08. Dezember 2017, 21:58 Uhr

»Jamaika-Aus« macht das Rennen

08. Dezember 2017, 21:58 Uhr
Direkt hinter dem Begriff »Jamaika-Aus« landen auf der Liste zum »Wort des Jahres« von der Gesellschaft für deutsche Sprache »Ehe für alle« und der Hashtag mit dem Namen »MeToo«. (Foto: dpa)

Wiesbaden (dpa). Das Hickhack um die gescheiterte Koalitionsbildung im Bund fasst sich für die Jury zum »Wort des Jahres« in einem Begriff zusammen: »Jamaika-Aus«. Die Sprachwissenschaftler sehen in den wochenlangen Gesprächen zwischen Union, FDP und Grünen und ihrem abrupten Ende das wichtigste innenpolitische Thema 2017.

»Es rankt sich ja noch mehr darum, es war die Rede von Staatskrise«, erläuterte der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), Peter Schlobinski, gestern in Wiesbaden. »Das Thema wird uns auch weiterhin beschäftigen.« Der ähnliche Begriff »Jamaika-Koalition« hatte es bereits 2005 in die Liste der »Wörter des Jahres« geschafft, allerdings nur auf Platz sechs.

Dass die Nationalfarben der Karibikinsel Jamaika für politische Farbenspiele in Deutschland stehen, war aber schon damals kein neues Phänomen. Die Flagge zeigt ein gelbes Schrägkreuz sowie jeweils zwei schwarze und grüne Felder. Nach Recherchen der Sprachforscher finden sich bereits seit Mitte der 90er Jahre erste Belege. Eine mögliche Koalition zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen wurde von Experten und Journalisten seit dieser Zeit auch »Schwarze Ampel« oder »Schwampel« genannt.

Der Name des Staates Jamaika habe in Deutschland nicht nur eine neue Bedeutung bekommen, die Aussprache sei auch eingedeutscht worden, erklärte Schlobinski. Die korrekte englische Aussprache »Dschamäika« sei zu »Dschamaika« geworden. Inzwischen höre man am Wortanfang anstelle von »Dsch« zunehmend ein »J« wie in »Jahr«.

»Lindnern« nicht auf der Liste

Im Zusammenhang mit dem ebenso plötzlichen wie erfolglosen Ende der schwarz-gelb-grünen Sondierungsgespräche haben die Sprachexperten neben dem Zusatz »Aus« einen Begriff ausfindig gemacht, der es jedoch nicht auf die Liste schaffte: lindnern. Dieses neue Spottwort stehe für: »Eine Verabredung in letzter Sekunde platzen lassen«. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner war – für viele überraschend – im November aus Verhandlungen mit den anderen Parteien ausgestiegen.

Innenpoltische Diskussionen spiegeln sich auch auf weiteren Plätzen wider: »Ehe für alle« auf Platz zwei beschreibt die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, mit dem Reizwort Obergrenze (Platz sechs) befeuerte die CSU die Asyldebatte. Mit dem Diesel-Gipfel (Platz sieben) versuchte die Bundesregierung, Fahrverbote für Diesel zu vermeiden.

Das Gremium wählt Wörter aus, die »den sprachlichen Nerv des Jahres treffen und einen Beitrag zur Zeitgeschichte leisten«. Sie sichtete 2017 600 Einsendungen und wertete Medien aus. Mit der Liste sei »keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden«.

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