31. März 2020, 20:28 Uhr

Gewissheit innerhalb von Stunden

31. März 2020, 20:28 Uhr
In Zukunft könnte es schneller gehen: Frankfurter Forscher haben ein neues Testverfahren entwickelt, mit dessen Hilfe das Coronavirus deutlich zügiger und großflächiger nachgewiesen werden kann. SYMBOLFOTO: DPA

- Frankfurter Forscher haben einen Test zur schnelleren und großflächigeren Analyse von Infektionen mit dem Coronavirus entwickelt. »Damit wird es möglich, die von allen Wissenschaftlern und auch Politikern geforderte Ausweitung der Testung in weitere Bevölkerungsgruppen auch bei den begrenzten Testkit-Ressourcen früher umzusetzen, als bisher angenommen wurde«, erklärte Erhard Seifried, Professor an der Frankfurter Goethe-Universität.

Wissenschaftler des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes und des Instituts für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums haben ein Verfahren entwickelt, bei dem Abstriche von mehreren Testpersonen zusammen untersucht werden. Die Proben werden in einem sogenannten »Mini-Pool« zusammengeführt und mithilfe eines Genomnachweises untersucht. Bei einem negativen Ergebnis haben alle enthaltenen Proben ein zuverlässig negatives Ergebnis. Bei einem positiven Befund werden Einzeltests der ursprünglichen Probe gemacht, die positive Probe könne so innerhalb von vier Stunden identifiziert werden.

Trotz des Zusammenführens der Proben sei das Verfahren zuverlässig. »Wir haben genau die gleiche Empfindlichkeit wie bei Einzeltests«, sagte Seifried. Man habe bei der Entwicklung keine Unterschiede in den Ergebnissen der Einzel- und Pool-Tests gefunden. Der Preis eines solchen gemeinsamen Tests sei genauso hoch wie ein Einzeltest - man erhalte aber fünf Ergebnisse. Die nötigen Reagenzien seien kein Problem. »Jeder Test, der auf dem Markt verfügbar ist, kann dafür verwendet werden.« Damit lasse sich in ganz Deutschland die aktuelle Anzahl von rund 40 000 Untersuchungen pro Tag auf 200 000 bis 400 000 Untersuchungen steigern.

Sinnvoll sei der Pool-Test vor allem bei Gruppen, die eine geringe Infektionswahrscheinlichkeit aufwiesen und die man regelmäßig testen wolle, wie medizinisches Personal, Pflegekräfte und Heimbewohner. Bei einer großen Wahrscheinlichkeit, dass eine Covid-19-Infektion vorliegt, mache ein Pool-Test wenig Sinn - weil man bei einem positiven Ergebnis alle Proben im Pool einzeln nachtesten muss. »Menschen, die symptomatisch sind, würden wir nicht in einem Fünfer- oder ZehnerPool testen, sondern in einem Zweier-Pool«, sagt Seifried. Weitere Infos zur aktuellen Corona-Situation:

Zahlen steigen weiter: Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus steigt in Hessen weiter an. Am Dienstag meldete das Sozialministerium bis 14 Uhr 3301 Fälle, 201 mehr als noch am Vortag. Die Zahl der Todesfälle, die auf den Erreger SARS-CoV-2 zurückgeführt werden, stieg in der Statistik des Ministeriums um vier auf 18. Bei den Zahlen sind jedoch nur solche Fälle erfasst, die von den Kommunen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in eine elektronische Datenbank eingepflegt werden. Für die Stadt Frankfurt wurden am Dienstag mit 396 Fällen nach wie vor die meisten Infizierten gemeldet. Die wenigsten Fälle gibt es mit 21 im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Freie Intensivbetten: Fast alle hessischen Krankenhäuser können auf den Intensivstationen noch Corona-Patienten aufnehmen. Landesweit sind in lediglich drei Kliniken die Beatmungsbetten belegt, wie aus dem Online-Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hervorgeht. Sieben weitere der insgesamt 51 darin aufgeführten Krankenhäuser melden begrenzte Kapazitäten an Betten mit invasiven Beatmungsmöglichkeiten. Auch der Gesundheitskonzern Fresenius sprach von einer relativ entspannten Corona-Situation in seinen deutschen Kliniken.

Mieterbund will Sicherungsfonds: Der Deutsche Mieterbund in Hessen hat angesichts drohender Zahlungsschwierigkeiten von Mietern in der Corona-Krise einen Sicherungsfonds »Wohnen« gefordert. Viele Mieter würden aufgrund von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit befürchten, dass sie demnächst ihre Miete nicht mehr zahlen könnten, teilte der Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes in Hessen, Gert Reeh, am Dienstag mit. »Wir wissen aber auch, dass insbesondere Kleinvermieter wegen ihrer finanziellen Einbußen in Schwierigkeiten geraten könnten.«

Mehr Mundschutz: Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) bittet die Bevölkerung der Stadt, während der Corona-Krise in der Öffentlichkeit Schutzmasken für Mund und Nase zu tragen. Damit soll ein Ansteckungsrisiko mit dem Virus verringert und die Verbreitung verlangsamt werden. dpa

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