Hessen

Mit DNA-Datenbank gegen Hundekot

Sie haben die Nase voll! In Lohra hat das Parlament den Gemeindevorstand einen heiklen Auftrag erteilt: Er soll prüfen, ob es möglich ist, eine DNA-Datenbank für Hunde einzurichten.
15. November 2017, 19:25 Uhr
Rüdiger Geis
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Hundekot sieht nicht schön aus, riecht schlecht und ist besonders unangenehm, wenn man versehentlich reintritt. Auf solche Beutel greifen nicht alle Hundebesitzer zurück. Lohra will dem Ärgernis nun mit einer DNA-Datenbank begegnen. (Foto: dpa)

Die Verfolgung von DNA-Spuren kennt der gewiefte Krimileser oder -seher als modernes Mittel zur Ermittlung von Verbrechern. Dass man mit dieser Analysemethode auch Umweltsündern auf die Spur kommen kann, hält man in der Gemeinde Lohra zumindest für möglich. Mit großer Mehrheit beschloss dort am Dienstagabend das Gemeindeparlament einen entsprechenden gemeinsamen Antrag von CDU, SPD und BfB (Bündnis für Bürgernähe).


Kosten: Deutlich unter 100 Euro pro Hund

Eigentlich stand die die Änderung der Hundesteuersatzung mit Anhebung der Steuersätze auf dem Programm. Jetzt soll der Gemeindevorstand prüfen, ob es möglich ist, eine DNA-Datenbank für Hunde einzurichten. Mit deren Hilfe könnten die Besitzer ermittelt werden, die den Dreck ihrer Tiere einfach in der Landschaft oder auf Gehwegen liegenlassen.

Werner Waßmuth (CDU) brachte es gegenüber der HR-Hessenschau auf den Punkt: Egal, ob in der Gemeinde oder auf den Rad- und Wanderwegen oder auf den Feldern, wo ja Lebensmittel erzeugt würden – überall ließen Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Tiere liegen. Nach Waßmuths Worten soll die DNA-Probe pro Hund und Jahr die Gemeindeverwaltung deutlich unter 100 Euro kosten. Die Strafen müssten entsprechend hoch sein, damit die Gemeinde am Ende nicht drauflegt. Beispiele für solche Datenbanken gebe es schon in Italien, Großbritannien oder der Schweiz. Möglicherweise müsse es eine Gesetzesänderung geben, dennoch sei es wichtig, das Thema aufzugreifen.

Hundekotbeutel "deutliche Entlastung"

»Lohra hat nicht mehr Probleme mit Hundkot als andere Gemeinden«, sagt Bürgermeister Georg Gaul (unabhängig). Gleichwohl werde der Gemeindevorstand den Prüfauftrag umsetzen. Gaul verwies darauf, dass es in den Ortsteilen Lohra und Kirchvers seit einem halben Jahr »Teststrecken« mit Behältern für Hundekotbeutel gibt, die auch sehr gut angenommen würden und eine deutliche Entlastung bei der Verschmutzung im Außenbereich gebracht hätten. »Insofern hat uns jetzt dieser Antrag überholt«, meint der Bürgermeister.

Skeptisch sieht Gaul die Umsetzung des Ansinnens: Ist der Verursacher tatsächlich feststellbar oder war es vielleicht ein böser Streich des Nachbarn? Auch die Kosten seien ein wichtiger Punkt: »Wer übernimmt die?«, fragt Gaul. Letztlich sei mit einer erheblichen Zunahme der Verwaltungsarbeit zu rechnen. Das sei personell aber nicht zu leisten. Und dann ein weiteres Fragezeichen: »Wo ist die gesetzliche Regelung dafür?«

Auch Pferde und Katzen ein Problem

Zu bedenken sei auch, dass Hunde nicht die einzigen Tiere seien, die für Verunreinigungen in der Landschaft sorgten. »Bei Pferden sprechen wir von deutlich größeren Dimensionen«, gibt der Rathauschef zu bedenken. Auch Katzen seien ein Problem, womöglich ein viel größeres als Hunde, da sie oft unbeaufsichtigt unterwegs seien und beispielsweise auch Kinderspielplätze mit ihren Hinterlassenschaften verunreinigten.

Man werde sich nun beim Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) kundig machen. Allerdings sei ihm, Gaul, bundesweit kein vergleichbarer Fall bekannt. Es sei eine ergebnisoffene Prüfung. Das Resultat werde die Gemeindevertretung dann sicher im Laufe des nächsten Jahres wieder beschäftigen. Skeptisch sieht man wohl auch beim Hessischen Städte- und Gemeindebund das Ansinnen der Lohraer Gemeindevertreter. »Ohne gesetzliche Grundlage wird es schwierig, eine solche Datenbank verpflichtend anzulegen«, erklärte HSGB-Abteilungsleiter David Rauber gegenüber dem HR. Wenn Gebote und Verbote ins Spiel kämen, sei zuerst der Gesetzgeber gefragt.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/Hessen-Mit-DNA-Datenbank-gegen-Hundekot;art189,346733

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