07. April 2020, 18:31 Uhr

Nachverdichtung mit Potenzial und Tücken

07. April 2020, 18:31 Uhr

- Wo Bauland rar und teuer ist, sind Aufstockung und Nachverdichtung die Wörter der Stunde. Auch um keine zusätzlichen Flächen zu versiegeln, wird nach Alternativen zum Bauen auf der grünen Wiese gesucht. Nachverdichtung kann in vielen Formen auftreten: Vom Ausbau einzelner Dachgeschosse oder einer Supermarktaufstockung bis hin zur Umwandlung von Kasernen in Wohnraum oder der Aufstockung ganzer Wohnsiedlungen.

Um die 100 000 Wohnungen könnten alleine auf Wohnhäusern entstehen, sagte Younes Ehrhardt, Geschäftsführer von Haus & Grund Hessen, unter Verweis auf eine Studie, die der Eigentümerverband 2019 bei der TU Darmstadt in Auftrag gegeben hatte. Ziehe man Nichtwohngebäude wie Parkhäuser oder Supermärkte hinzu, gebe es gar ein Potenzial für mehr als 215 000 neue Wohnungen.

Lange Umbauphase

Und bis zu 5000 Wohnungen könnten laut dem Regionalverband Frankfurt auf Supermarktdächern im Rhein-Main-Gebiet entstehen, hieß es auf einem »Supermarktgipfel« der Landesregierung vor einigen Monaten. »Supermärkte sind oft gut gelegen, sie haben häufig viel Platz obendrüber und es müssen keine neuen Flächen versiegelt werden«, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) damals. Problematisch sei dagegen die lange Um- oder Neubauphase.

Zahlen zu konkreten Projekten könnten »in Anbetracht des Zeitbedarfs für Planung und Umsetzung« noch nicht genannt werden, heißt es heute beim Ministerium. Hemmnisse könnten statische Probleme, Stellplatzanforderungen oder Lärmbelastungen wegen des Lieferverkehrs sein.

Wie sieht es konkret aus mit der Nachverdichtung in den einzelnen Kommunen? Die Stadt Kassel bezeichnet sich selbst in der Sache als »seit vielen Jahren vorbildlich«. Durch Umwandlungen seien auf früheren Wirtschafts- und Bundeswehrflächen eine Vielzahl an Wohneinheiten und Arbeitsplätzen entstanden oder entstünden noch. Haus & Grund Kassel beurteilt die Situation anders: Man sehe im Stadtgebiet Potenzial. Aber bisher seien nur wenige Projekte in Angriff genommen worden.

Frankfurt sieht Möglichkeiten

In Frankfurt gibt es nach Ansicht des dortigen Planungsdezernats gute Möglichkeiten für Nachverdichtung. »Wir haben ermittelt, dass wir bis zum Jahr 2030 ein Potenzial für 70 000 bis 90 000 Wohnungen im Stadtgebiet haben«, sagte Planungsdezernent Mike Josef. 60 Prozent könnten dabei im Rahmen von Nachverdichtung errichtet werden.

In Hanau hat die Baugesellschaft bereits einige Aufstockungsprojekte realisiert. In drei Straßen wurden bereits 71 Wohneinheiten nachverdichtet und acht aufgestockt, wie die städtische Pressestelle auf Anfrage mitteilte. In zwei weiteren Straßen mit Wohnbebauung sollen 131 Wohneinheiten nachverdichtet und 13 aufgestockt werden. dpa

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