01. März 2019, 20:32 Uhr

Immer mehr Gewalt gegen Polizisten

01. März 2019, 20:32 Uhr
Die »Schutzschleife« soll die Verbundenheit mit Polizei (blau), Feuerwehr (rot) und Rettungsdiensten (weiß) zeigen. (Foto: Schepp)

Ein Supermarktkunde parkt einen im Einsatz befindlichen Rettungswagen eigenmächtig um, Feuerwehrleute werden von Gaffern behindert, Polizisten von Volksfestbesuchern mit Flaschen beworfen. »Mit der Moral geht es ganz schön bergab«, stellt Mittelhessens Polizeipräsident Bernd Paul angesichts solcher Vorfälle fest und beklagt »Anspruchsverhalten und Egoismus«. Diese gesellschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik für 2018, die das für die Landkreise Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Wetterau zuständige Polizeipräsidium Mittelhessen am Freitag in Gießen präsentierte, wider. 2011 gab es im Zuständigkeitsbereich des PP Mittelhessen 88 Angriffe auf Polizeibeamte, im vergangenen Jahr waren es 208.

Die höhere Zahl ist zwar auch einer 2017 geschuldeten Gesetzesverschärfung geschuldet, aber sie sei angesichts der Zunahme an Angriffen auf Rettungspersonal und Polizei nötig gewesen, erklärte Paul. Reagiert worden sei bereits mit einer besseren Schutzausrüstung und der Einführung von Bodycams an »Hotspots« der Kriminalität in Mittelhessen wie in Gießen, Marburg und Wetzlar sowie Dillenburg und Stadtallendorf.

Noch nie so wenig Straftaten

Wie Jürgen Begere, Leiter Einsatz im PP Mittelhessen, sagte, wird vor dem Hintergrund der Entwicklung bei der Polizeistation Gießen-Süd der Einsatz von Elektroschockpistolen, sogenannter Taser, für den normalen Streifendienst erprobt. Bislang wird diese Distanzwaffe, die Angreifer durch einen elektrischen Schlag bewegungslos macht, nur bei den Sondereinsatzkommandos als Alternative zur Schusswaffe eingesetzt. In diesem Zusammenhang betonte Paul, dass es gerade die normalen Schutzpolizisten seien, die das höchste Einsatzrisiko hätten. »Auch eine scheinbar harmlose Ruhestörung, wegen der die Kollegen gerufen werden, kann plötzlich eskalieren.« Ein Zeichen für Polizei, Feuerwehr und Rettungsklräfte hat das Land Hessen zudem mit der Einführung der blau-rot-weißen Schutzschleife gesetzt, die jedermann aus Verbundenheit mit den Männern und Frauen aus den Blaulichtberufen tragen kann.

Was die Zahlen der PKS für Mittelhessen betrifft, sprach Paul von einer »erfreulichen Entwicklung. Mit gut 43 500 Straftaten habe es 2018 einen »historischen Tiefststand« gegeben, auf der anderen Seite sei die Aufklärungsquote noch einmal leicht auf 63,5 Prozent gestiegen. Die 4059 Straftaten auf 100 000 Einwohner seien der beste Wert seit elf Jahren; hessenweit liege der Durchschnitt bei 5971. Fazit von Präsident Paul: »Mittelhessen ist weiterhin eine der sichersten Regionen in Hessen.« Gleichwohl weiß Mittelhessens Polizeichef, dass es eine Schere zwischen den guten Zahlen der PKS und dem Sicherheitsgefühl der Bürger gibt. Da gebe es für Polizei und Ordnungskräfte ein probates Mittel, mehr Sicherheit zu vermitteln: »Präsenz, Präsenz, Präsenz, Präsenz.«

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