27. Mai 2013, 12:35 Uhr

MDV feiert Einweihung der Druck- und Versandanlage

Die Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft hat mit 120 geladenen Gästen ihre neue Druck- und Versandanlage offiziell eingeweiht. Die Festrede hielt Ministerpräsident Volker Bouffier.
27. Mai 2013, 12:35 Uhr
Sie alle sind mit der Gießener Allgemeinen Zeitung aufgewachsen: Ministerpräsident Volker Bouffier (2. v. l.) gratulierte den MDV-Gechäftsführern (v. l.) Dr. Christian Rempel, Dr. Jan Eric Rempel und Dr. Max Rempel zu ihrem »unternehmerischen Wagemut«. (alle Fotos: Schepp)

Die Elektrik war in die Jahre gekommen, die Rollenträger stammten zum Teil noch aus den Sechzigerjahren, Ersatzteile waren »selbst im ehemaligen Jugoslawien und in Weißrussland schwer zu bekommen«. So schilderte Dr. Max Rempel – zusammen mit seinem Vater Dr. Christian Rempel und seinem Bruder Dr. Jan Eric Rempel Geschäftsführer des Verlagshauses dieser Zeitung – die Beweggründe für »die größte Investition in der Geschichte der Mittelhessischen Druck- und Verlagsgesellschaft«. Kurzweilig moderiert wurde der Vormittag vom stellvertretenden Chefredakteur Burkhard Bräuning und Bianca Zeiske, zuständig für Marketing bei der MDV. Für reichlich Gelächter sorgten »Die Blechharmoniker« und »Doc Shredder«.

Ist die Zeitung überhaupt noch zeitgemäß in Zeiten des Internets? Sowohl Rempel als auch Bouffier stellten diese Frage – und beide antworteten mit Ja. »Lokal- und Heimatzeitungen werden auch in Zukunft erfolgreich sein, wenn sie ihre Identität behalten«, meinte der Ministerpräsident. Das wisse er auch als »Gießener Mitbürger und Leser«, der diese Zeitung noch als Freie Presse – so hieß sie bis 1966 – kannte. »Sie können mit großer Zuversicht davon ausgehen, dass wir Leser uns auch künftig morgens freuen, wenn die Zeitung kommt – weil wir uns darin wiederfinden.« Artikel über Sportereignisse vor Ort, das Vereinsgeschehen oder die Kommunalpolitik seien keineswegs »das kleine Karo«, sondern ein »Alleinstellungsmerkmal«, auf das Heimatzeitungen stolz sein sollten.

In der lokalen wie auch in der überregionalen Berichterstattung brächten Zeitungen ihre Leser dazu, »tiefer zu steigen« und unterschiedliche Meinungen kennenzulernen. Nur so entstehe »der Diskurs, den wir brauchen für das Funktionieren unserer demokratischen Prozesse«, so der CDU-Politiker. Hessen und auch Gießen hätten das »große Glück« einer vielfältigen Zeitungslandschaft, »das ist nicht überall so«. Die Politik bemühe sich, die Branche zu unterstützen: Etwa mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz und mit Beschränkungen für die Internetangebote öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten.

»Klassiker des Mittelstands«

Dass Hessen mittlerweile das »mit Abstand wirtschaftsstärkste Bundesland« sei, habe es in erster Linie dem Mittelstand zu verdanken. 90 Prozent dieser Unternehmen seien in Familienhand; dort könne man »in langen Wegen denken und handeln«. »Ihr Unternehmen ist ein Klassiker des Mittelstands«, sagte Bouffier an die Familie Rempel gewandt. »Sie können stolz sein auf die große unternehmerische und verlegerische Leistung über drei Generationen und seit bald 70 Jahren.« Ausdrücklich bezog er den Zeitungsgründer Dr. Hans Rempel (1904-2004) ein, den er als »Eiche« und »beeindruckende Persönlichkeit« kennengelernt habe. Die Investition in die Druckhalle beweise »unternehmerischen Wagemut« und setze ein »starkes Signal für die erfolgreiche Zukunft für dieses Unternehmen und diese Region.« An Dr. Christian Rempel überreichte Bouffier »als Zeichen der Verbundenheit« eine Ehrengabe des Ministerpräsidenten in Form eines »Hessenlöwen«.

»Wir glauben an die Zukunft der Zeitung – sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form«, betonte Max Rempel. Natürlich befinde sich die Medienbranche im Umbruch. Die Zeitung vor Ort konkurriere mit weltweit operierenden Konzernen wie Google, Facebook oder auch Staatsunternehmen wie Post und Telekom – sowohl um Anzeigenerlöse als auch um die Aufmerksamkeit der Leser. Doch an der Grundaufgabe habe sich nichts geänder. Noch immer gelte es, die Bürger mit unabhängigen Informationen zu versorgen, komplexe Themen zu erklären und einzuordnen sowie als kritischer Beobachter Missstände in der Gesellschaft aufzudecken.

»Mitunter vergessen die Menschen, wie wichtig diese Aufgabe ist. Meine Generation zum Beispiel hat das Glück, in einer Demokratie groß geworden zu sein, in Frieden und Wohlstand zu leben«, sagte der Geschäftsführer. Diese Errungenschaften seien aber keineswegs selbstverständlich. Wer glaube, er könne ja alles »googeln«, sei oft nur oberflächlich informiert und anfälliger für Propaganda. Im Internet würden immer wieder im Interesse der schnellen Nachricht Menschen an den Pranger gestellt und vorverurteilt. Gerade in der vernetzten Welt seien Medien wichtig, »die nicht die Genauigkeit der Geschwindigkeit opfern«.

Kampf mit Tücken der Technik

Die Baumaßnahme sei »ein klares Bekenntnis zu Gießen und Mittelhessen«. Dass sie innerhalb von neun Monaten abgeschlossen wurde, sei »eine bemerkenswerte Leistung der Architekten, der Baufirmen, des Druckmaschinenherstellers KBA und der Ferrag, die die Versandanlage produziert hat«, so Rempel. Dank gelte auch der Stadt Gießen und dem Bauordnungsamt für die unbürokratische Zusammenarbeit. Vor allem sei den Mitarbeitern zu danken, die »mehr als ein Jahr unter schwersten Bedingungen gearbeitet« hätten. In der Umstellungsphase hätten sie mitunter bis in die Morgenstunden mit den Tücken der Technik gekämpft. »Ich weiß, wie viel Kraft das unsere Mitarbeiter gekostet hat.«

Die neuen Anlagen trügen dazu bei, »Arbeitsplätze in der Region langfristig zu sichern«. Sie seien schneller und erheblich umweltfreundlicher. Seinem Vater dankte Dr. Max Rempel auch im Namen seines Bruders für die Chance, »die Familientradition in der dritten Generation weiterzuführen. Wir sind uns der Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und den Menschen in der Region bewusst«.

Dank an den Seniorchef

Burkhard Bräuning würdigte ebenfalls ausdrücklich den Seniorchef. Dr. Christian Rempel gehe als Chefredakteur stets fair mit seinen Redakteuren um. »Nie haben wir uns verbiegen müssen, weder im persönlichen Gespräch noch beim Kommentieren.« Augenzwinkernd fügte er hinzu: »Wir haben ja drei Chefs. Das hat Vorteile: Wenn einer nein sagt, hat man noch zwei Alternativen.«

Am Samstag konnten rund 400 Leser dieser Zeitung die neuen Maschinen selbst in Augenschein nehmen. Sie hatten sich angemeldet zum Besuchertag des Unternehmens. Aus feuerpolizeilichen Gründen war die Gästezahl begrenzt. kw



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