04. April 2017, 21:05 Uhr

Jetzt wird’s Ernst

Der krisengeschüttelte Kasseler Airport hat im vergangenen Jahr weniger Fluggäste gehabt als im Vorjahr. Es gibt allerdings Hoffnungen auf eine Trendwende.
04. April 2017, 21:05 Uhr
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Von DPA
Der neue Geschäftsführer und bisherige Prokurist des Kassel Airports, Lars Ernst, steht vor schweren Aufgaben. (Foto: dpa)

Hinter den Check-in-Schaltern des Kasseler Flughafens steht in großen Buchstaben »documenta 14«. Der Schriftzug weist auf die weltweit bedeutende Kasseler Kunstausstellung hin. Das passt zur Aufbruchstimmung am Airport, die der neue Geschäftsführer Lars Ernst zu vermitteln versucht. Doch hier wird auch das Problem deutlich: An den Schaltern herrscht selten Betrieb. Das soll sich ändern – auch dank des neuen Flughafenchefs, der am Dienstag offiziell vorgestellt wurde. Lars Ernst (43) ist Jurist, lebt nahe Kassel und arbeitet seit 2010 für den Flughafen, zuletzt als Prokurist. Die Verträge für den neuen Flugplan habe er mit eingefädelt, sagte Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), der Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen GmbH ist.

Dass Ernst ein schweres Erbe antritt, zeigten die Zahlen des vergangenen Jahres, die der Geschäftsführer vorstellte: Das Betriebsdefizit blieb bei 6,17 Millionen Euro. Die Vorgaben der Landesregierung werden eingehalten, aber nur aufgrund eines höheren Defizitabbaus im Jahr 2015. Weil es im Winter keine Linienflüge gab, sank die Zahl der Passagiere von 65 000 auf 54 822. Positiv ist die Entwicklung bei Luftfracht, die sich verzehnfachte auf 1862 Tonnen. »Das ist eine Hausnummer«, sagte Ernst. Allerdings machten die 300 Frachtflüge nur einen Bruchteil der 25 000 Flüge insgesamt aus. Darin sind zum Beispiel auch kleinere Geschäftsflüge eingerechnet.

Bessere Zahlen soll das neue Flugangebot bringen: Ab Juli startet die Fluggesellschaft Sundair mit 13 wöchentlichen Flügen zu Ferienzielen. Die Nachfrage sei groß, sagte Ernst. Momentan gibt es zwei wöchentliche Verbindungen nach Athen zur documenta. Die Passagierzahlen sollen 2017 auf 60 000 steigen, im nächsten Jahr auf bis zu 100 000. Ab dem Sommer will der Flughafen sein Personal deshalb um 30 Teilzeitmitarbeiter aufstocken, 130 Menschen arbeiten momentan dort. Auch im Winter werde geflogen, sagte Ernst, ohne Ziele zu nennen.

Laut dem neuen Geschäftsführer soll der Kasseler Flughafen künftig auf drei Beinen stehen: Mehr Tourismus, Frachtflüge und Ausbau als Luftfahrtstandort durch Ansiedlung von Gewerbe. »Ich denke, dass die strategische Ausrichtung auf touristische Flüge und Frachtflüge für den Flughafen absolut Sinn macht«, sagte Yvonne Ziegler, Professorin für Luftverkehrsmanagement der Frankfurt University of Applied Sciences. Auch die Zielzahlen seien realistisch. Die Zahlen würden aber nicht ausreichen, den Flughafen profitabel zu betreiben, gab Ziegler zu bedenken. Dem Ziel, den Flughafen 2024 aus der Verlustzone zu bringen, sei die Landesregierung nicht näher gekommen.

Die Vorgabe, das Defizit jedes Jahr um zehn Prozent zu senken, werde der Kassel Airport einhalten, kündigte Finanzminister Schäfer an. Zu sagen, wann die schwarze Null erreicht werde, sei aber unseriös. Zuversichtlich zeigte sich Schäfer mit Blick auf die Überprüfung, die die schwarz-grüne Landesregierung vereinbart hatte. Es sei klar, dass das touristische Angebot über die Zukunft des Regionalflughafens entscheide. »Und es sieht so aus, als ob das Konzept aufgeht«, fügte der Minister abschließend hinzu.



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