10. Februar 2020, 20:48 Uhr

Bauernprotest

Kein leichter Stand für Julia Klöckner vor der Uni Gießen

Bauern haben mit fast 300 Traktoren gegen die Politik der Bundesregierung protestiert. Ausgebuht wird die Bundesministerin Julia Klöckner vor ihrer Rede an der Uni aber nicht von Landwirten.
10. Februar 2020, 20:48 Uhr
Julia Klöckner bricht den Versuch ab, mit Demonstranten ins Gespräch zu kommen. Denn neben den Landwirten erwarten die CDU-Ministerin auch Tierschutzaktivisten, die sie ausbuhen. FOTO: SCHEPP

Der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner blies am Montagabend in Gießen ein eisiger Wind entgegen: Orkan »Sabine« hatte sich zwar schon längst abgeregt - dafür zahlreiche Landwirte aus Gießen, der Wetterau, dem Vogelsberg, dem Kreis Waldeck-Frankenberg und Fulda umso mehr aufgeregt. Mit 292 - statt der angekündigten 800 - Traktoren fuhren sie durch Gießen, um ihrem Ärger über die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung Ausdruck zu verleihen. Im Uni-Hauptgebäude an der Ludwigstraße hielt Klöckner abends im Rahmen der Ringvorlesung »Landwirtschaft am Limit - Weltwirtschaft im Wandel« eine Rede zum Thema »Landwirtschaft Quo Vadis?« Die Bauern beantworteten diese Frage auf ihre Weise - mit Plakaten und dröhnendem Gehupe. Die Slogans richteten sich vor allem an Politik und Verbraucher: »Bauerntod bringt Menschennot«, »2 Prozent machen Landwirtschaft, 98 Prozent wissen, wie es geht«, »No Farmers, No Future«, »Wir machen euch satt« oder »Sie säen nicht, sie pflegen nicht, sie ernten nicht - und wissen alles besser«.

Buhrufe und Pfiffe

Der kaum enden wollenden Zug knatternder Traktoren startete gegen 15 Uhr in der Europastraße. Von dort fuhren die Fahrzeuge im Konvoi über die Licher und Grünberger Straße zum Ludwigsplatz. Weiter ging es über die Ludwigstraße, die Bleichstraße, die Südanlage, den Berliner Platz, die Ostanlage, vorbei am Gefängnis an der Gutfleischstraße zum Messeplatz.

Von dort aus zogen zehn Schlepper sowie etwa 350 Bauern zu Fuß zum Hauptgebäude. Zahlreiche Landwirte drängten wie die übrigen Zuhörer der Rede Klöckners auch in die Aula und in einen Hörsaal, wo der Vortrag übertragen werden sollte. Neben den Landwirten hatten sich auch Vertreter von Greenpeace und weitere Tierschutzaktivisten auf dem Vorplatz der Uni versammelt. Während Greenpeace auf einem Plakat die Massentierhaltung kritisierte, spielten die Aktivisten Geräusche von Schweinen und Hühnern laut ab und liefen zu getragener Klaviermusik ganz in Blutrot gekleidet in einer Prozession umher.

Als Klöckner schließlich gegen 18.10 Uhr eintraf und vor dem Hauptgebäude das Gespräch mit Landwirten suchen wollte, kam sie gar nicht erst so weit: Die Aktivisten buhten und pfiffen sie aus. Klöckner brach den Gesprächsversuch ab und ging durch den Hintereingang ins Hauptgebäude. Sie hatte schlicht nicht damit gerechnet, dass neben den Bauern auch andere Protestler anwesend sein würden. Auch im Hauptgebäude hatte sie keinen einfachen Stand: Immer wieder gab es Zwischenrufe von Tierschützern. Klöckner suchte den Dialog, wurde aber auch hier niedergeschrieen. Am Ende ließ die Uni etwa zwölf Personen durch die Polizei entfernen. Weitere zehn Zuhörer verließen unter Protestrufen den Raum.

Kritik der Bauern

Klöckner sitzt als Landwirtschaftsministerin zwischen den Stühlen: Das Herumeiern bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln und das gemeinsame Video mit dem Chef des Lebensmittelkonzerns Nestlé haben ihr den Vorwurf eingebracht, allzu nett zu Großkonzernen zu sein. Gleichzeitig vermissen Landwirte die Wertschätzung für ihre Arbeit und ein Ohr für ihre Nöten: Die geplante Änderung der Düngeverordnung sowie die Verschärfungen beim Umwelt- und Insektenschutz haben für viele Bauern das Fass zum Überlaufen gebracht.

Dass beispielsweise Umweltverbänden die Pläne der Ministerin nicht weit genug gehen, ist keine Überraschung. Aber gerade aus der Landwirtschaft ist die Kritik an Klöckner besonders groß. Dabei galten Bauern jahrzehntelang als Stammwähler der CDU.

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