26. Dezember 2019, 22:12 Uhr

Hessische Bischöfe mahnen

Hassbotschaften, die Zerstörung der Natur und die Rücksichtslosigkeit untereinander: Bischöfe in Hessen haben zu Weihnachten zu mehr Respekt unter den Menschen aufgerufen.
26. Dezember 2019, 22:12 Uhr
Ausbeutung, Korruption, Rechtsbruch und Rücksichtslosigkeit bezeichnete der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, als eigentliche Ursachen hinter den zahlreichen Konflikten und Kriegen in der Welt. FOTO: DPA

Die Bischöfe haben zu Weihnachten zu einem respektvollen und friedlichen Umgang miteinander aufgerufen. »Alle Jahre wieder stellt uns das Weihnachtsfest hinein in diese Sehnsucht nach einer Welt, die anders ist«, sagte Beate Hofmann, die neue Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), in ihrer Weihnachtspredigt. Sehnsuchtsthemen seien der Wunsch nach Frieden und Erhaltung der Schöpfung. Letztere sei durch den Klimawandel und seine wachsenden Spuren zu einem großen Sorgenthema geworden. In Greta Thunberg habe es ein Gesicht bekommen, in Fridays for Future einen Ort. »Und wir wissen, es braucht viel politische Vernunft und Veränderungsbereitschaft von uns allen, damit die Erde als Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen erhalten bleibt.«

Der Bischof von Fulda, Michael Gerber, sieht indes den Grundkonsens eines Miteinanders in der Gesellschaft infrage gestellt. Er verwies in seiner Weihnachtspredigt am Mittwoch auf die zerstörerische Wirkung von Worten. »Hassbotschaften, die sich gegenseitig hochschaukeln und die Gefahr in sich bergen, zu schrecklichen Taten zu führen, wie wir sie im Mord an Walter Lübcke und beim Anschlag in Halle erleben mussten«, sagte er nach einem vorab verbreiteten Redetext mit Blick auf den Text »Am Anfang war das Wort« im Johannes-Evangelium.

Es bestehe auch die Gefahr, dass künftig oder auch schon heute soziale Medien die Meinungen vieler Menschen so steuern, dass Wahlergebnisse weniger durch Abwägen von Gründen, sondern vielmehr davon bestimmt sind, wer den besseren medialen Auftritt hat.

Ausbeutung, Korruption, Rechtsbruch und Rücksichtslosigkeit bezeichnete der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, als eigentliche Ursachen hinter den zahlreichen Konflikten und Kriegen in der Welt. Sie steckten auch hinter der »maßlosen Ausbeutung der Natur«, deren Folgen immer deutlicher bewusst würden, sagte er in seiner Weihnachtspredigt laut Redetext. »Nur in ideologischer Verblendung kann man sie noch auszublenden versuchen. Armut, Kriege und Migrationsströme sind indirekte oder direkte Folgen unseres Lebensstils in unserem kleinen, ganz und gar privilegierten Teil der einen Welt. Wenn wir dafür keine gerechten Lösungen finden, und wenn wir sie nicht bald umsetzen, gefährden wir die Zukunft unseres Planeten.« Das katholische Bistum Limburg erstreckt sich über Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz.

Labiler Frieden

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat an die katholische Kirche appelliert, sowohl im Wort als auch in der Tat ein Zeugnis der Liebe Jesu zu sein. »So wie bei Jesu Lehre, Leben, Tat und seine Person eine glaubwürdige Einheit sind, so soll es auch in der Kirche sein, die sich als sein Leib versteht«, sagte Kohlgraf in seiner Weihnachtspredigt im Mainzer Dom laut vorab verbreiteten Manuskript. »Wo die Einheit zwischen Tat und Wort, Lehre und Leben auseinanderbricht, wird das Angebot und die Gegenwart der Liebe Gottes verdunkelt oder unmöglich gemacht«, mahnte der Bischof am ersten Weihnachtsfeiertag.

Von den einzelnen Menschen ausgehend müsse sich der Frieden in das Miteinander der Gesellschaft bis in die internationale Völkergemeinschaft ausbreiten, sagte Weihbischof Udo Markus Bentz im Mainzer Dom. Dazu müsse der Staat die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen: »Wir wissen heute mehr denn je, dass die Friedensfähigkeit eines Staates nach außen - mit anderen Völkern - abhängig ist von dessen Fähigkeit, Frieden nach innen - in der eigenen Gesellschaft - möglich zu machen.« Derzeit sei hautnah zu erleben, wie labil dieser Frieden sein könne »durch die Verantwortungslosigkeit schon einiger Weniger«. Angst und Egoismus könnten zu Unfrieden führen: »Die Angst, zu kurz zu kommen, die Angst, nicht genug zu haben, die Angst, zu wenig wahrgenommen zu werden.« Frieden sei nur möglich, wenn jeder Einzelne innerlich zu Frieden bereit und fähig sei.

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