Hessen

Missbrauchsskandal aufarbeiten

Limburg (dpa). Gesprächsangebote, Arbeitsgruppen und externe Untersuchung: Mit einem umfangreichen Projekt will das Bistum Limburg den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufarbeiten und die Prävention verbessern. Es solle einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche in der Limburger Diözese »sicher leben und ihren Glauben erfahren können«, sagte Bischof Georg Bätzing am Freitag. Das Bistum sieht sich mit dem Vorhaben als Vorreiter. Es liegt auf hessischem und rheinland-pfälzischem Gebiet.
05. April 2019, 22:03 Uhr
DPA

Limburg (dpa). Gesprächsangebote, Arbeitsgruppen und externe Untersuchung: Mit einem umfangreichen Projekt will das Bistum Limburg den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufarbeiten und die Prävention verbessern. Es solle einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche in der Limburger Diözese »sicher leben und ihren Glauben erfahren können«, sagte Bischof Georg Bätzing am Freitag. Das Bistum sieht sich mit dem Vorhaben als Vorreiter. Es liegt auf hessischem und rheinland-pfälzischem Gebiet.

»Es geht in dem Projekt um die Perspektive der Opfer und nicht, wirklich nicht, um die Perspektive der Kirche«, betonte Katholikenvertreterin Ingeborg Schillai. Die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung ist zusammen mit Bischof Bätzing die Auftraggeberin des Projekts, das auf ein Jahr angelegt ist. Arbeitsgruppen sollen acht Themenfelder bearbeiten. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen sollen im kommenden Jahr vorliegen.

Zu den Zielen gehört dem Bistum zufolge, »bestmöglich« Verdachtsfälle und Taten aufzuklären sowie sexuellen Missbrauch zu verhindern. Verantwortliche sollen benannt und Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Eine »adäquate Kommunikation« mit Opfern soll »nachhaltig an die Stelle von Vertuschung und Bagatellisierung« treten. Geplant ist unter anderem eine externe Untersuchung von Vorfällen und Verdachtsmomenten. Dafür sollen noch einmal alle Personalakten gesichtet werden. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und der Staatsanwaltschaft übergeben, wie Bätzing ankündigte. Die Arbeitsgruppen sollen sich auch um Tabuthemen wie die katholische Sexualmoral, den Umgang mit Homosexualität oder Machtmissbrauch kümmern. Weitere Themen sind die Rolle der Frau oder die Aus- und Weiterbildungsordnung.

Mit dem Projekt reagiert das Bistum nach eigenen Angaben auf die im September vorgestellte Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche und daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen. Der Untersuchung zufolge sollen sich bundesweit zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 Kleriker an 3677 Kindern und Jugendlichen vergangen haben. In Limburg wurden 85 Opfer benannt, wobei bislang nicht der komplette Zeitraum untersucht worden ist. Dem Bistum zufolge gelten derzeit 45 Limburger Priester und Diakone als Beschuldigte, zwölf weitere stammten aus anderen Diözesen. Auch die Bistümer in Fulda und Mainz haben auf den Skandal reagiert.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/Hessen-Missbrauchsskandal-aufarbeiten;art189,574477

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