05. April 2018, 22:51 Uhr

Launiger Streitschlichter

05. April 2018, 22:51 Uhr
Hessens Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) feierte gestern ein kleines Jubiläum. (Foto: dpa)

Wiesbaden (dpa/eb). Hessens Landtagspräsident Norbert Kartmann ist für seine launige Sitzungsführung während stundenlanger Plenardebatten bekannt. Die Fußball-ergebnisse der Landtagsmannschaft haben beim Prolog eines Sitzungstages genauso ihren festen Platz wie die humorvolle Begrüßung von Gästen auf der Besuchertribüne oder bunte Geburtstagsglückwünsche für Abgeordnete und Minister. Am gestrigen Donnerstag feierte der 69-jährige Butzbacher in Wiesbaden sein 15-jähriges Amtsjubiläum als Landtagspräsident.

Aus der Ruhe bringt den Haupt- und Realschullehrer mittlerweile kaum noch etwas. Wenn die Animositäten zwischen den Fraktionen während der meist dreitägigen Sitzungen Überhand nehmen, bekommt jede politische Farbe ihr Fett weg. Und wenn trotz humorvollen Hinweisen und Ermahnungen keine Ruhe unter den 110 Abgeordneten im Parlament einkehrt, dann kommt auch mal die alte Benimmschule bei dem 69-Jährigen wieder durch:

»Das ganze Haus bekommt eine Rüge für despektierliches Verhalten. So geht es nicht. Wir sind hier nicht im Karnevalsverein«, platzte es jüngst aus Kartmann heraus, als wegen einer Frage zur Geschäftsordnung allgemeine Heiterkeit ausgebrochen war. Viel häufiger sind aber Sätze wie diese überliefert: »Ich habe Sie eben promoviert. Das dürfen Sie mitnehmen«, sagte der Landtagspräsident beim Staatsakt »70 Jahre Hessen« zum ehemaligen Ministerpräsidenten Hans Eichel – zuvor hatte er den früheren Regierungschef als »Dr. Hans Eichel« begrüßt.

»Sie tragen Hessen im Namen. Das kann nicht jeder von uns behaupten«, sagte er bei dem Treffen Seiner Königlichen Hoheit, Donatus Landgraf von Hessen. Der ehemalige Raumfahrer Thomas Reiter, der in Frankfurt geboren wurde und bei dem Staatsakt eine Rede hielt, wurde mit dem Satz bedacht: »Wir haben einen eigenen Astronauten.«

Im Jahr 1982 saß Kartmann erstmals im Hessischen Landtag. Als Roland Koch 1999 zum Regierungschef aufstieg, rückte er zum CDU-Fraktionsvorsitzenden auf. Vier Jahre später wurde der Sohn eines Siebenbürger Landwirts zum Landtagspräsidenten gewählt. In den Sitzungen wechselt sich Kartmann mit fünf Vizepräsidenten ab.

Gegenwind für seine oft jovial-gemütlich Art erfuhr der dreifache Familienvater und eingefleischte Eintracht-Fan während seiner langen Amtszeit aber auch. Als der Streit in einer Debatte zwischen CDU und SPD vor der Landtagswahl im Jahr 2013 in üblen Beschimpfungen mündete, griff er gegen einen Parteifreund nicht ein, um ihn zur Ordnung zu rufen. Nachdem es von der Opposition Kritik hagelte, räumte Kartmann schließlich ein, nicht entschieden genug gehandelt zu haben. Und auch bei seiner jüngsten Nominierung zum Landtagskandidaten gab es Stimmen, die ihm Mauschelei vorwarfen, weil der Bad Nauheimer Ex-Bürgermeister Armin Häuser Kartmanns Ersatzkandidat werden sollte. Gewählt wurde ein anderer.

Suche nach einem Nachfolger

Bei einem erneuten Einzug ins Parlament will Kartmann nicht wieder für das Amt antreten. »16 Jahre sind dann genug«, sagte der 69-Jährige. Er fange bereits an, einen Nachfolger zu suchen. Als einfacher CDU-Abgeordneter wolle er sich dann im neu gewählten Landtag vor allem europapolitischen Themen widmen. Er sei zwar von Hause aus Bildungspolitiker, erklärte Kartmann. »Aber das ist nicht mehr mein Ding.«

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