17. Mai 2017, 09:00 Uhr

Urteil

Lange Haft nach Hammerangriff in Jobcenter

Wegen einer brutalen Hammerattacke in einem Jobcenter im Rhein-Main-Gebiet muss ein Mann für lange Zeit hinter Gitter. Das Opfer wird bis an sein Lebensende darunter zu leiden haben, sagte der Richter.
17. Mai 2017, 09:00 Uhr
(Foto: dpa/Symbolbild)

Der 52-Jährige Angeklagte wurde am Dienstag vom Landgericht Darmstadt zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Richter befanden ihn wegen einer brutalen Hammerattacke in einem Jobcenter im Rhein-Main-Gebiet des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Der Mann habe einen »absoluten Vernichtungswillen« gehabt, betonte der Vorsitzende Richter Volker Wagner. Erinnerungslücken nahm er dem Verurteilten nicht ab. »Sie wissen, was sie getan haben.«

Die Kammer entsprach damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Ein ähnliches Urteil in einem vergleichbaren Fall hatte 2013 das Landgericht Leipzig gesprochen. Dort bekam ein Mann nach einem Hammerangriff auf eine Jobcenter-Sachbearbeiterin 13 Jahre Haft.

Im Darmstädter Prozess sprach das Gericht von »einem leidvollen Geschehen am 1. September 2016«. Der Mann habe den Mitarbeiter in dem Jobcenter in Dietzenbach bei Offenbach nach einer Einladung aufgesucht. Ohne Aussicht auf einen neuen Job habe dem Arbeitslosen eine Kürzung seiner finanziellen Unterstützung um 30 Prozent gedroht.


Hammer in der Tasche gehabt

Der Mitarbeiter habe das gerade am Computer eintragen wollen. »Da prasselten die Schläge nieder«, sagte Richter Wagner. Der Täter habe den Hammer in einer Tasche bei sich gehabt. Er habe auch noch zugeschlagen, als das Opfer schon am Boden gelegen habe. Das Blut sei die Wand hochgespritzt. Erst das mutige Eingreifen eines Kollegen habe den Rasenden gestoppt.

Das 64 Jahre alte Opfer sitzt seit dem Angriff im Rollstuhl, ist halbseitig gelähmt und in einem Pflegeheim untergebracht, bis sein Haus behindertengerecht umgebaut ist. »Das ist ein schwerer Bruch in seiner Lebenslinie«, sagte Wagner. »Der Mann hat bis an sein Lebensende diese Folgen zu tragen.« Mit Blick auf den Angeklagten sagte der Richter: »Er hat sein Leben in seiner Art der Bescheidenheit gelebt. Dieses Leben wollte er sich nicht nehmen lassen.«

Die Nebenklage hatte sich für eine lebenslange Haft ausgesprochen, akzeptierte aber das Urteil. Die Verteidigung hatte den Angriff als versuchten Totschlag gewertet und für eine Strafe unter zehn Jahren plädiert. Ob Revision gegen das Urteil eingelegt werde, sei noch unklar, sagte der Anwalt.

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