17. März 2017, 20:54 Uhr

Handwerk mit Herzblut

Peter Maffay, Eros Ramazotti und Paul Landers von Rammstein – sie alle haben Gitarren aus Mittelhessen. In einer kleinen Werkstatt in Leun werden mit viel Hingabe Einzelstücke produziert, von Akustikgitarre mit Perlmuttaufsätzen bis zur E-Gitarre im Glitzer-Look.
17. März 2017, 20:54 Uhr

Es ist kein Job für Grobmotoriker und Ungeduldige. Denn wenn Lorenz Stingl etwa auf die Decke einer Gitarre die Streben aufbringt, dann ist das mitunter Millimeterarbeit, die eine ruhige Hand erfordert – und Geduld. Denn in einer Akustikgitarre stecken meist mindestens 80 Arbeitsstunden. Stingl ist gelernter Zupfinstrumentenmacher. Ein Besuch beim renommierten Traditionsunternehmen Launhardt Guitars im mittelhessischen Leun.

Die Gitarrenwerkstatt in Leun ist eine der wenigen in Deutschland, in der alles von Hand gefertigt wird. Gleichzeitig ist Launhardt Guitars sehr breit aufgestellt: Klassische Konzertgitarren, Westerngitarren, E- Gitarren, Bässe und Mandolinen – das alles entsteht im Obergeschoss in der Werkstatt über dem Ladengeschäft. Die Fachleute wissen das zu schätzen: Nach Jazz-Gitarrist Ferenc Snètberger ist gar ein echtes Launhardt-Modell benannt. Paul Landers von Rammstein hat sich hier schon Gitarren umbauen lassen, Peter Maffay und Eros Ramazotti zählen ebenfalls zu den Referenzen. »Es gibt in Deutschland kaum noch Betriebe, die alles von Hand machen«, weiß Christin Launhardt, die das Geschäft seit dem Tod ihres Mannes und Firmengründers Tom Launhardt im Juni 2016 führt. Deswegen sei es auch schwer, jemanden zu finden, der entsprechend geeignet sei. Denn: Geselle Stingl könnte Unterstützung gebrauchen, die Anfragen reißen nicht ab...

Für den 24-jährigen Münchner, der eigens für die Ausbildung bei Launhardt seine Zelte in seiner Heimat abbrach und nach Mittelhessen umzog, ist Gitarrenbauer nicht nur Beruf, sondern Berufung. Der Wunsch, eine Ausbildung zum Zupfinstrumentenbauer zu absolvieren, entwickelte sich, als er seine eigene Gitarre in München zur Reparatur brachte. »Dadurch habe ich mich mit der Materie intensiver auseinandergesetzt«, sagt er. Er hörte sich um, wo in Deutschland eine solche Ausbildung möglich ist, und landete bei den Launhardts. »Das hat von Anfang an gepasst«, strahlt Christin Launhardt, die in der Firma für Einkauf, Buchhaltung und Kundenkontakt verantwortlich ist.

Nach dem Tod ihres Mannes ist Stingl für sie ein echter Glücksgriff. Wenn der junge Mann, der seinen Gesellenbrief seit vergangenem Jahr in der Hand hält, nicht geblieben wäre, hätte sie den Betrieb nicht halten können. »Ich kann ja keine Gitarren bauen«, sagt sie. Doch für sie war klar, dass das Lebenswerk ihres Mannes weitergehen sollte. Stingl erschafft nun in der kleinen Werkstatt mit viel Herzblut die echten Launhardts.

Natürlich gibt es nicht nur Standardmodelle: Jeder Musiker stellt sich sein Instrument nach individuellen Wünschen zusammen – Akustikgitarre mit Perlmuttaufsätzen? Na klar. E-Gitarre im Glitzer-Look, in der das Bühnenlicht wie bei einer Discokugel reflektiert? Selbstverständlich. Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich. Nach oben offen ist je nach Wünschen auch der Zeitaufwand.

Und was muss der Kunde dafür hinlegen? Das günstigste Launhardt-Standardmodell ist ab etwa 1800 Euro zu bekommen, nach oben sind preislich kaum Grenzen gesetzt. »Es kommt immer darauf an, was der Kunde möchte«, sagt Christin Launhardt. Doch Launhardt Guitars baut nicht nur Gitarren, sondern pflegt und wartet auch. Wer sein Instrument restaurieren lassen möchte oder eine Reparatur braucht, kann sich an Launhardt und Stingl wenden, ganz egal, um welches Fabrikat es geht. Christin Launhardt liebt es, wenn Kunden mit ihren Instrumenten kommen, denn »jedes Ins-trument erzählt eine ganz eigene Geschichte«.

Tom Launhardt, der das Handwerk des Zupfinstrumentenmachers beim Traditionsbetrieb von Dieter Hopf gelernt hatte, gründete den Betrieb 1993 zusammen mit seinem Freund Carsten Kobs unter dem Namen LuK-Guitars (Launhardt und Kobs). 2000 trennten sich die beiden in Freundschaft und das Unternehmen lief seitdem unter dem Namen Launhardt Guitars. 2010 zog die Firma nach Katzenfurt, erst 2015 erfolgte der Umzug nach Leun. Tom Launhardt war bis zuletzt vereidigter Sachverständiger für das Zupfinstrumentenmacherhandwerk. Außerdem hat er an der Novellierung der Ausbildungsverordnung für den Beruf mitgewirkt, die 2015 in Kraft getreten ist. Lorenz Stingl wurde bereits nach dieser Verordnung geprüft. In ein paar Jahren möchte er seinen Meister machen, damit bei Launhardt Guitars wieder ausgebildet werden und das Erbe Tom Launhardts weitergegeben werden kann.

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