06. Oktober 2018, 17:00 Uhr

Buchmesse Frankfurt

Mehr Akzeptanz für höhere Preise

Seit Jahren ist der Absatz von Büchern rückläufig. Dennoch hat die Branche nur geringfügige Einbußen beim Umsatz. Die Leser sind zunehmend bereiter, mehr für ein Buch zu bezahlen.
06. Oktober 2018, 17:00 Uhr
Nachschub für Leseratten: Obwohl weniger Menschen Bücher kaufen, ging der Umsatz des Handels nur geringfügig zurück. Der Grund: Die Käufer sich immer mehr bereit, auch höhere Preise zu akzeptieren. (Foto: dpa)

Weltliteratur zum Anfassen, neue Romane kennenlernen, Autoren treffen – jährlich lockt die Frankfurter Buchmesse Mitte Oktober Hunderttausende vonBesuchern an. 2017 waren es insgesamt 286 425, so viele wie nie zuvor. Der Lesehunger ist nahezu ungebrochen. Doch der Markt verändert sich. Fragen und Antworten:

Wie viele Verlage und Buchhandlungen gibt es in Hessen?

Die Mitgliedszahlen im Landesverband zugrunde gelegt, wurden in Hessen im vergangenen Jahr 398 Buchhandlungen und Filialen registriert, erklärt Stefanie Brich, Geschäftsführerin des Landesverbands Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland im Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. »Es gibt immer noch einen zweiten Blick, da ja leider nicht alle Buchhandlungen Verbandsmitglied sind.« Im Jahr 2016 gab es demnach 285 reine Buchhandlungen (ohne Filialen) und 698 Unternehmen, die neben Buch auch weitere Artikel wie Schreibwaren anbieten. Bei Verlagen sei das etwas einfacher: Hier wurden 233 Unternehmen für das Jahr 2016 gezählt.

Sind die Zahlen rückläufig?

»Generell ja – bedauerlicherweise«, sagt Brich. Bei den Buchhandlungen beschäftigten den Verband aktuell besonders altersbedingte Schließungen. Viele dieser Buchhandlungen haben bereits in den letzten Jahren oft knapp gewirtschaftet. Und es gelingt nicht immer, sie an einen Nachfolger zu übergeben. »Das hängt im Wesentlichen mit der Infrastruktur des jeweiligen Ortes ab. Je kleiner der Ort, umso unwahrscheinlicher, dass eine Buchhandlung einen Nachfolger findet«, meint die Expertin.

Und wie sieht die Situation bei den Verlagen aus?

»Auch die Verlage kämpfen«, sagt Brich. Kleinere Verlage haben es somit immer schwerer, auskömmlich zu wirtschaften. Da gebe es durchaus Schließungen, weil sich der Inhaber nach einer neuen Einkommensquelle umschauen müsse. Der Verband zählt seit 2013 in Hessen 40 Buchhandlungen und 17 Verlage weniger. Allerdings sei es auch zu Eintritten und Neugründungen kam.

Wie ist die Entwicklung bei den einzelnen Veröffentlichungsformen?

Das Hardcover/Softcover nimmt nach Verbandsangaben seit zwei Jahren leicht zu (um zwei Prozent). Gleichermaßen verliert das Taschenbuch. Das bestätigten auch die Käuferzahlen, sagt Brich: »Die Buchleser, die nach wie vor lesen, sind nicht so preissensibel und geben im Schnitt mehr aus für das Buch als in den letzten Jahren. Seit 2013 seien rund 6,4 Millionen Leser verloren gegangen, aber in den letzten 15 Jahren nur ein Prozent an Umsatz. »Die Leute, die lesen, haben allein in den letzten fünf Jahren zum Glück 20 Euro mehr in Bücher investiert.«

Das ist ja am Ende auch die Herausforderung des Verlegens: welche Bücher erfolgreich werden, entscheidet am Ende der Leser

Stefanie Brich

Welche Kriterien begründen die Entscheidung eines Verlags, ein Buch zuerst mit festem Einband zu editieren?

