31. Juli 2018, 19:24 Uhr

Gute Zahlen trotz Sommerflaute

31. Juli 2018, 19:24 Uhr
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Von Gerd Chmeliczek

Nürnberg/Gießen (dpa/gäd). Trotz einsetzender Sommerflaute bleibt die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiter auf Rekordtief. Mit 2,325 Millionen Jobsuchern verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) die niedrigste Juli-Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren. Das waren zwar 49 000 Arbeitslose mehr als im Vormonat, aber 193 000 weniger als noch vor einem Jahr, wie die Bundesbehörde mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Punkte auf 5,1 Prozent.

Dass die Arbeitslosigkeit von Juni auf Juli zunehme, sei saisonal üblich, kommentierte BA-Chef Detlef Scheele die Zahlen. »Zum einen machen einige Betriebe Sommerpause, neue Mitarbeiter stellen sie erst nach den Ferien ein. Zum andern steigt die Arbeitslosigkeit von Jüngeren in diesem Monat an.«

Der Grund: Nicht alle Azubis würden übernommen oder anderweitig sofort eine Stelle finden. Und auch Studierende stiegen nach dem Abschluss nicht immer nahtlos ins Erwerbsleben ein. Ohne jahreszeitliche Einflüsse ist die Zahl der offiziell registrierten Jobsucher im Juli um 6000 gesunken.

Die deutsche Wirtschaft wachse weiter, aber wegen der schwächeren weltwirtschaftlichen Impulse etwas langsamer, hieß es von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in Berlin. Auch die Juli-Zahlen am Arbeitsmarkt zeigten: Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bewege sich auf anhaltend hohem Niveau, und ausgeschriebene Stellen blieben länger unbesetzt als früher.

Fachkräfteengpässe seien also weiterhin Thema. Deshalb müsse man jetzt Ernst machen mit der Qualifizierungsoffensive, mit der Menschen auf für sie passende und gewünschte Stellen weitergebildet werden. »Damit die Unternehmen hierzulande ihr Potenzial im technologischen Wandel ausschöpfen und ihre Chancen auf den Weltmärkten nutzen können.« Bei der Bundesagentur waren im Juli etwa 823 000 offene Stellen gemeldet – 72 000 mehr als vor einem Jahr.

Junge drängen auf den Markt

Derweil drängt der Nachwuchs auf Hessens Arbeitsmarkt: Vor allem Schulabgänger, aber auch Flüchtlinge und fertig Ausgebildete haben sich im Juli auf Jobsuche gemacht. In der Folge stieg auch in Hessen die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen wie in jedem Juli leicht an, doch die Arbeitsagentur machte den jungen Leuten Hoffnungen auf entsprechende Ausbildungs- oder Arbeitsplätze. »Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden, stehen derzeit sehr gut: Die hessischen Arbeitgeber melden bislang deutlich mehr Lehrstellen als noch vor einem Jahr, die Anzahl der Bewerber ist aber nur leicht angestiegen«, erklärte der Chef der Direktion Hessen, Frank Martin. Demnach haben die Firmen in Hessen bis Juli 35 735 Lehrstellen gemeldet, 3,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Den knapp 13 000 unbesetzten Lehrstellen stehen rund 11 000 unversorgte Bewerber gegenüber.

Unter den Bewerbern finden sich laut Agentur verstärkt Flüchtlinge, die etwa acht Prozent sämtlicher Kandidaten stellen. Von den gut 3300 Menschen mit Fluchthintergrund hätten bereits 763 einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Sie stützten immer mehr den hessischen Ausbildungsmarkt.

Mit 156 550 Männern und Frauen gab es im Juli zwar knapp 4600 Arbeitslose mehr als im Juni, aber auch fast 12 800 weniger als vor einem Jahr. Unter dem Strich wies der Juli 2018 die niedrigste Arbeitslosenzahl in diesem Monat seit 1992 aus. Die vom Juni leicht um 0,1 Punkte gestiegene Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent war so niedrig wie seit 1981 nicht mehr.

Auch in Mittelhessen ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli gestiegen. Im Bezirk der Gießener Arbeitsagentur (Kreis Gießen, Wetterau und Vogelsbergkreis) waren 16 309 Menschen erwerbslos gemeldet – ein Anstieg gegenüber Juni von 516 Personen. Die Quote erhöhte sich um 0,2 auf 4,5 Prozent. Im Juli des Vorjahres waren noch 1766 Arbeitslose mehr bei der Arbeitsagentur Gießen registriert. »Der saisonübliche Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli ändert nichts an der nach wie vor guten Arbeitsmarktlage«, erklärt Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen.

Stärkste Zunahme in der Wetterau

»Vorrangig Jugendliche, die nach Schul- und Ausbildungsende keine Anschlussbeschäftigung haben, meldeten sich arbeitslos. Demgegenüber stehen ein hoher Zugang und Bestand an offenen Arbeitsstellen. Daher ist mit vermehrten Arbeitsaufnahmen in den kommenden Monaten zu rechnen.«

Alle drei Landkreise haben einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, im Wetteraukreis fiel er am stärksten aus. Im Kreis Gießen waren im Juli 7498 Menschen erwerbslos gemeldet, 196 mehr als im Vormonat. Die Quote stieg um 0,1 auf 5,2 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,9 Prozent. Damals waren 966 Menschen mehr registriert.

Im Wetteraukreis stieg die Arbeitslosenzahl im Juli um 253 auf 6709 Menschen. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte und lag bei 4,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren jetzt 470 Erwerbslose weniger gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 4,4 Prozent.

Im Vogelsbergkreis waren 2102 Personen arbeitslos gemeldet, 67 mehr als noch im Juni. Die Quote stieg um 0,1 auf 3,6 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 330 Erwerbslose mehr gemeldet. Die Quote lag damals bei 4,2 Prozent. (Seite 4)



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