30. Juni 2017, 22:13 Uhr

Gute Entwicklung setzt sich fort

30. Juni 2017, 22:13 Uhr
chmeliczek_gaed
Von Gerd Chmeliczek

Nürnberg/Gießen (dpa/gäd). Die boomende Konjunktur sorgt weiter für glänzende Zahlen am deutschen Arbeitsmarkt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im Juni 2,473 Millionen Menschen ohne Job – der niedrigste Wert in dem Monat seit dem Jahr 1991. Damit gab es 25 000 Arbeitslose weniger als im Mai und 142 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 5,5 Prozent. Bei der Zahl der Erwerbstätigen verkündete das Statistische Bundesamt zudem einen Rekord: Mit etwa 44,1 Millionen waren so viele in Lohn und Brot wie noch nie seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 648 000.

BA-Vorstandschef Detlef Scheele zeigte sich erfreut über die jüngsten Zahlen, die er auf die gute gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland zurückführte. Zwar sei der Rückgang der Arbeitslosenzahl um 25 000 etwas geringer ausgefallen als in den Vorjahren, berichtete Scheele – und betonte zugleich: »Das ist keine Trendwende.« Der Blick auf die gesamte Frühjahrsbelebung zeige, dass die Daten deutlich besser seien als in den Vorjahren. »Also es hat eher doller begonnen und hat ein bisschen eher aufgehört«, erklärte Scheele.

Tatsächlich war im Juni ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, wenn man die jahreszeitlichen Schwankungen ausklammert: Die saisonbereinigte Erwerbslosenzahl lag bei 2,547 Millionen. Damit waren etwa 7000 Männer und Frauen – 5000 im Westen und 2000 im Osten – mehr ohne Job als noch im Mai. Die Zahl der Arbeitslosem plus der Arbeitssuchenden, die an Aus- und Fortbildungskursen sowie Trainingsmaßnahmen der Arbeitsagenturen und Jobcenter teilnehmen, lag im Juni bei 3,496 Millionen. Experten sprechen von der sogenannten Unterbeschäftigung. Die Zahl der Betroffenen war im Juni saisonbereinigt ebenfalls um 7000 höher als im Vormonat. Doch meldete die BA zugleich 26 000 weniger Unterbeschäftigte als im Vorjahreszeitraum – und damit einen weniger starken Rückgang als bei der Arbeitslosigkeit. Grund sei eine Ausweitung von Maßnahmen vor allem für geflüchtete Menschen. Die Zahl der als arbeitslos geltenden Flüchtlinge liegt bei 181 000, im Juni wurden in Deutschland indes 490 000 Asylbewerber als arbeitssuchend bei einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter betreut. Im Vergleich zum Vormonat waren gut 6000 mehr als arbeitssuchend registriert. Und im Vergleich zum Juni 2016 stieg die Zahl der arbeitssuchenden Flüchtlinge um 194 000, die der arbeitslosen Geflüchteten um 50 000.

Erfreuliche Daten aus der Region

So viele Menschen waren in Hessen seit über 25 Jahren nicht mehr in Beschäftigung: Die Arbeitslosenquote ist im Juni auf einen Tiefstwert seit September 1991 gesunken. Insgesamt waren 163 414 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, was einer Quote von 4,9 Prozent entsprach. Bereits im Mai war die Quote erstmals seit knapp 26 Jahren unter die Fünf-Prozent-Marke gefallen. Die Zahl der Arbeitslosen ging im Juni nochmals zurück, wenn auch nur um weitere gut 1000 Personen. Die Arbeitslosenquoten von 2017 und 1991 sind aber eigentlich nicht miteinander vergleichbar, weil mit den Hartz-Reformen 2005 das System grundsätzlich verändert wurde. Am niedrigsten ist die Quote im Land im Landkreis Fulda (2,7 Prozent), wo fast Vollbeschäftigung herrscht. Offenbach hat es zwar inzwischen unter die Zehn-Prozent-Marke geschafft, hat aber trotz des Aufschwungs mit 9,4 Prozent Arbeitslosigkeit weiter die höchste Rate im Land.

Die starke Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ließ erneut auch ältere Menschen und Langzeitarbeitslose profitieren. Trotz der historischen Zahlen gibt es in Hessen aber weiter mehr als 50 000 offene Stellen. Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) forderte mehr Chancen für Menschen mit Migrationshintergrund. Man müsse diese stärker in Ausbildungen in einem Betrieb einbinden.

Wie schon im Vormonat gibt es auch für den Juni gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt in der Region. Im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen mit den drei Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg waren insgesamt 17 289 Menschen arbeitslos gemeldet, 132 weniger als im Mai. Die Quote sank um 0,1 auf 4,7 Prozent. Im Juni des Vorjahres waren noch 1163 Arbeitslose mehr gemeldet. Die Quote lag seinerzeit bei 5,1 Prozent.

»Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter positiv. Männer und Ältere sowie Langzeitarbeitslose und Ausländer konnten im Juni davon profitieren«, erklärt Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen. »Und aktuell haben wir keine Anzeichen, dass sich dieser Trend kurzfristig ändert. « Saisonüblich sei in den kommenden Wochen nur mit einem moderaten Anstieg der Erwerbslosigkeit bei den Jugendlichen zu rechnen, die sich nach dem Schul- oder Ausbildungsende arbeitslos meldeten. »Für Arbeitgeber ergibt sich daraus eine gute Ausgangslage, um offene Arbeits- und Ausbildungsstellen zu besetzen.«

Die Zahl der über 50-jährigen Erwerbslosen ist im Juni weiter zurückgegangen. Insgesamt waren 5654 Ältere arbeitslos gemeldet, 106 weniger als im Mai. Die Arbeitslosenquote ging von 4,7 auf nun 4,6 Prozent zurück.

Der stärkste Rückgang bei den Arbeitslosen im Agenturbezirk wurde in der Wetterau verzeichnet. Dort sank die Zahl um 74 auf 6799 Personen. Die Quote ging um 0,1 auf 4,1 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind jetzt 508 Erwerbslose weniger gemeldet. Vor einem Jahr lag die Quote bei 4,5 Prozent. Im Kreis Gießen waren im Juni 8099 Menschen erwerbslos gemeldet, 69 weniger als im Mai. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 5,7 Prozent. Im Vorjahresmonat lag sie bei 6,3 Prozent. Damals waren 725 Menschen mehr als arbeitslos registriert.

Im Vogelsbergkreis ist die Zahl der Erwerbslosen im Juni dagegen leicht gestiegen. 2391 Personen waren arbeitslos gemeldet, elf mehr als noch im Mai. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,1 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 70 Erwerbslose weniger gemeldet.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos