28. September 2018, 22:14 Uhr

Kräftiger Herbstaufschwung

28. September 2018, 22:14 Uhr
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Von Gerd Chmeliczek

Nürnberg/Berlin/Gießen (dpa/gäd). Nach dem Ferienende sorgt der Herbst für eine deutliche Belebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen ist im September auf 2,256 Millionen zurückgegangen – das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 1991. Im Vergleich zum Vormonat waren 94 000 Männer und Frauen weniger ohne Job, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Im Vorjahresvergleich schrumpfte die Zahl der Jobsucher um 192 000. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent.

BA-Chef Detlef Scheele zeigte sich zufrieden und sprach von einem kräftigen Herbstaufschwung. Zum Beginn des neuen Schul- und Ausbildungsjahres stellen viele Betriebe wieder ein. Aber selbst ohne die starken Saisoneffekte wäre die Arbeitslosigkeit im September um 23 000 Menschen gesunken.

In der offiziellen Arbeitslosenzahl sind jene Jobsucher nicht enthalten, die aktuell Trainingskurse oder Aus- und Fortbildungen absolvieren. Rechnet man diese hinzu, gab es in Deutschland zuletzt rund 913 000 Arbeitssuchende mehr. Mit insgesamt 3,17 Millionen war die Zahl der sogenannten Unterbeschäftigten dennoch um rund 235 000 niedriger als vor einem Jahr. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ging deutlich zurück. »Wir haben im September die 800 000-Marke geknackt«, sagte Scheele. Im abgelaufenen Monat waren laut BA rund 789 000 Männer und Frauen ein Jahr oder länger ohne Job. Das sind gut 18 000 weniger als im August und rund 91 000 weniger als vor einem Jahr. Neben der guten wirtschaftlichen Lage trage eine umfassendere Betreuung von Langzeitarbeitslosen zu dem Rückgang bei.

Auch in Hessen erreicht der anhaltende Aufschwung am Arbeitsmarkt zunehmend auch die Langzeitarbeitslosen. Im September fiel die Zahl der Bezieher des Arbeitslosengeldes 2 (Grundsicherung/»Hartz IV«) erstmals unter 100 000. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen sank im Vergleich zum Vorjahr um 11,2 Prozent – der stärkste Rückgang unter allen Beschäftigtengruppen.

Nach einem starken August gab es auch im September Rekordzahlen auf dem Arbeitsmarkt. 148 251 Frauen und Männern waren in Hessen arbeitslos gemeldet, nochmals etwa 5200 weniger als einen Monat zuvor. Dies sei der niedrigste Wert in einem September seit 1992, betonte die Regionaldirektion. Die Arbeitslosenquote fiel auf 4,4 Prozent. Zugleich gab es fast 59 000 offene Stellen.

Kreis Gießen profitiert am stärksten

Mittlerweile haben 14 hessische Land- kreise eine Arbeitslosenquote von weniger als vier Prozent. Nahezu Vollbeschäftigung gibt es im Spitzenreiter-Landkreis Fulda mit einer Quote von 2,7 Prozent. Unter der Vier-Prozent-Marke blieben unter anderem die Landkreise Kassel, Vogelsberg, Wetterau, Hochtaunus und Bergstraße. Die höchste Quote wurde erneut in der Stadt Offenbach gemessen (8,9 Prozent).

Auch Flüchtlinge finden zunehmend Arbeit. Im September waren 14 200 arbeitslos gemeldet – 1580 weniger als einen Monat zuvor. Gerade das Handwerk, das unter Fachkräftemangel leidet, wirbt um Flüchtlinge. Vor einem Jahr waren 15 189 Flüchtlinge erwerbslos gemeldet.

Gute Nachrichten gibt es auch aus der Region: Im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen (die Kreise Gießen, Wetterau und Vogelsberg) ist die Zahl der Arbeitslosen im September um 317 auf 15 523 gesunken. Das entspricht einer Quote von 4,1 Prozent, 0,1 Prozent niedriger als im August. Vor einem Jahr waren 1362 Arbeitslose mehr im Gießener Bezirk registriert. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen sank auch in der Region: Von 5629 im August, auf 5557 Personen im September.

»Der Arbeitsmarkt startet mit erfreulichen Zahlen in den Herbst«, erklärt Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen. »Die Anzahl der Arbeitslosen ist weiter rückläufig und die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist gestiegen. Gleichzeitig erreichte der Stellenbestand einen neuen Höchstwert. Positiv für Menschen, die eine neue Arbeitsstelle suchen. Auf der anderen Seite auch ein deutlicher Hinweis, dass Arbeitgeber es zunehmend schwerer haben, ihren Mitarbeiterbedarf zu decken. Hier gilt es, über neue Strategien zur Deckung des Mitarbeiterbedarfs nachzudenken. Weiterqualifizierungen und die Ausbildung von Fachkräften für das Unternehmen im eigenen Betrieb rücken dadurch immer mehr in den Fokus. Und können oftmals auch durch die Arbeitsagentur unterstützt werden.«

Die Unterbeschäftigung ging weiter zurück. Unter diesem Begriff waren im September 22 266 Menschen registriert. 258 weniger als noch im August. Im Vorjahresmonat waren noch 1817 Personen mehr registriert.

Der Landkreis Gießen profitiert am stärksten von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Im Kreis Gießen waren im September 7191 Menschen erwerbslos gemeldet, 192 weniger als im Vormonat. Die Quote sank um 0,2 und lag bei 5,0 Prozent. Im Vorjahresmonat lag sie bei 5,6 Prozent. Im Wetteraukreis sank die Arbeitslosenzahl um 123 Personen auf 6295. Die Quote ging um 0,1 auf nun 3,8 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren jetzt 387 Erwerbslose weniger gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent.

Im Vogelsbergkreis ist die Arbeitslosenzahl leicht zurückgegangen. 2037 Personen waren arbeitslos gemeldet, zwei weniger als noch im August. Die Arbeitslosenquote blieb daher unverändert bei 3,5 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 166 Erwerbslose mehr gemeldet. Die Quote lag damals bei 3,8 Prozent.



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