29. Dezember 2017, 06:10 Uhr

Diebstahl

Kriminelle auf dem Holzweg

Er gilt als so eine Art Mundraub: eigentlich nicht erlaubt, aber nicht schlimm. Doch Holzdiebstahl ist wie jeder andere Diebstahl eine Straftat.
29. Dezember 2017, 06:10 Uhr
(Foto: dpa)

Die steigende Zahl derer, die mit Holz heizen, animiert Menschen immer wieder, auch krumme Wege bei der Beschaffung zu gehen. Seit ein paar Jahren haben sie allerdings einen besonderen Detektiv im Nacken: den Forst-Tracker.

Der Fall war seinerzeit spektakulär, seine Aufklärung nicht minder. Ein (heute nicht mehr existierendes) Fuhrunternehmen aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte mal einfach im Vogelsberg einen Buchen-Brennholzpolter – sortiertes Lang- oder Kurzholz, das nach der Holzernte auf einem Sammelplatz zur Abfuhr bereitliegt – illegal abtransportiert. Das Holz wurde in den Morgenstunden aufgeladen und bereits wenig später als Hehlerware einem Interessenten quittungsfrei gegen Barzahlung in Höhe von 850 Euro verkauft. Doch der Dieb konnte mithilfe eines sogenannten Trackers, eines GPS-gestützten Senders, auf frischer Tat ertappt werden.

 

Diebstähle haben zugenommen

 

Der Diebstahl im Forst habe vor einigen Jahren stark angezogen, erklärt Petra Westphal, Pressesprecherin beim Landesbetrieb Hessen-Forst in Kassel. Preisanstiege beim Heizöl, aber auch die ökologisch begründete Abkehr von fossilen Brennstoffen und Hinwendung zu CO2-neutraler Wärmeenergie hätten den Brennholzabsatz schon seit Jahren steigen lassen.

Kein Wunder also, dass da, wo ein lukrativer Markt ist, auch schwarze Schafe ihr Unwesen treiben. Jahr für Jahr gehen dem Forst in Hessen deutlich über eine Million Euro verloren. »Da kann man die Augen nicht mehr zumachen«, sagt Westphal.

Doch auch wenn der Tracker die Verfolgung von Holzdieben erleichtert, bleiben immer noch viele Fälle unaufgeklärt. »Man kann den Wald ja nicht abschließen. Die Dunkelziffer ist sehr hoch«, erläutert Dr. Bernd Ott, Leiter des Forstamts Schotten, in dessen Zuständigkeitsbereich der erwähnte Klau 2013 fiel. Eine Lkw-Ladung Brennholz bringe 800 bis 1000 Euro für den Dieb. Steuerfrei. Ähnliches berichtet auch der Wettenberger Forstamtsleiter Harald Voll. Man stelle immer wieder Kleindiebstähle fest. Wenn Meterholz am Waldrand gelagert werde, »ist schnell mal eine Kofferraumladung weg«.

Manchmal wird das erst festgestellt, wenn beispielsweise ein gewerblicher Kunde die Rechnung begleiche. Und das geht so: Das Forstamt errechnet die Menge und damit das Gewicht des bereitgestellten Holzes. Dieses wird von einem Fuhrunternehmen abtransportiert und an den Abnehmer geliefert. Der berechnet und wiegt erneut. Ist die Differenz erheblich, kann man davon ausgehen, dass Holzdiebe am Werk waren.

Wenn es der Lkw-Fahrer mit der Legalität nicht so genau nimmt, kann auch schon mal eine andere Variante des Diebstahls ins Spiel kommen: Er lädt zunächst einmal mehr Holz als zulässig auf seinen Lkw und lagert dieses Mehr an einer anderen Stelle. Drei bis vier solcher Fahrten ergibt dann eine neue Fuhre, die unter der Hand an Interessenten verkauft werden kann. Doch Voll warnt: Wer geklautes Holz kauft, macht sich – auch unwissentlich – zum Hehler. »allerdings ist das in vielen Fällen sehr schwer zu beweisen«, sagt Voll. An gestohlener Ware können Käufer kein Eigentum erwerben. Die Folge sind rechtliche Eigentumsstreitigkeiten und finanzielle Verluste. Hessen-Forst rät daher: »Private Kunden sollten sich vom Brennholzhändler immer eine Quittung geben lassen. Ganz sicher gehen Endabnehmer, wenn sie das Holz direkt bei der örtlichen Revierleitung kaufen.«

Ärgerlich für einen Endkunden auch diese Variante: Er kauft legal bei einem Forstamt sein Brennholz und bezahlt dieses auch. Beim Abtransport stellt er dann zu seinem Schrecken fest, dass ihm schon ein Dieb zuvorgekommen ist. Den finanziellen Verlust muss dann der geprellte Holzkunde tragen. Daher rät Ott: »Das Brennholz nach Kauf und Bezahlung so schnell wie möglich nach Hause fahren.« (Foto: dpa)

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