21. November 2019, 22:37 Uhr

Patrick K.

Gießener sitzt in Türkei mit 15 Mann in einer Zelle

Die Mutter des Gießeners Patrick K., der in der Türkei eine sechsjährige Haftstrafe absitzt, klagt über schlechte Bedingungen in der Haft.
21. November 2019, 22:37 Uhr
Patrick K. mit seiner Mutter. Foto: pm

Patrick K., der in der Türkei eine sechsjährige Haftstrafe absitzt, ist Anfang September von Elazig im Osten des Landes in ein Gefängnis in Istanbul verlegt worden. Seine Mutter Claudia S. hatte Hoffnungen in den Ortswechsel gesetzt. Doch die Realität sieht anders aus. Gegenüber dieser Zeitung hat Claudia S. nun betont, dass ihr Sohn im neuen Gefängnis beschimpft und beleidigt werde, vor zwei Wochen sei er in eine Schlägerei mit einem Zellengenossen verwickelt gewesen. »Er hat die Schikane nicht mehr ausgehalten«, sagt seine Mutter, die einmal in der Woche mit ihrem Sohn telefonieren kann. Aus dem Weg gehen könne er seinen Peinigern nicht, im Gegenteil: »Mein Sohn muss sich eine Zelle mit 15 Männern teilen.«

Der Gießener ist im März 2018 in der Türkei in militärischem Sperrgebiet aufgegriffen worden. Dem 30-Jährigen wurde vorgeworfen, er habe die Grenze nach Syrien überschreiten und sich der Kurdenmiliz YPG anschließen wollen. Freunde und Familie betonen, er habe in der Türkei wandern wollen. Nachdem sein Hotelzimmer aufgebrochen worden sei, habe ihn ein Mann per Anhalter mitgenommen und im Sperrgebiet ausgesetzt. Das Gericht sah es anders, auch wegen einer angeblichen E-Mail, die K. den Kämpfern geschickt haben soll. Vor gut einem Jahr wurde er zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt.

In Veysel Ok hat K. einen prominenten Anwalt. Ok hat schon den Journalisten Deniz Yücel vertreten. Allerdings hat er Claudia S. zuletzt keine guten Nachrichten überbringen können. Demnach ist die eingelegte Berufung abgelehnt worden. Nun würde die Angelegenheit vor das höchste türkische Gericht gehen. Dies könne bis zu zwei Jahre dauern, und erst danach sei ein Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte möglich. »Das hat mich nach hinten geworfen«, sagt Claudia S, »und mein Sohn ist auch nicht begeistert.« Ohnehin würde ihr die Situation sehr zu schaffen machen. »Das ist sehr schwer zu ertragen. Ich mache mir Sorgen und frage mich, was als nächstes passiert.« Trotz aller Probleme biete das Istanbuler Gefängnis aber auch Vorteile. So dürfe ihr Sohn deutsche Briefe erhalten und verschicken, auch zur Bücherei habe er Zugang. Zudem habe er Türkisch gelernt. Das sei aber nicht nur von Vorteil. »Er versteht jetzt auch, was die anderen über ihn sagen.«

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