10. Januar 2019, 21:53 Uhr

Gießener Schüler unter Terrorverdacht

10. Januar 2019, 21:53 Uhr

Seit drei Wochen wird ein 18-jähriger Gießener in Ägypten vermisst. Nun hat die Familie Gewissheit – nur werden die Sorgen deshalb nicht kleiner: Wie das Auswärtige Amt gegenüber der »Gießener Allgemeinen Zeitung« (GAZ) bestätigt, befindet sich der Jugendliche »in Gewahrsam der ägyptischen Behörden«. Der Vater sagt gegenüber dieser Zeitung, das Auswärtige Amt habe ihn am Donnerstagvormittag über diesen Sachstand informiert. Nach seiner Aussage steht ein Terrorismusverdacht im Raum. Das Auswärtige Amt teilt weiter mit, die deutsche Botschaft in Kairo bemühe sich »intensiv um konsularischen Zugang und wird den Fall weiterhin betreuen«. Die Botschaft habe sowohl zu den ägyptischen Behörden als auch zu den Angehörigen des Betroffenen Kontakt.

Wie diese Zeitung bereits Ende Dezember berichtet hatte, war der 18-Jährige vor drei Wochen von Frankfurt aus nach Luxor geflogen. Von dort aus habe der Schüler nach Kairo weiterreisen wollen, um seinen kranken Großvater zu besuchen, hatte der Vater der GAZ damals gesagt. Dort kam der junge Mann jedoch nie an. Vermutlich ist er an der Passkontrolle in Luxor aufgegriffen und festgehalten worden. Den Umweg über die knapp 600 Kilometer von der Hauptstadt entfernte Stadt habe sein Sohn aus Kostengründen gewählt, erklärte der Vater. »Vielleicht war die Reiseroute für die Behörden verdächtig, weil mein Sohn nicht direkt nach Kairo geflogen ist«, sagte er damals gegenüber dieser Zeitung. Möglich sei auch, dass die Festnahme durch die ägyptischen Behörden eine »Rache« des Machtapparats sei, weil er – der Vater – sich für Menschenrechte einsetze und gegen die Regierung vor Ort sei. Kontakt zu seinem Sohn hat er weiterhin nicht. Deshalb hatte er auf der Plattform change.org eine Petition gestartet, die bisher über 50 000 Menschen unterzeichnet haben.

Wird ein Deutscher im Ausland verhaftet, sind die Behörden des Gastlandes verpflichtet, die deutsche Auslandsvertretung unverzüglich darüber zu unterrichten – sofern der oder die Verhaftete das verlangt. Der Konsularbeamte darf inhaftierte deutsche Staatsangehörige im Gefängnis besuchen und mit ihnen korrespondieren. Er vergewissert sich, welche Gründe für die Verhaftung vorliegen, ob die Behandlung korrekt ist und ob die Verpflegung und gesundheitliche Betreuung ausreichend sind. Auf Wunsch unterrichtet er Angehörige. Wer Doppelstaatler ist – und das soll der 18-jährige Gießener laut dpa sein –, kann nur eingeschränkt auf konsularische Hilfe hoffen: Die Behörden des anderen Landes betrachten die Doppelstaatler als ihren eigenen Staatsbürger und sind völkerrechtlich nicht verpflichtet, die Betreuung durch die deutsche Auslandsvertretung zuzulassen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Angehörige
  • Auswärtiges Amt
  • Terrorismusverdacht
  • Zeitungen
  • Gießen
  • Kays Al-Khanak
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos