22. Mai 2018, 21:00 Uhr

Martyrium

Grausame Vergewaltigung nach über 30 Jahren gestanden

Vor mehr als drei Jahrzehnten wird eine junge Frau in einem Wald brutal vergewaltigt und fast umgebracht. Vor Gericht gesteht ihr damaliger Peiniger nun die Tat, bestreitet aber eine Tötungsabsicht.
22. Mai 2018, 21:00 Uhr
(Foto: dpa/Symbolbild)

Sie wurde stundenlang vergewaltigt, im Wald verscharrt und überlebte mehrere Stiche mit einem Schraubenzieher nur knapp: Vor mehr als 30 Jahren erlitt die damals 22-jährige Ursula S. aus dem Kreis Offenbach ein Martyrium. Am Dienstag begann vor dem Landgericht Aschaffenburg der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Jürgen R. In einer von seinem Anwalt vorgetragenen Stellungnahme gab der heute 55-jährige Deutsche die mehrfache Vergewaltigung zu. Eine Tötungsabsicht bestritt er aber.

Regungslos verfolgte Jürgen R. im Gerichtssaal der unterfränkischen Stadt sowohl die Worte seines Anwalts als auch die detaillierten Schilderungen der Tat durch den Chefermittler.

 

Verurteilung wegen versuchten Mordes?

 

Später am ersten Prozesstag tritt das damalige Opfer im Gerichtssaal seinem mutmaßlichen Peiniger gegenüber. Die 52-Jährige ist eine sehr zierliche, schlanke Frau. Sie wirkt energiegeladen, stark. Ihre Kleidung ist hell, die Brille modisch, das rot-blonde Haar schulterlang. Erinnern kann sie sich an die Nacht von vor 30 Jahren nicht mehr genau. »Damit lässt es sich auch besser leben«, sagt sie. Doch sie durchlebt das Martyrium noch einmal. Minutenlang liest der Richter ihre Aussage von 1988 vor, in der das brutale Vorgehen des Täters rekonstruiert ist.

Weitere sechs Verhandlungstage sind angesetzt. Dann soll entschieden werden, ob Jürgen R. wegen versuchtem Mordes verurteilt werden kann. Denn eine Vergewaltigung ist 30 Jahre nach der Tat längst verjährt.

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