Hessen

Mutmaßlicher Tötungsversuch vor Gericht

Wiesbaden - Ein versuchter Mord mit einer vergifteten Nudelsuppe beschäftigt das Landgericht Wiesbaden. Auf der Anklagebank sitzt ein 49 Jahre alter Mann, der laut Anklage als Platzwart bei einem Tennisclub in Rüdesheim am Rhein gearbeitet und dort sein späteres Opfer kennengelernt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm am Montag vor, in das Haus eines Ehepaares eingedrungen zu sein und Gift in die Suppe gekippt zu haben, die auf dem Herd stand.
27. Januar 2020, 18:51 Uhr
DPA
ProzessumversuchtenNudelsuppen
Der wegen versuchten Mordes angeklagte 49-Jährige und sein Rechtsanwalt Harald Roos (r.). FOTO: DPA

Wiesbaden - Ein versuchter Mord mit einer vergifteten Nudelsuppe beschäftigt das Landgericht Wiesbaden. Auf der Anklagebank sitzt ein 49 Jahre alter Mann, der laut Anklage als Platzwart bei einem Tennisclub in Rüdesheim am Rhein gearbeitet und dort sein späteres Opfer kennengelernt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm am Montag vor, in das Haus eines Ehepaares eingedrungen zu sein und Gift in die Suppe gekippt zu haben, die auf dem Herd stand.

Die Staatsanwältin erläutert, der Angeklagte sei in den Ehemann, den er vom Tennis kannte, verliebt gewesen. Der mit einer Frau verheiratete Mann habe die Avancen jedoch zurückgewiesen, das habe den 49-Jährigen gekränkt und zur Tat getrieben. Der Angeklagte saß wegen eines versuchten Giftmordes in Bayern bereits viele Jahre im Gefängnis.

Bereits 2001 Arsen benutzt

Der Beschuldigte äußert sich zunächst persönlich nicht. Wie solle er erklären, dass etwas nicht passiert sei, sagt sein Anwalt. Die Anklage stütze sich auf Indizien und Rückschlüsse. Bei kritischer Betrachtung reichten die reinen Beweise nicht aus für eine Verurteilung.

Das Ehepaar, dem der mutmaßliche Giftanschlag galt, hatte einen Teil der Suppe im Februar 2019 an seine Hunde verfüttert. Die belgischen Schäferhunde Lux und Carl mussten daraufhin mit schweren Vergiftungssymptomen in einer Klinik behandelt werden und überlebten. Die Polizei ließ eingefrorene Reste der Suppe untersuchen, woraufhin Spuren des Gifts der Pflanze Blauer Eisenhut gefunden wurden.

Das Ehepaar ist von den Geschehnissen nach wie vor sichtlich mitgenommen. Vor allem, als die Staatsanwältin die Wirkung des Giftes beschreibt (»eine große Qual bis zum Tod«) ringen beide um Fassung. »Es hätte jeden in der Familie treffen können«, sagt die Anwältin der Nebenklage. Es seien auch mal die Enkelkinder im Haus gewesen.

Der 49-Jährige wurde im April 2019 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er war bereits 2001 vom Landgericht Memmingen wegen versuchten Mordes zu 13 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte laut Urteil versucht, die Eltern einer Freundin mit Arsen zu vergiften.

Der Angeklagte fühle sich zu älteren Männern hingezogen, erläutert die Staatsanwältin. Sein Opfer passe in dieses Muster. Er habe sich ihm seit dem Frühjahr 2018 zunächst auf dem Rüdesheimer Tennisplatz genähert, folgte ihm in dessen Weinberg, wollte Händchen halten. Aber der Ältere habe nichts vom Angeklagten wissen wollen. dpa

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/Hessen-Mutmasslicher-Toetungsversuch-vor-Gericht;art189,662095

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