26. März 2014, 09:53 Uhr

Möbel für Brüssel und Krankenhäuser

Butzbach (fef). Kühle Wände, Stahltore, massive Holztüren: Die Butzbacher JVA beherbergt nicht wenige von Deutschlands gefährlichsten Straftätern. Unter 24 Monaten Haft sei niemand dabei, erklärte Anstaltsleiter Eugen Martz beim Antrittsbesuch der hessischen Justizministerin Eva Kühne-Hörmann.
26. März 2014, 09:53 Uhr
Auch die Ministerin kann anpacken: Meister Karl-Heinz Köger schaut zufrieden. (wz) (Foto: pv)

Die wollte das Konzept der Anstalt vor Ort kennenlernen. Denn einfach wegsperren ist in Butzbach nicht. Man will den Insassen eine Perspektive für die Zeit nach der Haft geben – mit Bildung und Ausbildung. Mit ihrer höchsten Sicherheitsstufe erfülle die JVA eine für das Land unverzichtbare Schutzfunktion – vor allem sei sie aber Vorbild für weitere Einrichtungen.

Die JVA unterhält mehrere Eigenbetriebe, in denen die Inhaftierten eine qualifizierte Ausbildung absolvieren und später auch arbeiten können: Schlosser, Metzger oder auch Metallbauer kann man in der Kleeberger Straße 23 in Butzbach werden.

Aushängeschild ist die Schreinerei. Zur Zeit sind dort 40 Gefangene beschäftigt. Drei Meister und der Betriebsleiter betreuen die Arbeiten. »Von der Planung bis zur Realisation steht die Qualität im Vordergrund«, so Martz.

Deshalb lassen sich Hessens Ministerien gern von der JVA beliefern, und auch die hessische Vertretung in Brüssel ist mit dem ersten Mobiliar überaus zufrieden. Auch Private schätzen Butzbacher Qualitätsarbeit aus dem Knast, so das Klinikum Riedstadt. 2013 hatte die Schreinerei 1,5 Millionen Euro Einnahmen, damit ist sie nicht nur der größte (mit 2800 Quadratmetern), sondern auch der umsatzstärkste Eigenbetrieb im hessischen Justizvollzug.

Auch die Ausbildung stellt hohe Anforderungen. Meister Karl-Heinz Köger ist stolz auf die Leistungen seiner acht Lehrlinge, die immer wieder Bestnoten bescheinigt bekämen. Grundsätzlich stehen derzeit 90 Ausbildungsplätze zur Verfügung, rund 30 Häftlinge warten auf einen freien Ausbildungsplatz, berichtet Martz. Dass das Ausbildungsprogramm der JVA Butzbach auch bei den Handwerkskammern gut ankomme, sei ebenfalls ein Beweis für die Qualität. In der Schlosserei habe man gerade die Zahl der Ausbildungsplätze von 44 auf 54 erhöht.

»Auf gutem Weg«

Auch nach der Ausbildung ist in Butzbach nicht Schluss. Die JVA biete Fortbildungslehrgänge an, dazu auch Sprachkurse und Einführungen in die IT-Nutzung.

Staatsministerin Kühne-Hörmann machte deutlich, dass der Erfolg nur durch das große Engagement der Mitarbeiter möglich sei. Man habe ein erheblich kriminell vorbelastetes und häufig gewaltbereites Klientel – und doch sei man in Butzbach auf einem guten Weg.

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