27. Juli 2017, 17:30 Uhr

Auslandseinsatz

Hubschrauberabsturz in Mali: Getötete Soldaten sind Hessen

Der in Mali abgestürzte Kampfhubschrauber war in Fritzlar stationiert. Nun ist klar: Die beiden verunglückten Soldaten stammen aus Hessen. Unterdessen laufen die Ermittlungen an.
27. Juli 2017, 17:30 Uhr
Ein Tag im März: Ankunft der ersten zwei Kampfhubschrauber des Typs Tiger auf dem Stützpunkt in Gao, Mali. Sie sollen die Mission MINUSMA unterstützen. (Foto: Marc Tessensohn/Bundeswehr/dpa)

Bei den beiden Besatzungsmitgliedern des Kampfhubschraubers vom Typ »Tiger«, der am Donnerstag während eines Einsatzes in Mali abgestürzt ist, handelt es sich nach Informationen der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) um Soldaten aus Gudensberg und Neuental. Beide galten als erfahrene Piloten. Zum Schutz der Hinterbliebenen gab die Bundeswehr keine weiteren Informationen zur Identität der Toten heraus. "Das ist eine schwere Stunde für unser Regiment", sagte Oberst Volker Bauersachs, Kommandeur des dortigen Kampfhubschrauberregiments 36, am F. Zu den Ursachen des Absturzes machte Bauersachs keine Angaben.

Stimmung am Standort bedrückt

Die Stimmung am Standort Fritzlar sei sehr bedrückt. Er selbst habe die Todesnachricht der Familie eines Piloten überbringen müssen, sagte Bauersachs. »Ein schwerer Gang, der zur Aufgabe des Regimentskommandeurs dazugehört.« Dieser Gang habe ihn emotional sehr angefasst. Diese Emotionalität spüre er insgesamt im Regiment. Aus diesem Grund hatte Bauersachs für gestern Nachmittag eine Andacht angesetzt. Er wolle den Soldaten so die Möglichkeit geben, das Unglück zu bewältigen. Die Angehörigen der Soldaten lebten zum Teil im Schwalm-Eder-Kreis. Sie würden nun durch Truppenpsychologen und Angehörige des Regiments betreut. Am Standort Fritzlar bleiben bis auf weiteres alle "Tiger"-Kampfhubschrauber am Boden.

Das ist eine schwere Stunde für unser Regiment

Oberst Volker Bauersachs

Die Umstände des Absturzes geben noch viele Rätsel auf. Der Hubschrauber war aber wohl nicht in Kampfhandlungen verwickelt. Zwei Helikopter des Typs "Tiger" befanden sich offenbar gegen 12.20 Uhr auf dem Anflug zu einem 150 Kilometer entfernten Einsatzgebiet. Bereits nach 70 Kilometern neigte sich die Unglücksmaschine wohl nach vorne und stürzte zu Boden. Der Pilot soll keinen Notruf mehr abgesetzt haben. Die Maschine brannte aus.


Ursache: Technischer Defekt?

Hubschrauberabsturz
Oberst Volker Bauersachs, Kommandeur des Kampfhubschrauberregiments 36.(Foto: dpa)
Da es keinen Beschuss gegeben habe, müsse es sich um einen technischen Defekt gehandelt haben, meint Bernd Siebert. Der CDU-Bundestagsabgeordneter gehört dem Verteidigungsausschuss des Bundestages an und ließ sich gestern von Fachleuten über die Situation informieren. Auf die Frage, ob es sich auch um einen Flugfehler gehandelt haben könnte, verwies Siebert darauf, dass man für den Einsatz besonders erfahrene Soldaten ausgewählt habe.


Technisch auf neuestem Stand

Für die Fachleute sei der Absturz bisher unerklärlich, denn die eingesetzten Tiger-Hubschrauber seien technisch auf dem neuesten Stand. Man habe dabei auch aus vorangegangenen Einsätzen in Afghanistan gelernt. Siebert: »Uns ist gesagt worden, dass die Hubschrauber volle Einsatzreife besitzen.« Bis zur Klärung der Absturzursache würden alle Tiger am Boden bleiben. Von Spezialisten der Bundeswehr wird die Unglücksstelle derzeit untersucht.

Info

Der "Tiger"

Der "Tiger" ist ein zweisitziger Kampfhubschrauber vom Hersteller Airbus Helicopters. Nach Angaben der Bundeswehr wird die Maschine unter anderem für den Kampf gegen gepanzerte Kampftruppen oder logistische Einrichtungen eingesetzt. Die Besatzung besteht aus einem Piloten und dem hinter ihm sitzenden Schützen. Der "Tiger" kann unter anderem mit Panzerabwehrraketen oder schweren Maschinengewehren ausgestattet werden. Der etwas mehr als 14 Meter lange Hubschrauber kann der Bundeswehr zufolge 290 Kilometer pro Stunde schnell fliegen (ohne Bewaffnung bis zu 315 Kilometer pro Stunde). Die Einsatzreichweite beträgt laut Bundeswehr bis zu 725 Kilometer. In Mali sind vier "Tiger"-Kampfhubschrauber im Einsatz. Sie waren im Frühjahr im nordhessischen Fritzlar für den Einsatz in Westafrika verladen worden.

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