20. April 2019, 09:00 Uhr

Frohe Ostern!

Mein Name ist Hase

Ich bin auf Zack. Schnell, wachsam und gewitzt. Sehe alles, lasse mich aber durchaus nicht immer sehen. Mein Name ist Hase. Osterhase.
20. April 2019, 09:00 Uhr
Nur die langen Ohren eines Feldhasen ragen aus einem Getreidefeld. (Foto: dpa)

Ich kann ohne zu übertreiben sagen, dass ich ein toller Kerl bin. Meine wissenschaftliche Bezeichnung ist Lepus europaeus. Feldhase. Ursprünglich stamme ich aus der Steppe, mag es daher trocken und warm. Heutzutage bin ich aber sozusagen überall zu Hause, am liebsten in Agrarlandschaften mit Feldgehölzen, Ackerrändern und Brachen, die mir Nahrung und Verstecke bieten. Ich bin schnell: Über kurze Distanz erreiche ich Geschwindigkeiten bis zu 80 Kilometern in der Stunde. Oft drücke ich mich flach auf den Boden, aber wenn es sein muss, kann ich bis zu zwei Meter hoch springen. Wasser schreckt mich nicht: Dann schwimme ich eben.

 

Ich bin kein Zwei-Kilo-Kaninchen

 

Verwechseln Sie mich bloß nicht mit so einem Zwei-Kilo-Kaninchen, das wäre ja fast schon ehrenrührig. Schließlich bin ich viel größer, wiege bis zu sechs Kilogramm, habe längere Ohren und Hinterbeine. Meine bevorzugte Zeit des Tages ist die Dämmerung – außer natürlich, wenn es um die Mädels geht. Dann laufe ich an den Rammelplätzen zur Höchstform auf. Kennen Sie übrigens meine »Hasenapotheke«? Ich ernähre mich nämlich gesund, bevorzugt von Wildkräutern und -gräsern, aber auch Getreide und Feldfrüchte, Knospen, Triebe und Rinde stehen auf meinem Speiseplan.

 

In Sprichwörtern bin ich ein Promi

 

Ich habe viele Namen: Meister Lampe zum Beispiel – wegen der hübschen hellen Unterseite meiner Blume, also meines Schwanzes. Mümmelmann höre ich nicht gern, klingt so dröge. Nur weil ich manchmal selbstvergessen auf ein paar Kleeblättern kaue, während ich die Gegend beobachte mit meinen bernsteinfarbenen Augen, die praktischerweise seitlich am Kopf sitzen – zur besseren Rundumsicht. Gewöhnlich rede ich nicht viel: Ein bisschen Knurren reicht. Nur wenn ich mich verletzt habe, äußere ich mein Klagegeschrei.

In Sprichwörtern und Redewendungen bin ich ein Promi, tauche häufig auf. Nicht immer berechtigterweise, wie ich finde. Wenn jemand »die Löffel spitzt«, verweist das natürlich auf meine bewundernswert langen und mit schwarz umrandeten Spitzen sehr dekorativen Ohren, die ich mühelos in alle Richtungen drehen oder anlegen kann. Die sind immerhin 8,5 bis 13 Zentimeter lang. Ich bin ein Musterbeispiel an Aufmerksamkeit. Dass meine Lauscher aber auch herhalten sollen, wenn es »was hinter die Löffel gibt«, damit bin ich nicht einverstanden. Und schon gar nichts zu tun haben möchte ich mit der Situation, wenn jemand »den Löffel abgeben« muss. Mal ehrlich – was sollte ich denn mit nur einem Ohr anfangen?

 

Was heißt denn hier Hasenherz?

 

Richtig ärgerlich werde ich, wenn jemand behauptet, dass ein anderer ein »Hasenherz«, ein »Hasenfuß«, also ein »Angsthase« sei. Was hat mein Name damit zu tun? Nur weil ich eine gute Taktik zur Feindabwehr habe, bin ich doch kein Feigling. Ich bleibe entweder einfach liegen und setze auf die Tarnung meines Fells, wenn sich ein Feind nähert. Bin schließlich erdbraun auf der Oberseite – und im Winter heller, logisch. Alternativ zur Deckung rase ich mit meinen unvergleichlichen Haken davon – in Ausnahmefällen über zwei Kilometer weit. Früher sagten Menschen despektierlich, jemand würde »das Hasenpanier« ergreifen oder zeigen. Die Herkunft dieses seit dem 15. Jahrhundert belegten Wortes ist nebulös, stammt wohl aus der Jägersprache, die mit Hasenpanier meine Blume bezeichnete – wörtlich übersetzt heißt Panier die Fahne. Die Redewendung bedeutet so viel wie »flüchten«, weil man mich dann eben von hinten sieht. Aber das ist nun mal der Sinn der Sache, wenn man der Gefahr davonrennt. Damit hänge ich die meisten Fressfeinde ab, was nichts mit Angst, sondern mit einer ausgeklügelten und erfolgreichen Überlebensstrategie zu tun hat. Da kann man eben mal bewundern, »wie der Hase läuft«! So, jetzt wissen Sie’s.

