29. Mai 2018, 09:00 Uhr

»Durchgeknallt«

Mitangeklagter berichtet von sadistischen Spielen

Zwei junge Männer sollen einen 15-Jährigen mit sechs Messerstichen getötet haben. Wegen gemeinschaftlichen Mordes stehen sie nun vor Gericht. Der Prozess liefert Einblick in eine wirre Gedankenwelt.
29. Mai 2018, 09:00 Uhr
(Symbolbild: dpa)

Im Prozess um einen erstochenen 15-Jährigen in Nordhessen hat ein 19-Jähriger seinen Mitangeklagten schwer belastet. Er berichtete von sadistischen Spielen mit Blut und beschrieb den ebenfalls 19-Jährigen als »durchgeknallt«. Er selbst sei an der Tat beteiligt, habe das Opfer festgehalten – aber nicht zugestochen. Der von ihm Beschuldigte schwieg bei Prozessbeginn vor der Jugendkammer des Landgerichts Kassel zu der Tat.

Der junge Mann, der zugestochen haben soll, sitzt beinah regungslos im Gerichtssaal. Er sieht harmlos aus: kräftige Statur, rundes Gesicht, an der rasierten Kopfseite klebt ein großes Pflaster. Er starrt ins Leere, verzieht keine Miene. Das ändert sich auch nicht, als sein mutmaßlicher Komplize auspackt.

 

Verbrechen aus heiterem Himmel?

 

Schriftlich erklärt dieser sein Bedauern über das Verbrechen, das sich im September 2017 in Korbach (Kreis Waldeck-Frankenberg) offenbar aus heiterem Himmel ereignete. Den Mitangeklagten beschreibt er als »Großmaul«, als jemanden, der mit Verbrechen prahlt und das Internetvideo einer Enthauptung verschickt.

Alkoholisiert trafen die beiden Korbacher auf den Straßen der Kleinstadt zwei andere Jugendliche, 14 und 15 Jahre alt. Man kennt sich. Plötzlich habe der 19-Jährige sich geritzt und erklärt, dass er sich eine Seele holen wolle, sagt sein mutmaßlicher Komplize. Mit Blut habe er seinen Namen auf ein Blatt geschrieben, die Jüngeren sollten das unter Drohung nachmachen. Als diese sich weigerten, sei es zum Handgemenge gekommen.

 

Opfer erliegt Verletzungen

 

Während der geständige Angeklagte den 15-Jährigen festhielt, soll der 19-Jährige zugestochen haben – insgesamt sechsmal. Das Opfer starb an den Verletztungen. Währendessen habe er den 14-Jährigen aufgefordert, das blutige Messer abzulecken.

Auch wenn nur ein Angeklagter zugestochen haben soll – beide Korbacher müssen sich wegen gemeinschaftlichen Mordes aus niedrigen Beweggründen verantworten. Sie haben keinen Migrationshintergrund. Der 19-Jährige, der laut Anklage zustach, soll bereits einiges auf dem Kerbholz haben: Er gestand mit einer geladenen Schreckschusspistole in ein Geschäft gegangen zu sein, ohne Wissen seiner Oma Geld von deren Konto abgehoben zu haben und mit einem Auto ohne Führerschein vor der Polizei geflohen zu sein. Die Fahrt endete mit einem Crash. Auch deswegen muss er sich nun vor Gericht verantworten.

 

19-Jähriger laut Anklage psychisch gestört

 

Bei dem Prozess wird es auch darum gehen, ob der 19-Jährige in ein Gefängnis oder ein psychiatrisches Krankenhaus muss. Denn er leidet laut Anklage an der Borderline-Krankheit, einer psychischen Störung.

Zur Hauptverhandlung sind 18 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Das Gericht hat drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird frühestens Anfang Juni erwartet.

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