Das ist eine lang gelebte Praxis, neue Titel zunächst mal als Hardcover zu bringen und dann mit dem entsprechenden Zeitabstand entweder selbst oder als Lizenz noch das Taschenbuch zu einem niedrigeren Preis zu bringen, weiß Brich. Daran ist der Leser gewöhnt und er kann entscheiden, ob er auf die Taschenbuchausgabe wartet. Am Ende sei das alles eine Frage der Kalkulation: Welche Auflage traue ich dem Buch zu, was ist der Leser bereit zu zahlen – und was kostet mich die Gesamtproduktion.

Zig Manuskripte werden von Verlagen gar nicht angenommen. Manche Autoren entscheiden sich dann für den Selbstverlag. Ist das ein Trend?

»Ja«, sagt Brich. Die Druckverfahren haben sich verändert, Digitaldruck bis zum Print-on-Demand, dem Druck über Nacht, ermöglichen es, Bücher zu anzubieten und kein großes Auflagenrisiko einzugehen. Das kann ein Autor am Ende auch selbst. Nur fehlt ihm oft dann natürlich die professionelle Vermarktungs- und PR-Maschine eines Verlags. Aber es gibt auch im Self-Publishing-Bereich immer wieder Überraschungserfolge. Brich: »Das ist ja am Ende auch die Herausforderung des Verlegens: welche Bücher erfolgreich werden, entscheidet am Ende der Leser. Und das hängt – neben einer soliden Verlagsarbeit, Autoren und Bücher bekannt zu machen – immer wieder auch von aktuellen Trends und Debatten und immer wieder auch von ein bisschen Glück ab.«

»Literatur in Hessen« präsentiert sich erstmals auf der Frankfurter Buchmesse mit einem Gemeinschaftsstand. Welche Vorteile bietet das für die Verlage und Autoren?

Über die Initiative des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst freut man sich beim Verband sehr: Der Gemeinschaftsstand bietet hessischen Verlagen die Möglichkeit, Teil eines Gesamtauftrittes zu sein, der die hessischen Literatur- und Büchermacher zusammenbringt. Vor allem Verlage, die sich keine eigene Teilnahme leisten konnten oder wollten, haben sich angemeldet, insgesamt 20 hessische Verlage – ob groß, ob klein, ob ausschließlicher Broterwerb oder Nebentätigkeit. »Der Stand zeigt sehr schön die Vielfalt der hessischen Verlagslandschaft, die zur kulturellen Identität Hessens beitragen«, freut sich Brich. Es gibt Lesungen, Verlagspräsentationen und die Möglichkeit, mit Netzwerken in Kontakt zu kommen. »Am wichtigsten ist aber, dass viele Besucher kommen und auch den kleinen Verlag kennenlernen, dessen Bücher sie so möglicherweise bisher noch nicht wahrgenommen haben«, hofft Verbandsgeschäftsführerin Brich.

Info

Buchveröffentlichungen 2017

(rüg). Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit insgesamt 72499 Erstauflagen auf den Markt gebracht. Die Zahl ist rückläufig, die Verlage produzieren weniger. 2013 waren es noch 81919. Wichtigster Umsatzbringer des Buchhandels ist das Hardcover (inklusive höherwertiger Softcover), die 2017 rund 75 Prozent des Umsatzes ausmachen. Das klassische Taschenbuch liegt bei 21,8 Prozent, das Hörbuch bei relativ konstanten drei Prozent Umsatzanteil. Das E-Book liegt nach wie vor nur bei knapp Prozent. Hier sind nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels die Preise im stetigen Sinkflug. Ein Grund: Viele werden in Flatrates vertrieben, die Erlössituation ist hier nur bedingt interessant. In Hessen werden die meisten Bücher in Frankurt, Wiesbaden und Darmstadt produziert. Aber auch Gießen ist mit 142 Neuerscheinungen laut Verband gut dabei.

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