20. Juli 2018, 22:11 Uhr

Kirchen verlieren weiter Mitglieder

20. Juli 2018, 22:11 Uhr
Leere Bänke: Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen die Kirche. (Foto: dpa)

Bonn/Darmstadt (dpa/lhe). Die beiden großen christlichen Kirchen haben bundesweit im vergangenen Jahr zusammen etwa 660 000 Mitglieder verloren. Nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ging die Zahl der Protestanten 2017 um 390 000 Mitglieder auf 21,5 Millionen zurück, das ist eine Abnahme um 1,8 Prozent. Die Zahl der Katholiken sank nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) um 270 000 auf 23,3 Millionen. Insgesamt gehören jetzt noch 54 Prozent der deutschen Bevölkerung zu einer der beiden Kirchen. 2005 waren es noch 62 Prozent.

Die Kirchen sehen aber auch positive Entwicklungen: So blieben Taufen und Eintritte 2017 weitgehend stabil. Die Zahl der Kirchenaustritte nahm bei beiden Konfessionen leicht zu. Rund 200 000 Menschen traten 2017 aus der evangelischen Kirche aus, im Jahr zuvor waren es 190 000. Bei den Katholiken waren es 167 000 Austritte im Vergleich zu 162 000 im Jahr 2016.

In Hessen haben die katholische Kirche und die beiden evangelischen Landeskirchen im vergangenen Jahr zusammen mehr als 57 000 Mitglieder verloren. Laut DBK lebten 2017 rund 16 000 oder 1,1 Prozent weniger Katholiken in Hessen als noch 2016. Die beiden evangelischen Kirchen im Land meldeten rund 41 000 Mitglieder weniger.

Insgesamt lebten 2017 rund 1,42 Millionen Katholiken in Hessen. Die schwindenden Mitgliederzahlen haben zum einen demografische Gründe: So kamen auf 11 400 Taufen in den drei Bistümern 18 200 Bestattungen. Der Kirchenexperte und Publizist Andreas Püttmann glaubt jedoch: »Der Mitgliederrückgang ist weniger demografisch als dadurch bedingt, dass die Tradierung des Glaubens in Familien, Gemeinden und Schulen nicht hinreichend funktioniert.« In den drei Bistümern Fulda, Limburg und Mainz nahm nur ungefähr jeder zehnte Katholik auch an Messen teil.

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) verzeichnete 2017 einen Mitgliederverlust von rund 2,1 Prozent. »Das ist ein erheblicher Rückgang, der uns zu denken gibt«, sagte EKKW -Vizepräsident Volker Knöppel. Es lebten dort rund 812 000 Mitglieder. Rund 5300 traten aus. Im Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) lebten 2017 rund 1,5 Prozent weniger evangelische Christen als noch 2017, nämlich rund 1,55 Millionen. Es traten 15 500 aus.

Während die Mitgliederzahlen schrumpfen, müssen sich Protestanten und Katholiken zumindest um die Kirchensteuereinnahmen vorerst keine Sorgen machen. Die Einnahmen stiegen wie in den vergangenen Jahren auch 2017 sogar weiter an: Die katholische Kirche erhielt 6,43 Milliarden Euro (2016: 6,15 Milliarden Euro), die evangelische Kirche 5,67 Milliarden (2016: 5,45 Milliarden Euro).

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