 

»...ich weiß von nichts«

 

Apropos Wissen: Nun kommt das Ärgerlichste für mich in diesem Artikel. Nämlich der Satz: »Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.« Hat mit mir nix, aber auch gar nix zu tun. Ich weiß jede Menge, zum Beispiel auch, woher dieser Spruch kommt. Im Jahr 1855, so heißt es, hat ein Heidelberger Jurastudent namens Viktor Hase einem Kameraden seinen Studentenausweis überlassen, damit dieser damit nach Frankreich flüchten konnte, nachdem er einen Gegner im Duell erschossen hatte. Der Ausweis, so die Fachliteratur, ging dann verloren, wurde gefunden und ans Heidelberger Universitätsgericht geschickt. Hase wurde geladen. Bei der Befragung soll der Jurist in spe gesagt haben: »Mein Name ist Hase, ich verneine die Generalfragen, ich weiß von nichts!« Die Antwort verbreitete sich leicht gekürzt, ist längst eine Redewendung. Also: Ich bin nicht gemeint. Außerdem habe ich gar keinen Ausweis.

 

Fuchs, Pfeffer und Löwe

 

Noch einen weiteren Irrtum möchte ich aufklären: Ich sage niemals dem Fuchs »Gute Nacht«. Bin doch nicht lebensmüde. Und treffe mich mit ihm schon gar nicht freiwillig an einsamem Ort. Ein »Betthase« bin ich auch nicht, ruhe gut in meiner Kuhle auf dem Boden – und finde dafür die Bezeichnung »Häslein in der Grube, saß und schlief« arg verniedlichend. Aber manche Leute finden mich so goldig, dass sie ihren Schatz mit »Häschen« oder gar »Hasi« ansprechen. Kommen wir zu: »Da liegt der Hase im Pfeffer.« Schlimme Sache. Es geht um mich in einer ausweglosen Situation, zubereitet in Pfeffersoße. Gemeint ist aber, das etwas der wesentliche Faktor ist. Früher wurde das Sprichwort auch für Dinge benutzt, die nicht mehr zu ändern sind. Lag der Hase, also ich, erst einmal in der Soße, hatte sich die Sache für ihn, also mich, endgültig erledigt.

 

Auf dem Rasen rasen Hasen

 

Blöd ist die Redensart »Ist der Löwe tot, so rauft ihn auch der Hase beim Bart«. Da ist es wieder, das Vorurteil, ich hätte nur Mut, wenn mir nichts passieren kann. Aber zu viel Mut zum Risiko kann ganz schön tödlich sein. Wer sich den Satz: »Wenn der Has läuft über den Weg, ist das Unglück schon auf dem Steg« ausgedacht hat, weiß ich nicht. Der Betreffende hat mich wohl mit einer schwarzen Katze verwechselt. Zum Schluss noch ein Zungenbrecher. »Auf dem Rasen rasen Hasen, atmen rasselnd durch die Nasen. Rasselnd durch die Nasen atmend rasen Hasen auf dem Rasen.« Sehr gut geeignet zur Unterhaltung in fröhlicher Runde beim Kaffeetrinken zum Osterfest. Wer es dreimal hintereinander schnell und fehlerfrei schafft, bekommt ein Schokoladenei. Von mir. Herzliche Grüße und frohe Ostern! Ihr Osterhase

Fakten

Bestand, Feinde und Risiken

(pi/rüg/dpa). Hasen sind keine Kaninchen. Kaninchen bekommen in einem unterirdischen Bau nackte Junge. Feldhasen bringen in einer oberirdischen Mulde (»Sasse«) wenige Junge zur Welt, die schon sehen können und komplett behaart sind. Pünktlich zu Ostern zählen Jäger in Hessen die Zahl der Hasen auf freien Feldflächen – und das seit über 25 Jahren. Der Bestand der Tiere sei seit Jahren stabil, teilte Markus Stifter, Pressesprecher des Landesjagdverbandes mit Sitz in Bad Nauheim, mit. In ausgewählten Zählgebieten, die jedoch nicht auf ganz Hessen hochgerechnet werden dürften, seien 2018 im Frühjahr 13,8 Hasen auf 100 Hektar Feldfläche und 16,4 Hasen im Herbst erfasst worden. Damit liegt das Land über dem Bundesschnitt von zwölf Hasen pro 100 Hektar im Frühjahr. Besonders in Mittelhessen gebe es sehr gute Hasenreviere. In manchen Landesteilen blieben die Bestände auf niedrigerem Niveau. Anders sieht die Lage der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der den Feldhasen in Hessen für gefährdet hält. »Die Landwirtschaft hat sich stetig intensiviert«, sagt Mark Harthun, Vizelandesgeschäftsführer des NABU Hessen. Der Lebensraum für Hasen werde immer weiter eingeschränkt. Zu den Fressfeinden gehören Füchse, Dachse, Wildschweine und Greifvögel. Auch Mähmaschinen, das Fehlen von Brachflächen, Nahrungsmangel, die Veränderung des Klimas, der Verkehr und die Bejagung bedrohen das Leben der Hasen.

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