11. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Sicherheitsdienste

Mit Sicherheit nicht immer legal

So manche Gewalteskalation bei Festen zwingt Veranstalter dazu, Sicherheitsdienste in Anspruch zu nehmen. Doch Vorsicht: Unter denen gibt es auch manch schwarze Schafe.
11. Dezember 2017, 21:00 Uhr
Ob in der U-Bahn oder auf Volksfesten: Sicherheitsdienste sind zunehmend gefragt. Kontrollen im Lahn-Dill-Kreis ergaben jedoch, dass nicht alle Unternehmen und ihre Mitarbeiter legal arbeiten. (Foto: dpa)

Dicke Backen nicht nur bei zünftiger Musik: Kaum eine Kirmes, bei der es ohne die eine oder andere Schlägerei abgeht. Das war schon immer so und ist heute nicht anders. Doch während früher der Grund für den bekannten »Satz heiße Ohren« meist im erhöhten Alkoholpegel zu später Stunde lag, gab es in den vergangenen Jahren auch zunehmend Fälle, in denen Streitsüchtige gezielt Volksfeste aufsuchten, um Randale zu provozieren.

Manche Veranstalter haben vor dieser Gefahr schon resigniert und organisieren keine Kirmes mehr. Andere beschäftigen Sicherheitsdienste. Sie müssen es auch, denn die Haftpflichtversicherung verlangt das. Hinzu kommt die aktuelle Verunsicherung durch die Angst vor islamistischen Anschlägen. Security hat derzeit auch auf den Weihnachtsmärkten Hochkonjunktur. Ein lukratives Geschäft also. Kaum verwunderlich, dass sich unter den seriösen Anbietern auch manche schwarze Schafe befinden.

So stellte der Lahn-Dill-Kreis kürzlich Erstaunliches fest: »Bei ersten Kontrollen von Bewachungsunternehmen wurden den Kreisbeamten Namen von Personen genannt, die mutmaßlich illegal als Security auf heimischen Volksfesten auftreten sollen. Nach ersten Recherchen merkten die Beamten: Diesen Missstand scheint es öfter zu geben«, erklärte Landrat Wolfgang Schuster.

Der Fachdienst Ordnungs- und Gewerberecht des Lahn-Dill-Kreises ließ sich nach den ersten Erkenntnissen von den Gemeinden die Volksfeste und ähnliche Veranstaltung benennen, wer diese ausrichtet und welches Bewachungsunternehmen vor Ort tätig war. Das Ergebnis: »In rund einem Drittel aller Volksfeste war Security unerlaubt im Einsatz«, stellte Verwaltungsdirektor Reinhard Strack-Schmalor fest.

Die Folge waren Bußgeldbescheide über 300 und 2000 Euro. Bis zu 5000 Euro kann es kosten, wenn Security-Anbieter und Mitarbeiter keine Lizenz zum Sichern haben. Insgesamt gibt es im Lahn-Dill-Kreis 22 angemeldete Firmen, von denen 15 aktiv sind.

Beim Landkreis Gießen, in dessen Zuständigkeitsbereich drei Sicherheitsfirmen und vier selbstständige Bewacher arbeiten, ist nichts über illegale Betreiber bekannt. Gleiches gilt für Vorfälle oder Konflikte mit Security-Personal bei Volksfesten, berichtet Kreissprecher Kays Al-Khanak. Auch beim Wetteraukreis (51 Betriebe, 230 Beschäftigte) seien keine illegalen Unternehmen bekannt, teilte Kreissprecherin Petra Schnelzer mit.

Anders im Vogelsbergkreis, dessen Gewerbeabteilung in der Vergangenheit stichprobenartig bei verschiedenen Veranstaltungen die Firmen und Wachpersonen von Sicherheitsunternehmen vor Ort kontrolliert hat. »In einem Fall wurde der Einsatz eines Sicherheitsunternehmens, das nicht im Besitz der erforderlichen Genehmigung war, von der Behörde verhindert. Vereinzelt wurde bei den Stichproben auch Bewachungspersonal festgestellt, das nicht die erforderliche Sachkunde besaß oder dessen Zuverlässigkeit nicht geprüft war. Diese Personen wurden von der Wachtätigkeit ausgeschlossen«, berichtet Kreissprecher Erich Ruhl-Bady.

 

Veranstalter in Haftungspflicht

 

Das Problem für die Veranstalter ist: Selbst wenn sie eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben und Security beschäftigen, zahlt die Versicherung im Zweifelsfalle nicht, wenn das Unternehmen illegal ist. Am Ende ist dann der Verein in der Haftung. Und das kann auch für den Vorstand teuer werden, besonders bei Körperverletzungen.

Daher rät der Wetzlarer Landrat Schuster zum Schutz der Veranstalter: »Lassen Sie sich vor einer Beauftragung eines Security-Unternehmens dessen Erlaubnis zeigen. In Zweifelsfällen können Sie auch bei den Landratsämtern nachfragen.«

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