitengraben von Bahnstrecken leben und besonders sonnige Abschnitte schätzen.

Berücksichtigt wurden aber auch Flugrouten von Fledermäusen: »Wir mussten bei der Planung sicherstellen, dass die Baumreihen, die die Tiere zur Orientierung brauchen, nicht gefällt werden«, sagt Unterköfer. Schon ehe entlang der neuen S-Bahn-Strecke gerodet wurde, wurden die sogenannten Hohenbäume »verschlossen«, damit Vögel und Fledermäuse dort nicht nisten konnten. Als Ersatz wurden Nistkästen aufgestellt, in denen die Tiere Brutmöglichkeiten hatten. »Bei diesen Maßnahmen gibt es engen Kontakt zum Revierförster und mit der Oberen Naturschutzbehörde«, so Unterköfer.

Der Schotter der alten Bahntrasse muss als Sondermüll entsorgt werden, das darunter liegende Erdreich wird auf Verunreinigungen untersucht. Die neuen Bäume jedenfalls sollen nach der Aufschüttung und Umgestaltung des Geländes auf gutem Waldboden Wurzeln schlagen: »Wir haben den wertvollen Oberboden abgetragen, als wir die neue Bahntrasse bauten«, sagt Unterköfer.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bauleitung
  • Bäume
  • Flughäfen
  • Großprojekte
  • Grünflächenamt Frankfurt
  • S-Bahn
  • Züge
  • Frankfurt
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.