04. Juni 2018, 19:13 Uhr

Keine Haftbefehle für Randalierer

04. Juni 2018, 19:13 Uhr
Nach dem Schlossgrabenfest waren in der Nacht vom 3. Juni Polizisten mit Flaschen beworfen und verletzt worden. Mehrere Angreifer, die zum Teil vermummt waren, wurden kurzzeitig festgenommen. (Foto: dpa )

Darmstadt (dpa/lhe). Bei den Angriffen auf Polizisten in Darmstadt ist auch ein Polizeikommissaranwärter festgenommen worden. Er habe sich aber wohl nicht an der Randale rund um das Schlossgartenfest beteiligt, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Der 22 Jahre alte Mann soll versucht haben, seinen Polizeistatus zu benutzen, um festgenommene Freunde zu befreien. Es bestehe daher der Verdacht auf Gefangenenbefreiung. Die laufenden Ermittlungen könnten neben strafrechtlichen auch disziplinarrechtliche Folgen haben.

Nach dem Angriff auf Polizeibeamte hat die Polizei rund 50 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zuvor waren 112 Personen nach dem Schlossgrabenfest vorübergehend festgenommen worden, teilte die Polizei am Montag mit. »Mittlerweile sind alle wieder auf freiem Fuß«, sagte ein Sprecher. Die Ermittlungsverfahren seien wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet worden. Die Polizei hat im Internet eine Seite eingerichtet, auf der Zeugen Fotos und Videos einstellen können.

Am Rande des Schlossgrabenfestes war die Polizei in der Nacht zum Sonntag gegen 2 Uhr wegen Körperverletzungen und Lärmbelästigungen in den Darmstädter Herrngarten gerufen worden. Dort wurden die Beamten nach eigener Darstellung von mehreren Gruppen mit Flaschen und Steinen beworfen. 15 Beamte wurden verletzt. Mithilfe weiterer Kräfte räumte die Polizei schließlich den Park. Die Gruppe habe sich nach derzeitigem Stand der Ermittlungen spontan zusammengerottet, sagte der Sprecher. Es habe wohl einen »Solidarisierungseffekt« gegeben. »Wir gehen davon aus, dass dem keine Strategie oder Planung zugrunde lag. Auch eine politische Motivation ist nicht erkennbar.« Überwiegend habe es sich um junge deutsche Männer gehandelt, »es waren aber auch Frauen darunter«.

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) twitterte noch am Sonntag: »Unfassbar. ARD-Brennpunkt oder Plasberg-Talk wirds trotzdem nicht geben. Zu wenig Flüchtlinge unter den Randalierern.«

Darmstadts Polizeipräsident Bernhard Lammel sagte: »Solch ein Gewaltausbruch ist mit nichts zu rechtfertigen.« Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte harte Strafen. Die Tat sei »auch ein Angriff gegen unseren Rechtsstaat und unsere Gesellschaft«. Er will auf der Innenministerkonferenz (6. bis 8. Juni) erneut eine Verschärfung des Strafrechts für solche gezielten Angriffe fordern.

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