07. Februar 2017, 22:20 Uhr

Nachbesserung erwünscht

07. Februar 2017, 22:20 Uhr
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Von DPA

Wiesbaden (dpa/lhe). Hessens Schulgesetz soll modernisiert werden – und damit ist der Dauerstreit zum Thema Schule neu entfacht. Lehrer, Schüler und Eltern sind vom Entwurf der schwarz-grünen Regierungsfraktionen im Landtag enttäuscht. Sie wünschen sich Nachbesserungen an mehreren Punkten. Heute ist im Landtag eine Anhörung geplant, bei der Experten eine Einschätzung zum geplanten neuen Schulgesetz geben. Die Regierungsfraktionen CDU und Grüne hatten den Entwurf Mitte Oktober 2016 in das Parlament eingebracht.

Nach Ansicht vieler Lehrer wird die Inklusion mit dem novellierten Schulgesetz eher erschwert als gefördert. Grundschullehrerin Ilse Marie Krauth befürchtet etwa, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf aus ihrem Freundeskreis gerissen werden. Denn für diese Schüler sollen künftig die Schulbezirksgrenzen nicht mehr gelten. »Die geplanten Schulbündnisse verwalten den Mangel. Im Interesse der Kinder sind sie nicht«, sagte die Vertreterin des Grundschulverbandes gestern in Wiesbaden. Dass inklusiver Unterricht zudem davon abhängig gemacht werde, ob auch ein Platz frei ist, widerspreche der UN-Behindertenrechtskonvention. Die CDU-Fraktion im Landtag verteidigte den Gesetzesentwurf: Er stärke die Wahlfreiheit der Eltern.

Nach den Zahlen des Kultusministeriums wurden im Schuljahr 2015/16 rund 7900 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen betreut. Darüber hinaus seien 30 168 Jungen und Mädchen mit vorbeugenden Maßnahmen zusätzlich gefördert worden.

Derzeit gibt es hessenweit jedoch nur 25 Lehrkräfte, die sich über alle Förderschwerpunkte hinweg für den Schuldienst bewerben, wie das Ministerium mitteilte. Größerer Bedarf besteht nahezu im ganzen Land mit der Ausnahme Mittelhessen. Ganz besonders Grundschulen suchen Personal. »Der Mangel kommt nicht von ungefähr«, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Maike Wiedwald. »Es müssten mehr Studienplätze eingerichtet werden.« Auch eine Fortbildung anderer Lehrer zu Grundschullehrern sei ein guter Ansatz.

Allerdings würden sich sicher mehr Menschen dafür begeistern lassen, wenn Grundschullehrer auch genauso viel verdienten wie ihre Kollegen an anderen Schulen, sagte Wiedwald. »Derzeit sind es 500 Euro weniger.«

Mit der Novelle soll auch der »Pakt für den Nachmittag« festgeschrieben werden. Dieser könne den Ausbau echter Ganztagsschulen jedoch nicht ersetzen, kritisierte der Vorsitzende des Landeselternbeirates, Reiner Pilz. Das Nachmittagsangebot sei lediglich eine Betreuung, es gebe dafür keine Qualitätskontrolle. Nur in einer echten Ganztagsschule könnten Kinder gezielt gefördert werden.



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